Entr'acte Gedanken, Erlebnisse, Zitate, komischer Humor... und der Rest von mir.

Einträge "Gipfel-Report":

Dienstag, 12. Juni 2007

aufräumen und weg

Tja, das wars wohl erst mal. So beeindruckend Ausnahmezustände sein mögen - das Tempo, mit dem alles wieder normal wird ist mindestens genauso bemerkenswert. Auch wenn ich mich erst mal dran gewöhnen muss, ich dass ich nicht schnell auf großen Nachrichtenportalen gucken kann, wie es in meiner Innenstadt gerade aussieht.

Bei dem großen "Stimmen gegen Armut" Konzert war ich auch - türlich, da war ja jeder. Ich finde, wir haben das gut gemacht, uns lecker Essen mitgenommen, entspannt auf ne Wiese gelegt und Videoleinwände beobachtet - zu einigen Acts aufgestanden und nach vorne geschlendert, gefeiert. Ich weiß gar nicht, wie die Menschen das ausgehalten haben, sechs Stunden in der Hitze stehen und hüpfen, das ist doch anstrengend.

 

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Ansonsten habe ich ein Wochenende nache der Hauptstadt in großer Harmonie und Ferienstimmung verlebt, eine mittlere-bis schwere Krise abgewendet und hatte gestern ein großartiges Abenbrot mit auf dem Dach, den Sonnenuntergang zwischen den Beinen des Allerliebsten, Bringdienstpizza mümmelnd.. und quatschend. Unbeschreiblich schön.

Was übrig bleibt, sind Fragen an die Soziologin, die in mir heranwächst. (Kling eklig, oder?) Woher kommt diese Gewalt? Worum ging es wirklich bei diesen Demonstrationen? Beim Konzert, in der Menge, rief eine Frau den Umstehenden zu, dass es jetzt hoffentlich alle begriffen hätten. "Jetzt nur noch Biowaren kaufen! Gleich morgen!" Die Menschen haben sie angesehen, schweigend oder grinsend, klar, die Alte ist verrückt. Türlich hat sie recht. Und türlich wird keiner auf sie hören, viel zu teuer und so. Also... worum ging es Euch eigentlich? Und mir Euch meine ich uns. 

Die Sperrholzplatten werden von den Geschäften wieder abgenommen, vielleicht bauen sie auch bald die Mülleimer wieder an, ich will meine Abfälle nicht weiterhin in meinen Rucksack stopfen müssen. Wir sind durch, die Welt guckt längst wieder woanders hin, wir können die Buttons wieder abnehmen und weiterhin bei McDonalds essen.   

Dienstag, 5. Juni 2007

Meet the World

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Weil es so schön passt - zum Thema und meinem Studienfach. Eine Werbekampagne, die echte Fakten anhand von Nationalflaggen darstellt. Tolle Idee und eindrucksvolle Kritik... ich bin auf verschiedenen Ebenen beeindruckt.

Rostocker Innenleben

Immer noch frage ich mich, ob Krieg ähnlich ist.

Es scheint - wie so oft - zwei Sorten von Rostockern zu geben. Wobei ich für die spreche, die ich so mitkriege, also fast alles Studenten. Die ängstlichen, die versuchen, dieser Tage so wenig wie möglich vor die Tür zu gehe, und die, die versuchen, so viel wie möglich mitzubekommen. Ob aus Sensations- und Neugier oder dem Willen zu politischer Beteiligung. Um freiwillig das Haus zu verlassen, braucht es wohl eine Mischung von beidem. 

Ich zähle mich zur letzteren Gruppe und bin etwas überrascht, wer alles so zu ersteren gehört. Und mal wieder überrascht es mich, wie wenig Angst ich manchmal habe. Eigentlich bin ich bekennende Schisserin, ich war als Kind so brav, dass mir noch nicht mal eingefallen wäre, Blödsinn zu machen, aus Angst vor den Konsequenzen. Und heute zieht es mich zum den Zentren des Geschehens, stehe ich mit abgelaufenem Pass inmitten von Polizeiblockaden und werde nicht mal nervös. (Okay, ich muss wohl zugeben, dass es einducksvollere Beweise für seelische Abgebrühteit gibt, als das). Wie immer sehe ich mich durch die Augen des Tenores und trage das Stigma des Leichtsinns auf der Stirn.

Bin ich leichtsinnig? Leben wir im Ausnahmezustand? Ich beginne mich an die Polizeiautos zu gewöhnen, ich hab keine Angst, wenn ich raus gehe, ich fühle mich innerlich ganz normal. Interessiert und aufmerksam, ich hab noch nie so viel Zeit in Nachrichten investiert, aber sonst normal. Nicht nervös und nicht ängstlich. Ich radele durch die Straßen und frage mich, ob das im Krieg auch so ist. In Ländern, wo wirklich jederzeit schlimme Dinge passieren können, ob die Menschen innerlich sind wie ich - die Gefahr ist da, aber man lebt ganz normal. Bis wirklich etwas passiert. 

Andrerseits bedrohen uns vorerst nur Steine und Pfefferspray, vielleicht wird das seelische Innenleben ja doch anders, wenn Bomben mit ins Spiel kommen. Und da ist selbst meine Neugier begrenzt. Es gibt Sachen, die will ich wirklich nicht rausfinden.    

Bericht von der Peripherie des Geschehens

Wer soll sich denn bitte konzentrieren, wenn über einem ständig dieser Hubschrauber knattert?

Auf dem Weg zur Uni bin ich heute Nachmittag wegen Schaulust ein bisschen zu spät gekommen. Nicht dass es dieser Tage jemanden interessieren würde. Wobei es ja eigentlich nie jemanden interessiert. Das hauptsächliche sind Polizeiautos. Sie stehen in langen Schlangen irgendwo herum, sie fahren in langen Schlangen umher, manchmal gibt es Blaulicht, manchmal sogar Sirenen. Von Zeit zu Zeit Straßensperren.

Jeder hat etwas zu erzählen. Meine Mitbewohnerin erzählt, wie sie aus der Schule gekommen ist und auf einmal mitten drin war, im Krawall. Wie ein Polizist ihr geraten hat, jetzt mal lieber nicht in den Supermarkt zu gehen, weil "der gerade brenne". Als ich aus der Uni komme und die Innenstadt gesperrt und statt Fußgängern Sixpacs in der Fußgängerzone finde, höre ich von Krawallen im Stadtteil KTV und Doberaner Platz. Anscheinend weiß keiner wohin es die Autonomen als nächstes geht, vielleicht kommen sie hier her. Sicherheitshalber haben die Polizisten ihre durchsichtigen Schutzschilde schon bereit. Der kleine Tunnel zur Schwanschen Straße ist gesperrt. Ein paar Fast-Punks sitzen bei dem Brunnen in der Platzmitte und gröhlen. Als einer von ihnen einen beeindruckenden Rülpser von sich gibt, der über den Boulevard hallt, lachen die Polizisten an der Barrikade. Einen Moment ist es sehr schön, bis blöde Sprüche von den Punks kommen und die Gesichter der Polizisten wieder vereisen.    

  

 

Montag, 4. Juni 2007

Entr'acte

Wenn man von dem Polizeiaufgebot am und um den Bahnhof absieht, wirkt Rostock heute auf den ersten Blick wieder  ganz normal. "Auf den ersten Blick" bedeutet, dass ich tue, was ich an einem Mon- und Sonntag eben so mache. Ich arbeite an meinem Schreibtisch, ich quatsche mit Bekannten, ich fahre zur Uni. Dabei geht mein Weg nicht am Stadthafen vorbei, sondern durch die Innenstadt.

Auf den zweiten Blick steht das Ereignis nach wie vor im Raum. G8-Atmosphäre. In den Fluren der Universität stehen Studenten um Digitalkameras herum und verflogen gebannt ein kleines Filmchen, das einer von ihnen mitgeschnitten hat. Ich gehe vorbei und höre eine knistende Menschenmege rufen: Demonstrationssound, schon klar. Wenn man in der Mensa zufällig an Leuten mit Laptop vorbei geht, haben die zwar gewöhnlich das StudiVZ auf dem Schirm - das ist normal - aber blättern auch hier durch private Fotos von der Demonstration. Und wenn man Bekannte auf den Treppen trifft, gibt es nur ein Thema.