Kennt Ihr das? Wenn man zu zweit ist und etwas ist gruselig... Nachtwanderung, Spaziergang durch den Wald, Horrorfilm... dann hängt der Grad der eigenen Angst von der Angst des anderen ab. Hab ich schon oft an mir beobachtet. Ich kann ein furchtbarer Schisser sein, jemand der sich nach einem schlimmen Film nicht mehr ins Bad traut, um Zähne zu putzen. Ich kann aber auch rotzmutig sein und im finsteren Park des Nachts die Hand meines Begleiters loslassen und alleine den Weg vorran stürmen, bis er, alleine in der Dunkelheit zurückgelassen, hektisch nach mir ruft. Wie mutig oder verschreckt ich bin, das hängt, davon bin ich mittlerweile überzeugt, vom Auftreten meines Mitleidenen ab. Zeigt er Angst, werde ich mutig. Tut er es nicht, steigere ich mich rein und kack mir in die Hosen.
Der Tenor hat keine Angst in schlimmen Filmen. Sie sich mit ihm anzusehen hat den erstmalig erfahrenen Vorteil von starken Armen, in denen ich mich 120 Minuten problemlos vergraben darf, sogar als ich mich einmal so errschreckt habe, dass ich ihm aus Versehen in die Hand biss, durfte ich noch. Und eines warmen Körpers mit gleichmäßigem Atmen neben mir, in den ich beim Einschlafen irgendwie verschlungen bin, oder zumindest sein kann (Der Tenor kann innerhalb von 30 Sekunden die erste Tierfschlafphase erreichen, die Befehlsgewalt, wer wie liegt und kuschelt, im Bett, obliegt danach mir allein.) Keine durchwachten Stunden, weil ich immer wieder aufschrecken und gucken muss, ob eine vermummte Gestalt neben mir auftaucht. Oder ich Flecken im Zimmer so lange anstarren muss, bis es mir schließlich gelingt, mir Augen, die mich anstarren, einzubilden, oder Schemen, die von nichts anderem als menschlichen Gliedmaßen stammen können.
Der Nachteil, Filme mit dem Tenor zu schauen: Bedingt durch die Eigenheit meiner Psyche, das Yang zum Yin der Ängstlichkeit des Anderen zu werden, scheiß ich mir neuerdings bei Filmen fast in die Hosen. Je-des-mal. Dabei war ich früher mal - als ich sowas alleine gucken musste - richtig standfest und knallhart. Verdammt. "The Descent", ein Höhlen-Monster-alle-sterben-Schocker war die traumatischste Erfahrung seit langem für mich, ich litt drei Nächte unter Verfolgungswahn. Alle, ALLE anderen, die ich kenne, fanden den Film mäßig. Bei "The Grudge" ist der Tenor eingeschlafen. Eingeschlafen! Ich hatte ihn vorsichtshalber herbeordert und dann läßt der mich doch mit diesem Wahnsinn alleine! Ein verdammt schlechter Streifen, übrigens, ich hasse Filme, die Effekte und Schreckmomente haschen, ohne einen dafür mit einer guten Story und Auflösung zu belohnen. Ich denke dann immer, sowas könnte ich auch.
Und jetzt... Mulholland Drive. Ein... merkwürdiger Film. "Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging", sagt der Tenor bei den ersten Bildern, "aber ich fand, der würde Dir gefallen". Na gut. Gefühlte drei Stunden später war der Film vorbei und wir wußten immer noch nicht, worum es ging. "Was war das denn?" Selten so verwirrt gewesen. Und trotzdem nervlich am Ende: Leichen, Monster, böse Männer, und die Erwartung von weiteren bösen Überraschungen in fast jeder Einstellung. Die Handlung mehr vermutet als nachgewiesen, alles war furchtbar konfus und machte scheinbar überhaupt keinen Sinn.Es geht um zwei Frauen, aber eigentlich drei, obwohl, vielleicht ist es auch nur eine, die... vergiss es. Mafia Bosse. LA: Schauspieler. Killer. Schöne Frauen. Verschwörungen. Gewalt. Winkie's. Ein altes Ehepaar. Silencio. Und heiße Lesbensexszenen. "Ich wußte doch, dass ich den nochmal gucken wollte! Mein Unterbewußtsein hat's mir gesagt", jubelte der Tenor, als die beiden Schönen zur Sache schreiten und ich muss grinsen. Beim Filmsex passiert wenigstens meist nichts schlimmes und ich kann erst mal entspannen.
Am nächsten Tag hat mich die Sache aber nicht los gelassen und ich hab bei Wikipedia und hier eine echt gute Interpretation gefunden. (Naja, bei Wikipedia eigentlich nur eine gute Inhaltsangabe. Aber die war auch schon hilfreich). Jetzt macht alles auf einmal Sinn und begeistert im Nachheinein. Genialer Film! Irgendwie...