Entr'acte Gedanken, Erlebnisse, Zitate, komischer Humor... und der Rest von mir.

Einträge "September 2007":

Dienstag, 18. September 2007

Second Life ruins reality

Scheiß Second Life! Den ganzen Nachmittag hab ich da verbummelt und dann auch noch den Abend! Und gar nichts gemacht, dabei ist so viel zu tun... Das doofe am studentischen Dasein, zumindest in der Art, die ich praktiziere, ist, dass man gleichzeitig zu viel und zu wenig Zeit hat. Zu wenig, weil immer was zu tun ist und man vor Hausarbeiten und Praktium in zweieinhalb Monaten Sommerferien keine Zeit findet, mal ne Woche in den Urlaub zu fahren. Und zu viel, weil man sich den ganzen Scheiß einteilen kann und man eigentlich doch Zeit hat. Aber die verbringt man mit Schuldgefühlen oder schlecht geplant mit Gammeln, weil man vorher nicht genug gemacht hat und immer noch so viel zu tun ist... Ich muss ja noch so viel lernen, um ein gelassener, glücklicher Erwachsener Mensch zu sein. Gelassen und glücklich war ich schon mal... kommt mir manchmal so vor, als wäre das lange her.

Jetzt hab ich den Nachmittag und Abend verschwendet und beschlossen, dafür eben jetzt zu arbeiten. Jawoll, nachts! Dann kann ich morgen ausschlafen und schlimmer als dieses Gefühl von Selbsthass kann Arbeit in der Nacht jawohl auch nicht sein. Nochmal kurz aufs Klo und dann gehts los... 

mein Morgen

Heute Morgen war aufstehen schwer. Ich hab ne halbe Stunde regungslos im Bett gesessen und bin danach apathisch durch die Wohnung getorkelt. Ewig nicht aus der warmen Dusche rausgekommen und dann nichts - gar nichts - zum Frühstücken dagehabt. Also hab ich mir eine Jacke übergeworfen und die nassen Haare, die in diesem Zustand zu nichts zu gebrauchen sich, notdürftig mit einer Spange zusammengewurschtelt, unter meiner Lieblingsmütze (die ich dem Tenor in einem Geschäft erst aufgeschwatzt und dann weggeluchst habe) versteckt. Und bin in den überteuerten aber nahegelegenen Supermarkt geschluft, um mir was zu Essen zu kaufen. Frühstück muss nämlich, bei mir.

Im Vorbei gehen haben mich zwei Frauen komisch angesehen. Ich war gerade dabei, mir einzureden, dass ich mir das eingebildet hätte und versuchte, mich auf die Obstauslagen zu konzentrieren, da kam eine Stimem von hinten. "Also, ich hab ja schon viel gesehen!" Ach du kagge. Sätze, die von Fremden mit "Also ich hab ja schon viel gesehen" anfangen, haben meistens nichts gutes zu bedeuten. Ich fahre herum, vor mir steht einer weitere Frau, lila Kunstlederjacke und kurze Locken. Was jetzt wohl kommt? "Also ich hab ja schon viel gesehen - aber eine Haarspange..." Haarspange. Ich denke an die Sex and the City Folge mit dem Haargummi, dem dort größten modischen No-No und ich denke an das lieblos zusammengedrehte Chaos auf meinem Kopf. "aber eine Haarspange, passend zur Hose, das hab ich noch nie gesehen! Kompliment!" Ich brauche einen Moment. Sehe an mir runter, Cordhose, fasse mir an den Kopf, um mich zu erinnern, welches von den Dingern ich heute morgen eigentlich gegriffen hab. Ach die, ach ja, hellbraun. Tatsächlich, der selbe Ton. "Das haben sie wahrscheinlich noch gar nicht gemerkt.", lacht die Frau. "Sieht aber wirklich gut aus, sehr treffsicher!". Endlich lache ich auch. "Gekonnt ist gekonnt" sagte ich und sie verschwindet in dem Marmeladengang. Ich bleibe beim Obst zurück und starre auf vier Sorten Äpfel, verwirrt. Was war das denn?  

Donnerstag, 6. September 2007

mein Wochenende

Am Wochenende fahre ich wieder zu einer Beerdigung. "Nicht meiner eigenen" hätte ich jetzt fast geschrieben, heißt: keiner aus meiner eigenen Familie. Gefragt wurde ich trotzdem nicht, meine Begleitung wird gefordert. Wieder schwarz, wieder Familie, wieder das Haus, wieder lange Stunden im Auto.

Vorhin habe ich gemerkt, nur ganz leise, nebenbei, dass ich mich nicht unwohl fühle. Ich hab an meine letzte (und damals erste) Bestattung vor ein paar Monaten gedacht und mich dann gefreut, für ihn da sein zu können. Ich war damals alleine.  Und vor langer Zeit, als es nicht um eine Beerdigung, sondern nur um einen Todesfall als solchen ging, wurde ich weggeschickt. Da durfte ich nicht für ihn dasein - ein ganz anderer "ihn", freilich, die Erfahrung bleibt. In all ihrer Intensität.

Ich habe jemanden, der mich nicht wegschickt. Sondern der zu mir sagt "Und du kommst gefälligst mit, Madame." Als Shepard gestern zu Meredith gesagt hat, dass er immer wieder kommen wird, hab ich geweint. Das ist zwar was ganz anderes, gehört aber irgendwie hierher. 

Morgen also: Ruhrgebiet. Essen. Köln. Für mich ist das ja fast schon Süddeutschland, hier aus Rostock aus gesehen.

Vorher, also heute, also jetzt gleich geht es noch in ein Restaurant. Mit Freunden aus Frankreich. Ein bisschen unwürdig, wenn man sich auf so großartige Menschen hauptsächlich freut, weil man französisch sprechen kann. Welch Blödsinn.

~*~

Und warum zur Hölle muss ich, wenn ich für drei Tage wegfahre, keinen Platz in meiner Tasche habe und ohnehin keine Zeit haben werde, zwei Bücher und eine Zeitschrift mitnehmen?  

Dienstag, 4. September 2007

brizzel

Heute ist übrigens der Tag, an dem ich mich mit auslaufender Batterienflüssigkeit verätzt habe. Aua.

Sechs Tanzstunden in sechs Wochen

Die "kleine Komödie"  in Warnemünde ist toll. Sie ist nämlich wirklich klein und ganz entzückend. Und wenn man wieder rauskommt, aus der Theaterwelt, kann man an den Strand gehen. Nicht das wir das gemacht hätten, wir mussten unseren Zug kriegen. Aber es schreibt sich so schön.

"Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" scheint beliebt zu sein. Wenn man das Stück mal googelt, bekommt man den Eindruck, dass es derzeit in ganz Deutschland aufgeführt wird. Ist auch niedlich. Eine alte Dame, Lilly, nimmt bei einem aufbrausenden, schwulen, jungen Mann, Michael, Tanzstunden. Die beiden streiten sich und lieben sich und erzählen sich ihre Lebensgeschichte, sind ganz rührend und witzig, ehrlich und schrecklich einsam.

Ein schönes Stück, ein netter Abend. Und der Tenor hat meine Hand gehalten und ich dachte, wie wunderbar, dass mein Mann mit meiner charmanten Freundin K. und mir ins Theater geht und es ihm wahrhaftig gefällt.  

in: Kultur

Mulholland Drive

Kennt Ihr das? Wenn man zu zweit ist und etwas ist gruselig... Nachtwanderung, Spaziergang durch den Wald, Horrorfilm... dann hängt der Grad der eigenen Angst von der Angst des anderen ab. Hab ich schon oft an mir beobachtet. Ich kann ein furchtbarer Schisser sein, jemand der sich nach einem schlimmen Film nicht mehr ins Bad traut, um Zähne zu putzen. Ich kann aber auch rotzmutig sein und im finsteren Park des Nachts die Hand meines Begleiters loslassen und alleine den Weg vorran stürmen, bis er, alleine in der Dunkelheit zurückgelassen, hektisch nach mir ruft. Wie mutig oder verschreckt ich bin, das hängt, davon bin ich mittlerweile überzeugt, vom Auftreten meines Mitleidenen ab. Zeigt er Angst, werde ich mutig. Tut er es nicht, steigere ich mich rein und kack mir in die Hosen.

Der Tenor hat keine Angst in schlimmen Filmen. Sie sich mit ihm anzusehen hat den erstmalig erfahrenen Vorteil von starken Armen, in denen ich mich 120 Minuten problemlos vergraben darf, sogar als ich mich einmal so errschreckt habe, dass ich ihm aus Versehen in die Hand biss, durfte ich noch. Und eines warmen Körpers mit gleichmäßigem Atmen neben mir, in den ich beim Einschlafen irgendwie verschlungen bin, oder zumindest sein kann (Der Tenor kann innerhalb von 30 Sekunden die erste Tierfschlafphase erreichen, die Befehlsgewalt, wer wie liegt und kuschelt, im Bett, obliegt danach mir allein.) Keine durchwachten Stunden, weil ich immer wieder aufschrecken und gucken muss, ob eine vermummte Gestalt neben mir auftaucht. Oder ich Flecken im Zimmer so lange anstarren muss, bis es mir schließlich gelingt, mir Augen, die mich anstarren, einzubilden, oder Schemen, die von nichts anderem als menschlichen Gliedmaßen stammen können.

Der Nachteil, Filme mit dem Tenor zu schauen: Bedingt durch die Eigenheit meiner Psyche, das Yang zum Yin der Ängstlichkeit des Anderen zu werden, scheiß ich mir neuerdings bei Filmen fast in die Hosen. Je-des-mal. Dabei war ich früher mal - als ich sowas alleine gucken musste - richtig standfest und knallhart. Verdammt. "The Descent", ein Höhlen-Monster-alle-sterben-Schocker war die traumatischste Erfahrung seit langem für mich, ich litt drei Nächte unter Verfolgungswahn. Alle, ALLE anderen, die ich kenne, fanden den Film mäßig. Bei "The Grudge" ist der Tenor eingeschlafen. Eingeschlafen! Ich hatte ihn vorsichtshalber herbeordert und dann läßt der mich doch mit diesem Wahnsinn alleine! Ein verdammt schlechter Streifen, übrigens, ich hasse Filme, die Effekte und Schreckmomente haschen, ohne einen dafür mit einer guten Story und Auflösung zu belohnen. Ich denke dann immer, sowas könnte ich auch. 

Und jetzt... Mulholland Drive. Ein... merkwürdiger Film. "Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging", sagt der Tenor bei den ersten Bildern, "aber ich fand, der würde Dir gefallen". Na gut. Gefühlte drei Stunden später war der Film vorbei und wir wußten immer noch nicht, worum es ging. "Was war das denn?" Selten so verwirrt gewesen. Und trotzdem nervlich am Ende: Leichen, Monster, böse Männer, und die Erwartung von weiteren bösen Überraschungen in fast jeder Einstellung. Die Handlung mehr vermutet als nachgewiesen, alles war furchtbar konfus und machte scheinbar überhaupt keinen Sinn.Es geht um zwei Frauen, aber eigentlich drei, obwohl, vielleicht ist es auch nur eine, die... vergiss es. Mafia Bosse. LA: Schauspieler. Killer. Schöne Frauen. Verschwörungen. Gewalt. Winkie's. Ein altes Ehepaar. Silencio. Und heiße Lesbensexszenen. "Ich wußte doch, dass ich den nochmal gucken wollte! Mein Unterbewußtsein hat's mir gesagt", jubelte der Tenor, als die beiden Schönen zur Sache schreiten und ich muss grinsen. Beim Filmsex passiert wenigstens meist nichts schlimmes und ich kann erst mal entspannen. 

Am nächsten Tag hat mich die Sache aber nicht los gelassen und ich hab bei Wikipedia und hier eine echt gute Interpretation gefunden. (Naja, bei Wikipedia eigentlich nur eine gute Inhaltsangabe. Aber die war auch schon hilfreich). Jetzt macht alles auf einmal Sinn und begeistert im Nachheinein. Genialer Film! Irgendwie...     

in: Kultur

muxmäuschenstill

 

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Endlich Muxmäuschenstill gesehen und wie erwartet ganz toll gefunden. Lange Diskussionen zum Thema mit dem Tenor, dem Mann mit dem guten Herzen und dem fürchterlichen Dickkopf geführt und ihn ziemlich gut von meinem soziologischen, glasklaren Blick auf die Wirklichkeit (Hrem!) überzeugt.

Und - einmal kurz gegoogled und mich gefreut: er Gedanke an Don Quichotte und Sancho Pansa hat sich ja doch anderen auch aufgedrängt. Gott, ich bin sooo romanistisch und schlau.

in: Kultur

Montag, 3. September 2007

Nothing

Ich such mir die ja danach aus (bzw. der Tenor macht das für mich. Es ist rührend, wie treffsicher er Filme aus seiner Sammlung fischt, die mir wirklich gut gefallen, auf die ich alleine aber nie gekommen wäre.), aber dieser Film ist wirklich merkwürdig. Sehr merkwürdig.

Dass wir "Nothing" gesehen haben, war sein Verdienst, durch irgendeinen Satz in irgendeinem Gesprächsfetzen ist er darauf gekommen und hat bestimmt, dass wir "den jetzt gucken". Ich hätte an dem Abend lieber was anderes gemacht (Kuscheln, Reden, Schlafen... ich bin so ein Mädchen) und war ein bisschen ungnädig. Fast hätten wir ihn wieder ausgemacht, ich bin froh, dass wir es nicht getan haben. Denn wenn man durchhält, wird "Nothing" in der zweiten Hälfte richtig gut.

In der ersten Hälfte ist er es nicht. Die beiden Protagonisten sind Loser. Der eine traut sich nicht aus dem Haus, der andere ist ein unsympathischer Versager. So leben sie zurückgezogen, aber glücklich in einer Elends-WG und werden furchtbar hektisch und aufgeregt, als ihr Leben aus den Fugen gerät und aufgrund einer Anhäufung von großem Pech zusammenbricht. Die ganze Zeit laufen sie schreiend umher und gingen mir dabei ziemiich auf die Nerven. Als alles auf einmal kommt und die beiden, eingekesselt von diversen Verfolgern, im Keller ihres Hauses in die Enge getrieben werden, wird es nocheinmal furchtbar laut und dann... still. Alles ist ruhig und als die beiden vor die Tür gehen, finden sie raus, warum. Alles ist weg. Das Haus der zwei ist inmitten von weißem... Nichts. Nichts nichts nichts, in dem man umherspringen, sonst aber nicht wirklich was tun kann. Bis die beiden sich damit abfinden, dauert es noch ein bisschen, aber dann beginnt der gute Teil des Films. Denn jetzt sind sie alleine und müssen miteinander klar kommen. Das geht eine Zeit lang gut, dann beginnen die Probleme, die Bewältigung der Probleme und neue Probleme, die daraus entstehen. Es ist ein Nachdenken über den Menschen, eine Darstellung, die ihn ziemlich gut trifft und eine Freude für den Freund der unprofessionellen Psychologie, dabei zuzusehen.

Das ganze Geschrei in der ersten Hälfte zu ertragen, lohnt sich also.

in: Kultur