Entr'acte Gedanken, Erlebnisse, Zitate, komischer Humor... und der Rest von mir.

Einträge "Juni 2007":

Mittwoch, 27. Juni 2007

Rostock lässt nicht von den Steinen: heftige Krawalle um bösen Naziladen in der Innenstadt

Verdammt, ich krieg wieder als letzte mit, was passiert. In der KTV, dem bunten, linksintellektuellen Lieblingsviertel unserer Stadt hat ein Naziladen ("East Coast Corner") aufgemacht und wurde durch eine Steinschlacht mit verletzten Polizisten, einem angezündeteten Auto eingeweiht. Alle regen sich auf, über dieses Symbol der Intoleranz und Aggression im studentischen, multikulturell angehauchten Szeneviertel und die Nazis verbereiten Hasstriaden auf ihren Webseiten.  

 

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Ich, währenddessen, denke darüber nach, wie ich sinnvoll gegen diesen Laden protestieren kann und bin fasziniert davon, wie das Thema durch die Stadt geflogen ist und in der Luft gelegen hat, bis ich etwas davon mitbekommen habe. Die Gespräche über fliegende Steine und angezündete Autos habe ich mitbekommen, auch das Wort Laden an der Peripherie meiner Aufmerksamkeit aufgeschnappt - an Bushaltestellen, in Hörsäalen haben sich Leute neben mit darüber unterhalten. Aber bis ich eben in einem Weblog genaueres gelesen habe, hat das Ereignis meine Gedanken nur gestreift, kurz die Frage, warum die Menschen scheinbar immer noch über den G8 reden und dann habe ich mich wieder dem zugewandt, was mich gerade beschäftigt hielt. Die Dynamik von Neuigkeiten - faszinierend. 

 

Dienstag, 26. Juni 2007

Zettelfieber

Eine Freundin hat dieses Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen - es ist toll. Es ist eine Sammlung gefundener Zettel, Lebens-Schnipsel von irgendwelchen Menschen, es begeistert mich.

Nachdem ich schon seit Jahren täglich mehrere Zettel, Post-Its und Listen fabriziere und auch mal gerne welche in Bibliotheksbüchern oder fremden Briefkästen hinterlasse, habe ich nun beschlossen, auch Zettel zu sammeln und kann heute, keine Woche später, mein erstes Fundstück vermelden.

 

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Spekulationen über den Sinn dieser Liste sind willkommen. Es handelt sich um Geschäfte der Rostocker Fußgängerzone - vielleicht hat jemand aufgeschrieben, wo er nach einem Job fragen will. Oder wo er seinen Schlüssel verloren hat. Oder...

Hach, das macht Spaß. 

 

Montag, 25. Juni 2007

abstrahier das!

S., ein guter Freund, ist Physiker. Und hat einen tollen Humor. Schöne Mischung.

[13:35] Phae: gut, dann bis mittwoch
[13:35] Phae: tschüß
[13:36] S.: tshü´ß
[13:37] S.: mhm, da hat nicht viel gestimmt, aber du kannst das abstrahieren : )
[13:37] Phae: *lach*  

glücklich aus dem Wochenende

Hinter mir liegt ein weiteres großartiges Wochenende mit den weiterhin großartigen Freunden des gemeinsamen Gesangs. Ich mag ja so was. Ausflüge in Jugendherbergen oder Campingplätze, in großen Gruppen. Für zwei Tage ist man wie eine kleine, eigene Gemeinschaft, ein Stamm. Mit einem kleinen Dorf, wo man gemeinsam schläft, einem Platz, wo man gemeinsam isst, oft einer Feuerstelle. Man grillt, spielt, lebt einfach. Kein Streß, keine Arbeit. Bestenfalls kümmert man sich ums Essen. An Tagen wie diesen, wenn man einfach so vor sich hinlebt, fragt man sich, warum es nicht immer so sein kann. Warum es eigentlich Kriege gibt, wo es doch so schön ist, mit Menschen zusammenzuleben.

Bei uns jedenfalls, war es großartig. Trotz Konfliktpotential, mit dem alle ganz erwachsten umgegangen sind. Viel Musik, selbstgemachte, viel Spaß, Sport, Wasser, Fledermäuse, Sandkastenspiele, Kennenlernspiele, lecker Jugendherbergsessen , viel zu wenig Schlaf und eine geniale Nachtwanderung. Wir - als Organisatoren derselben hatten wahrscheinlich am meisten Angst. Aber auch am meisten Spaß. Nachts im Wald stehen, sich fast in die Hosen machen und dann am laufenden Band Leute erschrecken ist ganz ganz großartig. Und, verdammt, ich war gut. Ich glaub, ich werd Ferienlagerbetreuerin.

Und jetzt wird es aber höchste Zeit - ich habe Schlaf nachzuholen!  

Donnerstag, 21. Juni 2007

Anstatt am Strand zu feiern, sitze ich nun also zu Hause und arbeite für die Uni. Und finde kleine Schätze der Literatur, schöne Worte über Liebe.

Es ist eine ganz eigenartige Sache, eine Königin zu lieben. Es ist dasselbe, als ob man einen Stern liebt. Aber das Gestirn kommt wenigstens allnächtlich an den Himmelssaum, um zu leuchten; es ist gleichsam ein geheimniserfülltes Wiedersehen. Man erblickt den Stern stets aufs neue und er läßt sich ungestraft anstarren. O Unheil!

Arm, unbekannt, unberühmt zu sein, auf der untersten Sprosse der menschlichen Stufenleiter zu stehen und das Herz vor Liebe zu irgendeinem funkelnden, strahlenden Sonnending, zu einem Weib, dessen letzte Sklavin nichts von einem wissen wollte, überströmen zu fühlen!

Das Auge beständig auf jemand richten zu müssen, der einen gar nicht sieht, der einen nie und nimmer bemerken wird, für den man nichts ist denn einer von den vielen und den man hunderte Male trifft, ohne erkannt zu werden! Und kommt gar etwa die Gelegenheit, zu sprechen, nichts geben zu können, kein dichterisches Feuer, keine große Tat, keine überirdische Eigenschaft, bloß Liebesverlangen!

Für Schönheit, Adel, Macht, für allen Glanz, von dem man träumt, nichts bieten zu können, als Leidenschaft und Jugend!

Wie grausam! 

aus: Théophile Gautier - Une Nuit de Cléoparte  

 

Gutes Wasser, schlechtes Wasser

Ich mag ja Regen. Aber heute vermasselt der mir schon zum dritten Mal einen geplanten, schönen Strandtag. Arschlochregen.

.*.

[12:51] Phae: ich hab eine Spammail, die sagt "Sie nehmen sich wichtig wie Affenbrot" o.O  

[12:52] Der Tenor: ja da hat es aber auch recht

Mittwoch, 20. Juni 2007

... und auf einmal war alles schön

Ein Dialog zwischen Kissen und Decken.

Der Tenor: Es ist so doof, nichts zu tun zu haben.

Phae: Und warum hast Du nichts zu tun?

Tenor: Ich hab was zu tun. Ich hab nur keine Lust.

Phae: Brauchst Du jemanden, der dir in den Hintern tritt? Soll ich das machen?

Der Tenor nickt.

Phae: Geh arbeiten!

Der Tenor: Geht nicht. Ich muss auf B. warten und B. ist doof.

Phae: Dann mach was für Deine Diplomarbeit - damit Du schneller nach Köln ziehen kannst.

Der Tenor: Ich will gar nicht nach Köln.

...

Klar, da ging es noch weiter. Aber gut. Sehr gut. Was er gesagt hat, hat mich berühigt und sehr glücklich gemacht. So sehr, dass ich bis eben völlig vergessen habe, dass er heute bestimmt wieder nichts für seine Diplomarbeit macht.

Daily Damokles

Es ist schön, nach der Uni zu einer alten Grundschulfreundin zu fahren, Brötchen mitzubringen und seit langer Zeit mal wieder ausgiebig über alles zu quatschen. Dabei darüber nachzudenken, wie sehr sie noch wie früher ist. Den Abend mit einer Folge Grey's Anatomy zu beschließen und zusammen gerührt und belustigt zu sein, und sich aufzuzählen, wie sehr man Isi, George und Christina mag. Und Bailey!!!

Schön ist es auch, nachts um halb zwölf zu gehen und es ist noch warm und den Tenor anzurufen und zu fragen, ob man noch vorbei kommen kann. Und zu hören, dass er sich freut. 

Allerdings ist es auch ein bisschen traurig, so durch die Stadt zu radeln und zu denken, dass das bald vielleicht nicht mehr geht, weil der Tenor dann nicht mehr ein paar Straßen weiter wohnt. Sondern in... Köln.

Und alles Schöne wird zum Damolkesschwert, unter dem ich fortan lebe?  

es ist juni.

"Studieren im Sommer ist wie Urlaub mit Streß." Sachen, die man selbst gesagt hat, zu zitieren ist doof, aber ich weiß, dass ich Recht hatte. Lernen auf dem Dach oder im Park, mit Riesen-Reader an den Strand, Mensaessen mit rausnehmen, auf den Rasen. Oder, wie heute, sich vom Tenor abholen lassen, Dinge in der Stadt erledigen und dann Currywurst mit Pommes auf dem Rasen vor dem Hauptgebäude verschmausen. Hinterher ging es leider nicht zum Strand, sondern an den Schreibtisch, Hausaufgaben machen. Und zwar jetzt. Studieren im Sommer ist halt doch vor allem eins: Studieren. Seufz.

 

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Montag, 18. Juni 2007

Köln

Er will weggehen. Er spricht davon, dass es ihn wegzieht. Dahin, wo er herkommt. Köln.

Köln. Köln, das ist ein langer Tag auf der verstopften Autobahn, um hinzukommen. Und graue Häuser. Ich war da, gar nicht schön ist es in Köln. Ich bin mir ziemlich sicher, Köln ist ein Arschloch.

Ich hab sie weggeschoben, die Angst, aber sie wird größer, er hört nicht auf, davon zu reden. Auch mit anderen. Ich spitze dann die Ohren und werde die nächsten Stunden ganz still. Es zieht ihn weg von hier. Weit weg. 

Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich einen Jungen umarmen und die Umarmung genießen. Ich muss nicht ängstlich die Sekunden zählen, bis er mich loslässt, sich entzieht, ich muss mich nicht darauf vorbereiten, ihn in wenigen Stunden gehen lassen zu müssen, muss nicht krampfhaft versuchen, alles aufzusaugen und zu konservieren, weil er gleich wieder weg muss, oder - schlimmer - weg will. Zum ersten Mal ist es normal zusammen zu sein, Tage lang, Abende und Nächte und Morgen. Und über alledem hängt jetzt wieder das Damoklesschwert: bald ist es vorbei. Bald ist er weg und Du musst Dir alleine die Zähne putzen und ins Bett gehen. Jede Nacht. Bald ist er so weit weg wie nie jemand vorher.

Selbst der Fka, von dem Dich Welten trennen, den alle im StudiVZ ihren Freund nennen dürfen, nur du nicht, ist noch da und nahe. So nahe, dass Du ihn heute gesehen hast, als Du die Wohnung verlassen hast. Er ging vorrüber und Du konntest stehen bleiben und ihm hinterher sehen. Und dich fragen, was zur Hölle er eigentlich mit seinen Haaren angestellt hat. Unbemerkt - die Leute gucken eben nicht nach oben.

Der Fka ist noch da... und vielleicht kommt es doch irgendwann zu dem Wiedersehen, dass Du in der Luft zu fühlen glaubst, das Du herbei sehnst und befürchtest. Und wenn es soweit ist, ist es Dir vielleicht egal, weil Du mentale Ringe unter den Augen hast und in Gedanken nur bei dem Tenor bist, der nach Köln gegangen ist und Dir fürchterlich fehlt. 

Mal wieder muss ich mich bemühen, zu begreifen, bevor es zu spät ist. Mal wieder der Gedanke, dass die Zeit die wir haben, unheimlich kurz und sehr schnell zu Ende sein kann - auch wenn es so scheint, dass ich ihn so lange haben könnte, wie ich nur will. Beim letzen Mal habe ich das gedacht und mich erschrocken. Und es dann nicht geglaubt. Ist es eine gute Idee, diesmal klüger zu sein? 

 

Freitag, 15. Juni 2007

Momentmusik

Als ich heute morgen in die kleine, schöne Bäckerei ging, um ein Stück Stachelbeerbaiser für meinen kranken Liebling und unser gemeinsames "verregneter Freitag"-Frühstück zu kaufen, da lief dieses Lied. Das habe ich schon ewig nicht mehr gehört. Schön. Uns beiden, uns geht es gut. Das Leben ist manchmal gemein, die letzten Wochen waren nicht leicht. Aber jetzt ist alles wieder gut - vielleicht gerade deswegen. Sehr gut.

S. hat mir von ihrer komplizierten Bettgeschichte erzählt. Ich bin so froh, meinen Tenor zu haben. Und dieses Lied, jetzt gerade.  

Köngige

"Als wir vor 40 Jahren hier einzogen, da waren wir wie Könige", sagt die alte Frau wehmütig und ich weiß genau was sie meint. Das Haus ist schön, nichts besonderes, aber auf allen drei Stockwerken voll mit Leben und gutem Geschmack. Einem Leben, das vergangen scheint, allerdings. Sie kann nicht mehr sehen, ihr Mann hat Alzheimer und kann nicht mehr tun, als in einem Sessel sitzen und mit Servietten spielen. Das Leben, das in dem Haus steckt, ist noch nicht vorbei, aber es hat Staub angesetzt und wird langsam zur Erinnerung. 

Wie Könige, hat sie zu mir gesagt. Da hat sie mich noch keine Stunde gekannt. Und ich habe sie so gut verstanden. Und ich habe Angst bekommen, vor dem Tag, an dem ich so weit bin, so etwas wehmütig zu einem jungen Menschen zu sagen. Aber wenn es soweit ist, dann möchte ich so schöne, schneeweiße Haare haben, wie sie.  

Full Metal Village

"Full Metal Village" lohnt sich. Eine Chinesin hat einen Film über das kleine Dorf Wacken gemacht, in dem ja bekannteramßen einmal jährlich das große Open Air mit vielen langhaarigen jungen Menschen stattfindet, das die restliche Zeit aber nur von ein paar Bauersfamilien bewohnt wird, die platt sprechen und Kühe haben.

Die Kontraste und die offene Einfachheit der Menschen machen diesen Film so besonders, wir haben viel gelacht und manchmal ganz große Augen bekommen vor Rührung. Wenn der sympathische Opa von Liebe spricht, zum Beispiel, oder die kuchenbackende Omi kopfschüttlend von den Satansanbetern erzählt, die in Schaaren in ihr Dorf strömen und schreckliche Dinge tun, die sie einfach nicht versteht. Da wollte man sie nur noch in den Arm nehmen und trösten und ihr erzählen, dass das eigentlich ganz harmlose Menschen sind, die Langhaarigen, und die meisten mit dem Satan nichts am Hut haben. Nicht mehr zumindest, als die hübschen Banker und Anzugträger, ist doch so.

Ich bin (fast) Großstadtmädchen und TFF Besucherin - nach Wacken zu fahren liegt mir fern. So waren es für mich zwei unbekannte Welten, in die ich Einsicht bekam, anders als S. neben mir. Der hat seine Karte für dieses Jahr schon und es wird nicht das erste Mal sein. Wir hatten beide großen Spaß. Einmal aufgetaucht habe ich meinen Herr der Ringe Vergleich nicht mehr aus dem Kopf bekommen: das kleine Hobbitdorf, das auf einmal von Unmengen von Orks und Trollen heimgesucht wird. 

Ein großartiger Film!  

in: Kultur

Dienstag, 12. Juni 2007

aufräumen und weg

Tja, das wars wohl erst mal. So beeindruckend Ausnahmezustände sein mögen - das Tempo, mit dem alles wieder normal wird ist mindestens genauso bemerkenswert. Auch wenn ich mich erst mal dran gewöhnen muss, ich dass ich nicht schnell auf großen Nachrichtenportalen gucken kann, wie es in meiner Innenstadt gerade aussieht.

Bei dem großen "Stimmen gegen Armut" Konzert war ich auch - türlich, da war ja jeder. Ich finde, wir haben das gut gemacht, uns lecker Essen mitgenommen, entspannt auf ne Wiese gelegt und Videoleinwände beobachtet - zu einigen Acts aufgestanden und nach vorne geschlendert, gefeiert. Ich weiß gar nicht, wie die Menschen das ausgehalten haben, sechs Stunden in der Hitze stehen und hüpfen, das ist doch anstrengend.

 

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Ansonsten habe ich ein Wochenende nache der Hauptstadt in großer Harmonie und Ferienstimmung verlebt, eine mittlere-bis schwere Krise abgewendet und hatte gestern ein großartiges Abenbrot mit auf dem Dach, den Sonnenuntergang zwischen den Beinen des Allerliebsten, Bringdienstpizza mümmelnd.. und quatschend. Unbeschreiblich schön.

Was übrig bleibt, sind Fragen an die Soziologin, die in mir heranwächst. (Kling eklig, oder?) Woher kommt diese Gewalt? Worum ging es wirklich bei diesen Demonstrationen? Beim Konzert, in der Menge, rief eine Frau den Umstehenden zu, dass es jetzt hoffentlich alle begriffen hätten. "Jetzt nur noch Biowaren kaufen! Gleich morgen!" Die Menschen haben sie angesehen, schweigend oder grinsend, klar, die Alte ist verrückt. Türlich hat sie recht. Und türlich wird keiner auf sie hören, viel zu teuer und so. Also... worum ging es Euch eigentlich? Und mir Euch meine ich uns. 

Die Sperrholzplatten werden von den Geschäften wieder abgenommen, vielleicht bauen sie auch bald die Mülleimer wieder an, ich will meine Abfälle nicht weiterhin in meinen Rucksack stopfen müssen. Wir sind durch, die Welt guckt längst wieder woanders hin, wir können die Buttons wieder abnehmen und weiterhin bei McDonalds essen.   

Mittwoch, 6. Juni 2007

Listen, Dschisis, I don't like what I see

Gibt ja so Sachen, die sind ganz schlimm und gehören nicht hierher. Die sollte ich hier auch nicht breittreten. Nur soviel... wahnsinn, wie manche Texte manchmal passen. Bis auf kleine Details, zugegeben, aber andere Details dafür passen um so besser. Ich rede von diesem Lied.

Mein Part ist der von Judas. Und ich habe nicht die leiseste Ahnung, ob das, was ich heute mache, richtig oder falsch ist. Oh, Dschisis. 

Dienstag, 5. Juni 2007

Meet the World

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Weil es so schön passt - zum Thema und meinem Studienfach. Eine Werbekampagne, die echte Fakten anhand von Nationalflaggen darstellt. Tolle Idee und eindrucksvolle Kritik... ich bin auf verschiedenen Ebenen beeindruckt.

Rostocker Innenleben

Immer noch frage ich mich, ob Krieg ähnlich ist.

Es scheint - wie so oft - zwei Sorten von Rostockern zu geben. Wobei ich für die spreche, die ich so mitkriege, also fast alles Studenten. Die ängstlichen, die versuchen, dieser Tage so wenig wie möglich vor die Tür zu gehe, und die, die versuchen, so viel wie möglich mitzubekommen. Ob aus Sensations- und Neugier oder dem Willen zu politischer Beteiligung. Um freiwillig das Haus zu verlassen, braucht es wohl eine Mischung von beidem. 

Ich zähle mich zur letzteren Gruppe und bin etwas überrascht, wer alles so zu ersteren gehört. Und mal wieder überrascht es mich, wie wenig Angst ich manchmal habe. Eigentlich bin ich bekennende Schisserin, ich war als Kind so brav, dass mir noch nicht mal eingefallen wäre, Blödsinn zu machen, aus Angst vor den Konsequenzen. Und heute zieht es mich zum den Zentren des Geschehens, stehe ich mit abgelaufenem Pass inmitten von Polizeiblockaden und werde nicht mal nervös. (Okay, ich muss wohl zugeben, dass es einducksvollere Beweise für seelische Abgebrühteit gibt, als das). Wie immer sehe ich mich durch die Augen des Tenores und trage das Stigma des Leichtsinns auf der Stirn.

Bin ich leichtsinnig? Leben wir im Ausnahmezustand? Ich beginne mich an die Polizeiautos zu gewöhnen, ich hab keine Angst, wenn ich raus gehe, ich fühle mich innerlich ganz normal. Interessiert und aufmerksam, ich hab noch nie so viel Zeit in Nachrichten investiert, aber sonst normal. Nicht nervös und nicht ängstlich. Ich radele durch die Straßen und frage mich, ob das im Krieg auch so ist. In Ländern, wo wirklich jederzeit schlimme Dinge passieren können, ob die Menschen innerlich sind wie ich - die Gefahr ist da, aber man lebt ganz normal. Bis wirklich etwas passiert. 

Andrerseits bedrohen uns vorerst nur Steine und Pfefferspray, vielleicht wird das seelische Innenleben ja doch anders, wenn Bomben mit ins Spiel kommen. Und da ist selbst meine Neugier begrenzt. Es gibt Sachen, die will ich wirklich nicht rausfinden.    

Bericht von der Peripherie des Geschehens

Wer soll sich denn bitte konzentrieren, wenn über einem ständig dieser Hubschrauber knattert?

Auf dem Weg zur Uni bin ich heute Nachmittag wegen Schaulust ein bisschen zu spät gekommen. Nicht dass es dieser Tage jemanden interessieren würde. Wobei es ja eigentlich nie jemanden interessiert. Das hauptsächliche sind Polizeiautos. Sie stehen in langen Schlangen irgendwo herum, sie fahren in langen Schlangen umher, manchmal gibt es Blaulicht, manchmal sogar Sirenen. Von Zeit zu Zeit Straßensperren.

Jeder hat etwas zu erzählen. Meine Mitbewohnerin erzählt, wie sie aus der Schule gekommen ist und auf einmal mitten drin war, im Krawall. Wie ein Polizist ihr geraten hat, jetzt mal lieber nicht in den Supermarkt zu gehen, weil "der gerade brenne". Als ich aus der Uni komme und die Innenstadt gesperrt und statt Fußgängern Sixpacs in der Fußgängerzone finde, höre ich von Krawallen im Stadtteil KTV und Doberaner Platz. Anscheinend weiß keiner wohin es die Autonomen als nächstes geht, vielleicht kommen sie hier her. Sicherheitshalber haben die Polizisten ihre durchsichtigen Schutzschilde schon bereit. Der kleine Tunnel zur Schwanschen Straße ist gesperrt. Ein paar Fast-Punks sitzen bei dem Brunnen in der Platzmitte und gröhlen. Als einer von ihnen einen beeindruckenden Rülpser von sich gibt, der über den Boulevard hallt, lachen die Polizisten an der Barrikade. Einen Moment ist es sehr schön, bis blöde Sprüche von den Punks kommen und die Gesichter der Polizisten wieder vereisen.    

  

 

Montag, 4. Juni 2007

Entr'acte

Wenn man von dem Polizeiaufgebot am und um den Bahnhof absieht, wirkt Rostock heute auf den ersten Blick wieder  ganz normal. "Auf den ersten Blick" bedeutet, dass ich tue, was ich an einem Mon- und Sonntag eben so mache. Ich arbeite an meinem Schreibtisch, ich quatsche mit Bekannten, ich fahre zur Uni. Dabei geht mein Weg nicht am Stadthafen vorbei, sondern durch die Innenstadt.

Auf den zweiten Blick steht das Ereignis nach wie vor im Raum. G8-Atmosphäre. In den Fluren der Universität stehen Studenten um Digitalkameras herum und verflogen gebannt ein kleines Filmchen, das einer von ihnen mitgeschnitten hat. Ich gehe vorbei und höre eine knistende Menschenmege rufen: Demonstrationssound, schon klar. Wenn man in der Mensa zufällig an Leuten mit Laptop vorbei geht, haben die zwar gewöhnlich das StudiVZ auf dem Schirm - das ist normal - aber blättern auch hier durch private Fotos von der Demonstration. Und wenn man Bekannte auf den Treppen trifft, gibt es nur ein Thema.

 

aber wie

Ich mag es, wenn er sowas schreibt. Dann muss ich das nicht irgendwann viel schlechter machen.

Sonntag, 3. Juni 2007

Helden verschiedener Art

Als ich gerade gehen will, klingelt mein Handy. Freunde sind ganz nah, wir treffen uns am großen "G8 Transparent", das gut sichtbar aufgespannt ist. Sie haben die frohe Botschaft: gleich treten die Helden auf. Ich hatte die Band schon abgeschrieben, weil Spiegel.de geschrieben hat, dass der Auftrag schon war. Ist nicht alles, was ich an deren Bereichtserstattung zu bemängeln habe. Das wäre auch anders gegangen. 

Wie schon gesagt, über die Helden hab ich mich gefreut, die sind ganz nah dran am Lieblingsbandstatus. Schon der Art, wie Judith in ihren Texten liebt, wegen. Also bin ich gehüpft, habe gejubelt, mitgesungen und genossen. Ein schöner Nebeneffekt. (Den Artikel dazu auf Spiegel.de kann ich übrigens empfehlen) Dannach sind wir schnell nach Hause gegangen. Es wurde dunkel und wer weiß, ob nicht doch noch was passiert. Also wir bei S. vor der Haustür war, ist eine rote Signalrakete hinter den Wallanlagen in den Himmel gestiegen und wir haben Schreie gehört. Aber in den Medien steht nichts von weiteren Zwischenfällen. 

Heute morgen wurde ich kontrolliert, als ich in die Uni musste. Schluck. Doch dem netten Beamten ist das Datum auf meinem Pass gar nicht aufgefallen. Veranstaltung mit exklusiver Gästeliste, auch nicht schlecht. Die hatte der junge Mann nämlich in der Hand, und weil mein Name drauf stand, durfe ich rein. Sehr exklusiv.

Im Fazit bleibt das Bedauern, dass aus mehrern zehntausend friedlichen und zwei bis dreitausend gewaltbereiten fanatischen die Schlagzeilen "Eskalation in Rostock" übrig bleiben wird. Ja, es gab ein brennendes Auto und ja, es gab Steine. Und, ja, ich hab beides nicht mitgekriegt, auch das ist richtig. Aber ich war nahe dran und habe mit Menschen geredet, die dabei waren. Heute erfährt Rostock einiges an der eigenen Haut. Wie es ist, zum Schauplatz zu werden, einerseits und die Divergenz zwischen Medien und Wahrheit andrerseits. Der Tag gestern, bestand nicht nur aus fliegenden Steinen. Die Bilder in unserem Kopf sind nicht so kunstvoll wie die Fotos im Internet, aber auch nicht so dramatisch. Ich will nichts herunter spielen, ich teile das Mitgefühl für die Verletzten und die Wut über die Gewalt. Aber ich bin auch wütend über die einseitige Darstellung, die die Proteste vieler mit dem Fehlverhalten weniger überschreibt und nur dieses den Gedächtnissen der Menschen anempfielt. Das war es nicht wert.

Im Stadthafen

... 3. Teil ...

Irgendwann hatte ich mich an den zerschlagenen Fenstern satt gesehen. Vor mir lag mein Ziel, der Stadthafen mit der großen Bühne. Die Straße, die ich noch überqueren musste war voll von Wasserwerfern,  riesigen Polizeigefährten, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie heißen oder wozu sie gut sind und Polizisten in grün und schwarz, von denen ich langsam nicht mehr weiß, wie ich sie nennen soll. Mir fehlen die Synonyme und "Bullen" mag ich echt nicht schreiben. 

Mein Fahrrad hab ich irgendwo stehen gelassen. Bevor ich die Straße überqueren konnte, bin ich erst mal ganz ruhig stehen geblieben. Krieg ist was anderes. Glaube ich. Im Krieg stehen keine Wasserwerfer und Polizeiheere auf den Straßen, dick eingepackt in irgendwelche Rüstungen, die Schlagstöcke und Waffen gut sichtbar, der ein oder andere Blick ausdruckslos in meine Richtung. Ausnahmezustand vielleicht. Meine Stadt im Ausnahmezustand. Von den Randalen war nichts mehr zu sehen. Im Hintergrund die Bühne mit irgendeinem singenden Ami drauf, Menschen davor, die erst beim Näherkommen nach vielen Menschen aussahen. Hier, bei mir auf der Straße Polizisten und dicke Fahrzeuge. Und das Erstaunen, dass sie mich immer noch weiter gehen ließen.

Lose Steine liegen überall herum, ein Schlachtfeld. Ich gehe verwundert zwischen all dem hindurch und frage mich, ob das das wahre Gesicht der Demokratie ist. In der Einfühungsveranstaltung Soziologie vor zwei Jahren, haben wir gelernt, dass der Staat das Gewaltmonopol hat, dass unsere soziale Ordnung nur deshalb existiert. Heute denke ich stammelnd die Worte "Gewaltmonopol" und "Demokratie" vor mich hin, während ich über die losen Steine stolpere und aufpasse, dass ich nicht in den Zielbereich der nach oben gerichteten Wasserwerfer komme. Sie sind mir unheimlich. Auf der Straße ist alles ruhig, die Lage ist unter Kontrolle. Aber es ist noch Demoathmosphäre. Die Polizisten werden angestarrt und starren zurück, Menschen posieren vor ihnen für ihre Kameras, gehen halb zaghaft, halb provokativ zwischen ihnen hindurch. Bei der Bühne ist Festivalstimmung, die Menschen sind bunt angezogen und hören der Musik zu. Kaufen Essen an Imbissbuden und Bierständen, wirken entspannt. Ich gehe zurück zu meinem Rad und beobachte aus der Ferne.

Neben einem großen Wasserwerfer stehe ich, als ein... Linker? torkelnd ankommt und drohend die Faust reckt. "Pfui" ruft er den Insassen des Gefährtes zu. Ich kann sein Gesicht nicht sehen, aber ich weiß dass er grinst. Und sehr erbärmlich ist. Er wartet, ob was passiert, sammelt Mut und hebt nochmal die Faust. "Pfui!" Schade, sie reagieren nicht. Er hat was frettchenhaftes. Wäre einer der Polizisten plötzlich aus dem Wagen gesprungen, ich wette, er wäre weggeflitzt. Doch sie würdigen ihn keines Blickes und er trollt sich. Ich widerstehe der Versuchung, deutlich mit dem Kopf zu schütteln.
Grinsen muss ich, wie sich nach einer Weile die Tür des Gefährtes doch öffnet und ein Beamter - offensichtlich der mit dem kürzesten Strohhalm - aussteigt und einen Eimer mit einer gelben Flüssigkeit hinter sind auf eine Baustelle schüttet. Das kann doch nicht-? Er ist sichtlich angewidert, hält den Eimer mit dem ausgestreckten Arm von sich. Tatsächlich. Bullenpipi. Klar, die müssen den ganzen Tag in dem Ding drin bleiben. Harter Job, denke ich und lache.

Katastrophentourismus

So, weiter gehts.

Ich glaub, ich bin gar nicht so Fan von der Idee, auf Demonstrationen Konzerte zu veranstalten. Sonst passiert das, was ich mache. Man geht zum Konzert, freut sich über die Musik und das wars. Die Demo ist Nebensache. Und hinterher heißt es dann, Millionen Leute waren da und haben ihre Meinung kundgetan. Genau. Gefeiert haben die, ihr Lieben.

Wie gesagt, ich tue genau das. Vormittags der Sache wegen demonstrieren und dann Abends der Helden wegen feiern. Das war der Plan. Bis ich den Tenor abends fragte, ob er mitkommen wollte und der mir mit Hiobsbotschaften von der Nachrichtenfront drohte, ein Zitat von Spiegel.de nach dem anderen schickte. "[18:39] Im Stadthafen eskaliert die Situation. Viele Demonstranten, Schaulustige und Rostocker Bürger verlassen panikartig den Platz." "Demonstranten, Schaulustige und Rostocker Bürger verlassen panikartig den Platz." Und die Drohung, mich nicht zu pflegen, wenn mir wegen meinem Leichtsinn was passieren würde.

Ich hab seine Warnungen in den Wind geschlagen, Handy, etwas Geld und Ausweis in eine Gürteltasche verpackt und das Haus verlassen. Da ging es schon gar nicht mehr um die Band. Da hat mich schon die Neugier getrieben, da musste ich das einfach sehen. Kann doch nicht sein, dass sich Geschichte in meiner Stadt abspielt und ich nicht dabei bin.

Sogar mein abgefallenes Rücklicht habe ich mitgenommen und notdürftig am Rad befestigt. Bei Millionen Polizisten in der Stadt werde ich mich hüten, mit einem nicht verkehrstauglichen Rad unterwegs zu sein. Wo wir gerade dabei sind: mein Ausweis ist abgelaufen. Seit Monaten schon. Der neue ist schon bezahlt undliegt schon im Amt, nur abgeholt habe ich ihn noch nicht. Ist natürlich scheiße, jetzt, wo man hier ständig kontrolliert werden könnte.

Vor der Haustür alles normal. Das Bahnhofsviertel hat nichts abbekommen, der größte Teil der Stadt sieht noch aus wie die Stadt. Nur still war alles, weil nirgendwo Autos fuhren, von weitem waren Sirenen zu hören. Ich werde beklommen, überlege ob ich auf den Tenor hätte hören oder wenigstens Angst haben sollte, denke nach über die Neugier und den Drang, da zu sein. An der Hauptstraße die ersten Polizeiautos. Ich fahre langsamer, rechne mit einer Sperre. Bei der Nazidemo am ersten Mai vor einem Jahr bin ich hier aufgehalten worden. Das Ablaufsdatum auf dem Pass in meiner Hosentasche brennt. Aber die Polizei sperrt nichts, sie beachten mich nicht, als ich vorbei fahre, dem Steintor und damit dem Stadtzentrum entgegen. Mir kommen Menschen entgegen, in kleinen Grüppchen, überall stehen Polizisten vor ihren Sixpacs, alles ist ruhig. Es beginnt zu regnen. Die Ampel vor dem Steintor ist rot, ich bleibe stehen, obwohl die Straße frei ist. Immerhin werde ich von mindestens 5 Polizisten aus bestimmt 3 Bundesländern beobachtet. Ich bin die einzige, hinter und vor mir überqueren Passanten die rote Ampel, niemanden interessierts. Seufz.

Die Innenstadt hat nichts abbekommen, wie es scheint. Am Neuen Markt reihen sich die blauen Six Pacs aneinander, ein denkwürdiger Anblick. Die Geschäfte der Fußgängerzone sind zum großen Teil mit Spanplatten vernagelt, "unsere Schaufensterpuppen brauchen auch mal Urlaub", steht bei H&M. Das ist immer noch ehrlicher als ein Blumenladen, bei dem ein Schild verkündet, er bliebe am 2.6. aus "betriebsinternen Gründen" geschlossen. Betriebsintern, genau.

Drei lose Steine liegen auf dem Uniplatz und zeugen als Einzige davon, dass die Demo auch hier langegangen ist. Sonst ist nichts zu sehen. Auch die lange Straße, eine der Hauptschlagadern der Innenstadt, die von einer mittelalterlichen Gasse in DDR-Zeiten zur repräsentativen Prachtstraße des Sozialismus ausgebaut wurde ist voll von stehenden Polizeiwagen. An jeder Kreuzung auf meinen Weg verharre ich kurz und gucke, ob ich weiter darf. Oder ob es Kontrollen gibt, die mir den Weg versperren. Nichts. Von der breiten Straße geht eine Fußgängerzone mit Wasserspiel runter zur Warnow, zum Stadthafen. Da will ich lang. Ich bin nicht allein, viele Zivilisten und Polizisten. Langsam lasse ich mich auf meinem Fahrrad an ihnen vorbei herunter rollen und merke die Zerstörung erst, als ich mitten drin bin. Auf einmal knirschen Scherben unter meinen Reifen, ich muss absteigen. Ein Restaurant bietet das Bild der Zerstörung, das nicht wenige Rostocker vor ihrem inneren Auge schon in der gesamten Fußgängerzone gesehen haben. Die Fenster und Scheiben auf der Terasse sind eingeworfen, auf der Straße sind Steine rausgerissen, ein riesiger Brandfleck kündet von einem Feuer. Was gebrannt hat, ist beim besten Willen nicht mehr zu erkennen.

Überall sind Menschen, überall Cameras. Dieses Ereignis ist tausendfach digital und analog festgehalten. Menschen fotographieren die Zerstörung, posieren vor den Wasserwerfen knipsen die Polizisten, die in Grüppchen kampfbereit auf der mehrspurigen Straße stehen, die die Stadt vom Hafen trennt. Um mich herum blitzt die ständige Dokumentation, jeder Fitzel des Moments scheint auf unzähligen Filmen und Speicherkarten festgehalten. Kurz denke ich darüber nach, ob das historische Ereignisse in Zukunft verändern wird, dass sie millionenfach mitgeschnitten und dann weiterverbreitet werden.

Meine Cam hat mich übrigens im Stich gelassen. Scheiß Akkus. Aber ist ja nicht so, als würde es nicht genug Bilder von Rostock am 2. Juni geben.

[Fortsetzung folgt]

Samstag, 2. Juni 2007

... aber erst morgen.

Der Erfahrungen erster Teil

Schon Spiegel.de gelesen? Von Rostock steht nix mehr. Kein Stein. Die Autonomen haben alles kaputt gemacht. Naja, fast. 

Mein G8-Gegendemo-Samstag hat um 6 Uhr morgens angefangen. Verdammte Pflichten. Der Weg durch die Stadt war ruhig bien sur und als ich um 12 wieder frei war, kamen wir auch gut zurück. Nix los, anscheinend. Die ersten Demonstranten sahen wir auf dem Rückweg auf der Bahnhofsbrücke, wo wir uns der Gegendemo spontan angeschlossen haben. Eigentlich war es wie jede andere Demo auch - schön bunt und friedlich. Laute Musik, laute Kundgebungen, nett aussehende Menschen, viele jung, manche alt, wenige mittel. Plakate, Seifenblasen und Luftballons. Und man konnte sich aussuchen, ob man lieber für Frieden oder gegen Merkel oder gegen genmanipuliertes Gemüse sein wollte. Und dann wahlweise der großen Taube aus Pappmachée, den hochgehaltenen Plaketen oder der übergroßen Stoffmöhre hinterher laufen.

An der ersten Kreuzung bin ich ausgeschert und nach Hause gegangen. Schweren Herzens, ich hatte zu tun. Ich hab mich umgedreht und war stolz auf meine Stadt, auf mein Volk, dass sie so schön gegen schlechte Sachen demostrieren. Dass es gar nicht schlimm war, und die Panikmache der letzten Wochen Lügen gestraft hat. 

Als es zu den Krawallen kam, zu den brennenden Autos, den fliegenden Steinen und den Wasserwerfern kam, saß ich am Schreibtisch und hab den größten Mist ever zu Papier gebracht. Dann hab ich geschlafen und wurde vom Telefon geweckt: Mama weiß dass ich kein Fernsehen hab und erzählte mir von dem Brand am Stadthafen, den Ausschreitungen und den Wasserwerfern. 

Was dann geschah, steht weiter oben...

Eltern

Ich war ein bisschen beleidigt, als meine Eltern nicht angerufen und mir zum Kindertag gratuliert haben. Als dann das Telefon endlich klingelte, regnete es keine Glückwünsche, sondern ängstliche Mahnungen. Immerhin musste ich heute, an Rostocks großem Samstag quer durch die Stadt. Die ja voll gesperrt und überfüllt mit gewaltbereiten Demostranten sein würde. Also versuchte sie, mich zu überreden, statt nach mittags nach Hause in Stadtmitte zurückzukehren, doch lieber in der kleine elterliche Dorf am Stadtrand zu kommen. Erst recht, als ich äußerte, dass ich mir die Demo doch gerne mal ansehen würde. Letztes Argument: "Beim letzten G8 sind Demonstranten gestorben." Ja, Mama, ich pass auf. Es raschelt in der Leitung, nun ist mein Vater dran. "Pasiphae, wenn Du zu der Demo fährst... nimm nen Fotoapperat mit. " Eltern.