Entr'acte Gedanken, Erlebnisse, Zitate, komischer Humor... und der Rest von mir.

Einträge "Mai 2007":

Dienstag, 29. Mai 2007

terribly addicted

Alles haben geht nicht und ist anstrengend. Genau heute hab ich ziemlich genug davon, beides zu wollen. Kein Fernsehen haben und trotzdem Dienstags Lieblingsserien schauen.

Ersteres klappt toll. Wegen der doofen GEZ hab ich die Kiste abgemeldet und auch tatsächlich rausgeworfen. Meine Form von Protest. Boykott. Und es klappt prima, sie fehlt mir fast gar nicht, ich genieße mein Leben mit einer sinnlosen Verschwendung weniger. Und das tolle Gefühl, dass ich fernsehen weder habe, noch brauche.

Dabei habe ich es ja doch. Bei meinem Tenor. Und so versklavt es mich weiterhin, zumindest von weitem. Verzweifelte Hausfrauen und graue Ärzte, ich kann einfach nicht ohne. Ich bin süchtig, im wortwörtlichen Sinne, ich leide bei Entzug und meine Abhängigkeit geht mir auf die Nerven. Ich will nicht, dass mein Freund denkt, ich besuche Dienstags eher seinen Kasten als ihn selbst. Ich will nicht alles absagen müssen, weil was im Fernsehn kommt. Ich will nicht das Gefühl haben, mit der Arbeit an meinem Ref schnell fertig werden zu müssen, weil ich heute Abend nicht weitermachen kann. Da bin ich beim Tenor. Oder besser: in der Wisteria Lane. Ich bin wirklich genervt und ich bin wirklich so weit, dass ich mir wünsche, dass der ganze Quatsch möglichst schnell abgesetzt wird. Dann kann ich ihn mir auch DVD kaufen, ins Regal stellen und das gute Gefühl haben, ihn jederzeit gucken zu können. Und erst mal was anderes machen.

Übrigens: Gott, ich freu mich auf heute Abend.  

 

Sommerpfeil

 

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Hihi, ich hab einen neuen Mauszeiger. Bekommen hab ich ihn hier und empfehle damit mal sowieso die ganze Seite. Jede Menge Skins und Sachen, die gut aussehen. Hach. Jetzt geh ich und suche einen neuen für mein Trillian. 

 

Pfingsten im bergischen Land

Das lange Wochenende stand im Zeichen der Familie. Nicht meiner. Viele viele Stunden auf der Autobahn, um in Gärten und Festsäalen zu sitzen, Kaffee zu trinken und die ein oder andere Anekdote das ein oder andere Mal zu hören. Es war schön und anstrengend, ein großer Teil bestand aus geduldigem Warten. Auch in Köln waren wir wieder, doch diesmal war Köln die Stadt, die mir vielleicht bald meinen Tenor wegnehmen wird. Und wenn ich ihn dann wieder haben will, werde ich auch nach Köln kommen müssen. Köln war also an diesem Wochenende ein prüfendendes "will ich hier zu Hause sein?" und hat nicht gut abgeschnitten. Auf einmal war nichts mehr schön. Aber ich bin bereit, das den Umständen zuzurechnen. Wer mag schon die Stadt, die einen bedroht, das Liebste zu nehmen? Ich merke gerade, dass ich beim Nachdenken große Angst bekomme. Und höre besser damit auf.

In Leverkusen waren wir im Kino und ich stellte - voreingenommen, aber mit eigenen Augen überzeugt - fest, dass die Stadt wirklich so unattraktiv ist, wie immer alle sagen. Obwohl es mich beeindruckt hat, wie viele Kinder und Jugentliche da unterwegs waren, obwohl die Geschäfte geschlossen hatten. Draußen spielen statt drinnen konsumieren? Oder war das nur das zur Schau tragen der städtischen Langeweile?  

 

Donnerstag, 24. Mai 2007

Instruktionen

Meine Uni hat allen Mitgliedern eine Mail geschickt und uns für die kommenden Wochen instruiert.

Unterstützen Sie mit Ihrer Anwesenheit und Ihren Fähigkeiten, wo immer Sie sind, einen friedlichen Verlauf dieser Woche und zeigen Sie sich bitte als Mitglied der Universität Rostock weltoffen auf-geschlossen, kompetent, diskussionsfreudig und friedliebend.

Promt kam die Frage vom Tenor, ob man sich sowas eigentlich vorschreiben lassen muss. Gegrinst habe ich, aber eigentlich bin ich doch recht einverstanden. Fraglicher finde ich da die Aktion vom Senat, die die Stundenten aufruft, sich als "Sprach- und Gedankenvermittler" zu zeigen.

Neben weiteren Bemühungen um eine bessere Nutzung der internationalen Öffentlichkeit durch Ihre Institute und Fakultäten im Interesse unserer Universität, bitten wir Sie persönlich als Mitglied unserer Universität, die von ihren und durch ihre Mitglieder lebt, ein Projekt zur Außendarstellung zu unterstützen, das hoffentlich auch in Ihren Augen den Charakter unserer Universität im Konsens widerspiegelt – eben nicht sprachlos zu sein, Kommunikation zu befördern, Missverständnisse auszuräumen, im Diskurs Lösungen zu finden.

 

Unterstützen Sie die Aktion „Wir sind nicht sprachlos!“

Ist ja ganz nett, allerdings besteht die Aktion scheinbar ausschließlich darin, sich Buttons zu kaufen und durch die Gegend zu tragen. Naja, wird zumindest niemand überfordert. Immerhin geht der Erlös an Unicef und die Buttons gibt es in verschiedenen Sprachen. Ich will meinen auf Französisch.

 

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(Ja. Bin eine brave Studentin.)

Montag, 21. Mai 2007

Gipfelfieber

Zeit für ein wichtiges Thema. Alle hier sprechen davon, also sollte ich das auch tun. der G8-Gipfel. (Haaaa, ich sehe meine Klicks auf die Seite nach oben steigen, höm.) Schließlich bin ich hier ja live vor Ort...

Und habe keine genaue Ahnung. Also klar, Staatsoberhäupter, gesperrte Staßen, 100 000 Gegendemonstranten. Die werden meine Stadt und auch mein Leben wohl für eine Woche ganz schön auf den Kopf stellen. Alle Univeranstaltungen in dieser Zeit werden mit "mal gucken, ob wir das an dem Tag überhaupt machen können" geplant. Meine Mitbewohnerin hat einen Zettel an den Küchenschrank geklebt, auf dem alle Gegenaktionen in Meck-Pom eingezeichnet sind. Die ganze Landkarte ist voll. Heute habe ich eine seitenlange Email von einem Freund bekommen, der in der zentralen Fußgängerzone wohnt und Angst vor Molotowcocktails in seinem Treppenhaus hat. Und sich jetzt Seitenweise wütend über die "G8 Terroristen" ereifert hat.

Seine Ansichten teile ich nicht, seine Angst schon. Vielleicht ist das ja der Platz für ein kleines Plädoyer an alle, demnächst anreisenden, Demonstranten.

Ihr Lieben,

Ihr habt natürlich Recht, George Bush ist scheiße und Armut und Ungerechtigkeit sind es auch. Rostock aber ist toll, nicht schuld und das geliebte zu Hause von sehr vielen Menschen. Also seit doch bitte so nett und macht den Regierungen ordentlich Dampf, aber lasst unsere Stadt, unsere Fenster und Statuen, unsere Autos und öffentlichen Mülleimer in Ruhe, die können nichts dafür und die gehören nicht George Bush, ehrlich. Also, lasst uns zusammen und friedlich demonstrieren, dann laden wir vielleicht auch den ein oder anderen auf einen Kaffee in unsere Küche ein.

Dankeschön.    

So. An den Autos liegt mir übrigens gar nicht so viel. Aber gerade fällt mir ein, dass ich mein Rad vielleicht in der Woche im Hausflur stehen lassen sollte. Und sonst so? Ganz einverstanden bin ich nicht, mit den Demos. Nämlich dem Argument, den Gipfel zu verhindern, weil das ja kacke ist, wenn so wenige Staaten die ganze Macht haben. Mag sein, das ist kacke, also zeigt gerne Euren Protest, liebe Leute, aber ich sehe das so: die haben die Macht nunmal und dann sollen sie ruhig darüber reden, was sie damit anstellen. Den Gipfel so teuer zu machen, dass man ihn in Zukunft nicht mehr machen kann, ihn zu blockieren und behindern und dazu Gewalt anzukündigen, auf die sich auch anscheinend auch noch einige freuen - damit bin ich natürlich nicht einverstanden.

Also teile ich die Angst mit den Menschen meiner Stadt, ein bisschen zumindest. Innerlich aber bin ich aufgeregt und neugierig, wie das wohl wird. Was wohl passiert. Ich fiebere meiner Woche als Zeitzeugin entgegen. Und werde hier natürlich ausführlich berichten. Wann hat man schon mal die Welt in seiner Stadt? 

Chaos Queen

Biff balanciert vorsichtig auf einem Ordner über einen Karton und schnuppert an meinem Schuh. Dann spielt er mit dem Schnürsenkel. Wenn es hier nicht immer so unordentlich wäre, wäre meinem Kater viel öfter langweilig. Hach, ich mag meinen Optimismus.

I heart Eiskaffee

Ein Plädoyer für ein Getränk...

Natürlich behauptet jeder Student, kaffeesüchtig zu sein. Sind sie ja auch und das ist ganz schön anstrengend, denn die Uni Rostock hat - gerade in Anbetracht ihrer vielen vielen Standorte - unglaublich wenig Kaffeeautomaten. Dafür machen die nächstliegen Bäcker ein Vermögen.

Für mich ist Kaffee ein Mittel zum Zweck, eher Muntermacher als Genussmittel. Die wahre Droge, das Suchtmittel für die Zunge ist - hach - Eiskaffee. Eiskaffee comes als braunes Pulver, das in Milch gerührt wird und schmeckt meist sogar Kaffeemuffeln. Weshalb ich nicht verstehe, weshalb er nicht als richtiges Getränk wahrgenommen wird. Es gibt ihn nicht in jedem Supermarkt, es gibt ihn nicht von Billigfirmen, es gibt ihn nicht auf Speisekarten. Ich finde das nicht okay. Überall gibt es scheiß Kaffee in scheiß "Tabs" (stellt Euch meine Stimme sehr angeekelt vor) und mein Lieblingsdrink wird von der Gesellschaft nicht anerkannt. Das muss sich ändern. Schlürf.   

 

Samstag, 19. Mai 2007

psychologisches Einkaufen

Sieben Stunden Phsychologieseminar, ich bin total auf Koffein und ausgepowert, mein Kopf ist voll. Hauptsächlich voller Fragen, das, was ich nicht verstehe, wird immer mehr. Aber ich brenne vor Interesse und Faszination. Mensch Mensch.

Und dann, im Supermarkt, gleich nach dem Seminar, haben sich mir die Stufen der Verrücktheit gezeigt. Ganz ohne psychologischen-diagnostischen, irgendwie erst zu nehmenden Hintergrund oder Zusammenhang, nur eben à la Phae. Also:

Erstens ist es verrückt, Seifenblasen im 4er-Vorratspack anzubieten. Wer, bitte, braucht denn so was?

Zweitens, liebe Phae, ist es verrückt, diesen Quatsch dann auch noch begeistert zu kaufen, auch wenn Seifenblasen toll und hier so günstig sind. Völliger Quatsch. Und die genauso günstigen 3er Packungen Bikinizonenrasierer gleich zweimal zu kaufen, weil sie ja toll sein könnten und es sowas doch sonst nie gibt, das macht es nicht besser. Kein Stück.

Drittens wird das ganze auch nicht besser, wenn einem in dem Moment, in dem man nach dem ganzen Quatsch im Regal greift, zu denken, dass man ja immerhin darüber bloggen könnte. Wie absolut bescheuert das ist. Und es damit dann auch noch zu rechtfertigen, den Quatsch zu kaufen. Und über diesen ganzen Gedanken und wie verrückt das wieder ist, laut loszulachen. Im Supermarkt.

Wirklich, das war der abstruseste Einkauf, den ich seit langem hatte. Zweimal Milch, einmal 3,5 und einmal 1,5% Fett (mein Versuch, ich will ganz bewußt testen, ob ich echt 3,5% brauche), Katzenfutter (okay), Zitronenkrümeltee (studentisch), eine Dose dänische Kekse (ein Dankeschön für einen Retter in einer Fahrradketten-Zeitdruck-Notsituation), eine Tafel Schoki (morgen ist ja wieder Seminar) und eben 2 Packungen Bikinizonenrasierer (Phaeee) und einen Jahresvorrat Seifenblasen (Phae Phae Phae).

PS: Logophobie ist die Angst vor Wörtern. Und Arachibutyrophobie ist die Angst davor, dass Erdnussbutter am Gaumen festklebt.

Currently playing: Wir sind Helden
Current mood: Jo ^^

Donnerstag, 17. Mai 2007

rechargeable

Eigentlich ist das ja ganz leicht, mit den Akkus. Aufladen, leer hören oder knipsen, aufladen. Theoretisch. In echt ist es gar nicht leicht, nie sind sie voll, wenn sie müssen, ständig fehlen welche und ich kann sie nicht wieder aufladen, oder, ganz fies, sie sind furchtbar schnell wieder leer. Ich weiß gar nicht, ob ich mir das einbilde, oder wirklich was falsch mache. Jetzt im Moment, jedenfalls, funktionieren weder Cam, noch Musikplayer. Blöd. Dabei bin ich doch von einem schönen Abend mit Freundinen heimgekommen, die man viel zu selten sieht und freue mich auf einen schönen Restabend, hier zu Hause und ganz allein. Und bin überschwemmt von dem Bedürfnis, mein Leben zu dokumentieren und alles zu fotographieren und festzuhalten. Und es reicht nicht für ein einziges Bild. Ach Mensch.

Sonntag, 13. Mai 2007

Im roten Kleid zum großen Ball

Noch nie hat meine Mitbewohnerin mich so mitleidig angesehen. Denn ausgerechnet jetzt muss ich los, prächtig verkleidet, im rauschenden Kleid, in hohen Schuhen, geschminkt und zur Ballprinzessin verkleidet, als es unbarmherzig zu pladdern anfängt. Hilft alles nichts.
Ja, ich sehe aus wie eine Debütantin, eine Prinzessin, eine Edeldame, verkleidet bin ich, als Ball-Phae und stehe damit im krassen Gegensatz zur stinkenden Rock-mich!-Phae, die ich doch gestern noch gewesen bin: mit Wohlstandskinder T-Shirt und dem Geruch von Ausdünstungen und Begeisterung vieler Hundert Menschen in den Haaren. Denn heute gehe ich auf einen Ball, wenn auch nur geschummelt, als Dienstleisterin hineingeschlichen. Künstlerische Dienstleisterin, immerhin, ohne Gage zwar, aber dafür dürfen wir dableiben, dürfen tanzen und vielleicht ein paar Buffetreste genießen.

Dass der Putz nur Fassade ist, merke ich, als ich unten ankomme und das Haus verlasse. Der Regen weicht meine Sandalen im Nu durch, netzt den Saum meines Kleides, gefährdet die Farbe auf Augen und Lippen. Und doch bin ich begeistert, wie schön er ist und freue mich kindisch. Sonnenregen ist es, riesengroße Tropfen und trotz Wolken am Himmel jede Menge Sonnenlicht - wo auch immer das herkommt. Die ganze Straße ist nass und hell und schön und niemand ist draußen um sich zu freuen, außer dem Mädchen mit dem roten Kleid und den viel zu zierlichen Schuhen.

Über die Hügellandschaft der altstädlichen Pflasterwege tänzele ich zum Bahnhof und entdecke, fast angekommen, den allerprächstigsten Regenbogen. Er ist hinter mir, also genau vor Augen des Pärchens, das mir entgegenkommt. Ich beobachte ihr Gesicht und stelle fest, dass sie meinen ungewöhnlichen Aufzug - spöttisch?- sehr wohl bemerkt haben, aber nicht einmal zum Himmel sehen und sich freuen, von verwundertem Stehenbleiben ganz zu schweigen. Auch die Polizisten und Menschen vor dem Bahnhofsgebäude, niemand sieht hinauf und wenn doch, sehen sie gleich wieder weg. Dabei ist es so ein schöner Regenbogen. Was für eine Welt.

...

Heute tun mir die Füße weh. Hohe Schuhe sind grausam. Der Ball war schön. Getanzt haben wir und mit "wir" meine ich nicht nur die Freunde des gemeinsamen Gesangs, die längst auch meine Freunde sind, ich meine auch meinen Tenor und mich. Tanzflächenkönige - dazu werden wir es wohl nie bringen, es macht Spaß, aber auf dem Parkett stehlen wir niemandem die Show. Aber wir hatten einen tollen Abend, genossen die Freuden von guter Musik, hitzigem Tanz und einem exquisiten Käsebuffet, durch das wir uns genüsslich durchgekostet haben. (Woran ich mich gewöhnen könnte... Hmmmm...). Und heute morgen musste ich, da ich beim Tenor geschlafen hatte, im allerwärmsten Sonnenlicht im Ballkleid nach Hause tippeln.

Samstag, 12. Mai 2007

Review

Das Konzert war super. Mein Körper besteht aus Muskelkater und Gestank, trotz Dusche, meine Augen sind verquollen trotz Schlaf bis kurz vor Zwölf und wie enttäuschenderweise immer sind die blauen Flecken ausgeblieben. Trotz ordentlich Gib-Ihm, letzte Nacht.

Das Konzert fand in einem Kellerclub in einer Seitengasse der Rostocker Fußgängerzone statt, wir sind zu Fuß gegangen. Kurz bevor man um die Ecke biegen musste, sind wir stehen geblieben. Eine Baustelle versperrt die Sicht, noch war nichts zu sehen, optisch war alles wie immer. Und doch war die Luft voll von Rock-Vorfreude, lange Schlangen hatten sich schon gebildet, man konnte die Leute und das Gefühl hören, bevor man es sehen konnte.
Es war mein erstes Konzert mit Ohrstöpseln, die ich vorher von I. bekommen hatte. Eine lustige Erfahrung, die Dinger erst mal reinzubekommen und dann die veränderte Wahrnehmung dannach. Man kann sich noch unterhalten, es ist nur anstrengend, aber ich hatte keine Ahnung, wie laut ich schreien musste, um Vorband und Publikumslärm zu übertönen, meinem Gegenüber aber nicht wegzupusten. Und ich habe die ersten Lieder weder mitgesungen, noch gejubelt, weil ich mich selbst - im Gegensatz zu sonst - sehr gut hören konnte. Irgendwie hat auch das Gefühl gefehlt, deswegen habe ich sie nach der Hälfte des Konzertes dann doch rausgenommen - mit großer Wirkung. 

Geschätzte vier Lieder habe ich gekannt - ich bin kein Hardcorefan. Zuhause laufen bei mir andere Sachen. Toll war es trotzdem, das Charisma des Sängers ist riesengroß und sein Hut war cool. Schön viel Energie hab ich gestern verhüpft, vertanzt, verjubelt. Und gemerkt, dass es toll ist, auf Konzerten ganz laut "Juhuuuu" zu schreien statt - statt dem, was man sonst so schreit. Nie in meinem Leben habe ich so geschwitzt wie gestern, es war unglaublich warm. Ansonsten war meine Angst aber unbegründet - zwar hab ich die Energie der Fans auch deutlich am eigenen Leib zu spüren bekommen, aber da wo ich stand (4. Drittel, Mitte) war es nicht zu schlimm und wir hatten öfter mal ein zwei Quadratmeter für uns - also noch sehr human. Toll war die Anstrengung, die Power die man aus sich raus gehüpft hat und die darauf hin nicht mehr in einem selbst drin, dafür aber darum herum zu spüren war. Manchmal hatte ich das Gefühl, das einzige, was mich auf den Beinen und in Bewegung hielte wäre nicht mehr meine eigene Energie, sondern nur noch der Rythmus - und würden sie jetzt plötzlich aufhören zu spielen, würde ich einfach zusammenbrechen und umfallen. 

   

in: Kultur

Freitag, 11. Mai 2007

Beatsteaks

In Aussicht steht die nächste Station meines aufregendes Leben als kulturkonsumierende Großstadtstudentin. (Hat da wer gelacht?)
Heute Abend ist das Beatsteakskonzert und ich habe eine Eintrittskarte. Und große Angst. Das Publikum der Beatsteaks sei, so eine verlässliche Quelle von zwei Konzerten, erbarmungslos, da wird ordentlich gepogt und alles umgelaufen, was nicht stark genug ist. Ich hab bei sowas immer Visionen von der furchtbaren Schluchtszene aus Disneys "der König der Löwen", wo die vielen Gnus da lang brettern und den armen Löwen einfach unter sich... das war schlimm, oder? Ich wette, wer das gezeichnet hat, war einmal bei einem heftigen Rockkonzert und hat da ordentlich Prügel bezogen. Bis jetzt dachte ich ja leichtfertig "passt scho, ich muss ja nicht bei jedem Konzert vorne/mitte stehen", aber laut meiner Quelle gibt es kein Entkommen. Die hätten sogar auf den Toiletten gepogt und einfach überall. Aua. Angst. 

Ich werde also meine sexy Kniebandage anlegen, um nicht auch noch mein ohnehin körperlich schwächstes Glied der wütenden Masse auszusetzen. Meine Kniescheibe springt nämlich gerne mal raus und wenn die Dinger einmal damit angefangen haben, wetzt das schon die Knochen so stark ab, dass es in Zukunft noch leichter passiert. Blöd.

Das nur am Rande, natürlich freue ich mich trotzdem tierisch. Ich nehme mir einfach vor, ein bisschen mehr auf mich aufzupassen, als ohnehin schon und vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlimm. Meine zitierte Quelle hat nämlich eine ebenso große Vorliebe für Übertreibungen wie für Rockkonzerte. Und ist groß und bullig, vielleicht hilft das ja im entscheidenen Moment. (Hach, ich liebe meine Generation. Tagsüber bereite ich ein Referat über den Geschlechterkampf, die Emenzipation und die Unterdrückung der Frau und Abends lasse ich mich von dem beruhigend großen Körper meines besten Freundes vor der ausgelassenen Masse beschützen. Mädchen Rock'n'Roll.^^ )  

in: Kultur

Kleine Freuden einer Dienstleistungsgesellschaft

Markus Kavka hat gestern eine Menge kluger Sachen gesagt. Eine davon war, dass Handwerker grundsätzlich 15 Minuten vor oder nach der vereinbarten Zeit eintreffen - entweder wenn man noch unter der Dusche steht, oder wenn man ein nervliches Wrack ist, weil man gleich los muss. Deswegen musste ich sehr grinsen, als es 9:48 an der Tür klingelte und ich hektisch durch die Wohnung schoss, um wenigstens die Illusion einer Minimalordnung für den natürlich ab 10 erwarteten Gasmann zu schaffen.
Und es ist ja so klar, dass meine sehr umfangreiche Lieblingsplaylist, die einfach nur ":)" heißt, ausgerechnet die beiden Disneylieder spielen musste, während er in meinem Zimmer zu Gange war. Seufz.

[emo] oder die total tolle Kafka-Kuttner Lesung

Ich habe mir das Knie aufgeschlagen. Ich habe mir das Knie als ich mit L. auf dem Fahrrad zusammengestoßen bin. L. und mich verbindet sehr viel - unter anderen gemeinsame Leidenschaften, harmonierender Humor, Interessen, Faszinationen, Wesensarten, ein bedeutender Mensch und gemeinsame bevorzugt besuchte Kulturveranstaltungen. So sind wir heute, nach der Lesung von Markus Kavka (jetzt weiß ich, wie man das schreibt) und Sarah Kuttner auf dem Rad zusammengestoßen, als wir nebeneinander herfuhren, gaaaaanz langsam, damit der Abend so lange wie möglich nicht vorbei ist.

Sarah Kuttner und Markus Kafka sind wie Hayao Miyazaki Filme. Gaaaanz vorsichtig kommt man nach dem Kino ins Leben zurück, man will das schöne Film-Gefühl nicht kaputt machen, man hört noch nicht mal Musik auf dem Weg nach Hause. Augenblick verweile doch. (Jetzt, gerade jetzt kommt mir der Gedanke und ich will darüber nachdenken. Was soll das? "Augenblick verweile doch, du bist so schön", darf Faust nicht sagen, dann nimmt Mephisto ihn mit in die Hölle. Dieser Faust und ich müssen grundverschieden sein, bei mir hätte Mephisto keinen Tag Arbeit gehabt - wer denkt denn das nicht ständig? Armer Faust.) 

Also: es war toll. Es hat sich sowas von gelohnt, es war ganz großartig. Ich kann nicht darüber hinwegsehen, dass es ein bisschen pervers ist, dass diese Menschen ihr Geld damit verdienen, dass sie einem saalvoll Menschen Geschichten erzählen, wie man es ständig auf Partys tut. Kleine Anekdoten aus dem Leben, Selbstdarstellung, Selbstinszenierung. Und es ist super. Guter Humor und Charisma, klar und auch Professionalität dahinter, ich glaube schon, aber es waren letztendlich doch kleine Anekdoten und gute Kolumnen. Wobei die ja auch Anekdoten oder nett verpacktes Nachdenken über so-Sachen sind... ich glaube, ich will ihren Job. (Aber das glaube ich ja sowieso ständig.)

Es war wahnsinn, was für intime Sachen die beiden erzählt haben, es war wahnsinn wie wohl man sich im Publikum gefühlt hat und wie gut. Ein bisschen gemein ist das, dachte ich, wenn da so Künstler ihr Künstlerimage darauf aufbauen, dass jeder sie mag, weil sie sich wie Freunde auf Partys benehmen. Dass man denkt, dass man sie auch so sehr mögen könnte, im richtigen Leben. Genau so war das heute und genau das tut weh, weil sie auf einer Bühne sitzen und nunmal keine echten Menschen, sondern MTV-Gesichter sind und man sie eben nicht für sich haben kann, so wie man das mit den guten Freunden kann, auf den tollen Partys. Weil, bei Abenden wie diesen, dieses emotionale Leuchten entsteht und man den Menschen, der einen so glücklich macht, behalten will. Und alles was man aber kann, ist bei der Autogrammstunde ein paar Worte mit ihm wechseln, und sind sie auch noch so natürlich, man ist doch nur der dämliche Fan. 

L. und ich, wir haben uns keine Autogramme geben lassen. Was sind schon Unterschrifen? Wir sind dageblieben, wir waren die letzten, weil wir nicht gehen wollten, raus aus dem Gefühl. Atmosphäre atmen. Und so kam es, dass wir als letzte gingen und ich Sarah und Markus gewünscht habe, sie mögen gut nach Hause kommen. Und sie mir auch. Das ist wohl mehr als genug.  

 

Currently playing: Reamon
in: Kultur

Donnerstag, 10. Mai 2007

Lesungen lieben

Sarah Kuttner ist toll, aber muss man sie zweimal sehen? Für Geld? Vor allem, wenn man wenig Zeit hat und der Tenor jahrelang schmollen wird, wenn er rauskriegt, dass ich zu Lesungen gehe, aber für gemeinsame, zeitfressende Aktivitäten (Rollenspiel... dauert Stunden!) keine Zeit habe?

Egal, jetzt muss ich, meine Karte hab ich schon. Und ich freu mich auch, wird bestimmt toll. Außerdem liest Markus Kafka ja auch und den hab ich noch nicht live gesehen. Also, auf auf, kleine Phae. Erst zum Hochschulsport, tu was für deinen Körper und dann ins Mau, tu was für die Seele. Und dann zurück an den Schreibtisch, tu was für deine Zukunft. Seufz...  

in: Kultur

Zwirnverrückt

 

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Seit mein neuer alter Nähkasten fertig und eingeräumt ist und meine geliebte Winz-Nähmaschine (glorious 20cm und damit das einzige, was ich mir leisten kann. In meinem Leben sind Zeit und Platz fast immer mehr wert als Geld.) wieder geht (danke Papi!), bin ich im Nähfieber. Nicht, dass ich was nähen würde, aber ich hab höllisch Bock drauf. Und suche nach Inspiration. Kennt jemand tolle Seiten im Netz, mit Ideen, Schnittmustern, whatever. (heimliche Intention: kleine Tipps von EdBlogs Lieblingsmodenäherin-was-machst-Du-nochmal-genau-Juku? abgreifen *gg*) Und in Stoffläden. Und im Kleiderschrank. Da ist mir, vor ein paar Tagen schon, das hier über den Weg gelaufen. (Jetzt Bild angucken). Überflüssig zu sagen, dass ich begeistert bin. Die Seite heißt Sublime Stitching und ich bin hochmotiviert. Wenn die Jungs mich das nächste Mal zum stundenlangen Rollenspielen zwingen, weiß ich schon, womit sich meine Hände die Zeit vertreiben werden.

Gold und Schlamm

Es ist schändlicher, seinen Freunden zu misstrauen, als von ihnen getäuscht zu werden.

Schande über mich. Manchmal hätte es Vorteile, katholisch zu sein. Dann hätte ich einen Pfarrer und könnte beichten gehen, dass ich einer Freundin misstraut habe, dass ich ihr auf der Basis von dreitselligen Beträgen Unaufrichtigkeit und Skupellosigkeit unterstellt habe. Aber ich bin Ostseemädchen und ungewollt konfessionslos, das mit der Beichte funtkioniert für mich nicht und ich muss damit leben und hoffen, dass meine Anmaßung zumindest unbemerkt geblieben ist.

Schön, dass es jetzt aus der Welt ist, dass endlich keine Dollarzeichen mehr zwischen uns stehen und wir uns darauf konzentrieren können, dass wir eine schöne Zeit hatten. Es ist nicht schlecht, dass nun Städte zwischen uns liegen. Städte sind besser als nur eine Tür, in dem Fall. Aber für den letzten Hauch Freundschaft, für Sympathien und die Erinnerung einer verdammt guten, gemeinsamen Zeit, reicht es allemal. 

Im Aldi, neulich, habe ich sie vermisst. Unsere Großeinkäufe die für drei Gemeinschaften unserer Art gereicht hätten, unsere Dialoge, die aus Gilmore Girls hätten sein können, die Stunden in ihrem Auto bei guter Musik, die Gespräche von Bett zu Bett. Ich wußte nicht, dass ich das kann, sie vermissen, ich war doch so froh, dass sie weg war. Es ist ein gutes Gefühl, wenn von einer Beziehung mit Licht und Schattenseiten eine gute Erinnerung zurückbleibt, wie in einer Goldgräberschale, wenn das Wasser der Zeit den Schlamm der Probleme wegspült und alles was zurückbleibt, kleine Goldkrümel sind. Die kann man dann in die Kette des Lebens einfassen und mit sich herumtragen, und sie glitzern und sind schön. Auch wenn das meiste, was es damals gab, Schlamm und Dreck war.

So können Beziehungen also auch zu Ende gehen, denke ich und spiele mit meiner langen Kette voller Goldnuggets. So sollten sie zu Ende gehen, aus jeder Beziehung sollten Goldkrümel werden, denke ich. Groll und Probleme sollte man hinter sich lassen und sich an das Schöne erinnern können. Dann seufze ich. Das größte Goldnugget liegt in irgendeiner Ecke, begraben unter viel, viel Schlamm, der nicht weggehen will. Und ich schleiche um den Schlammberg herum, das Nugget verfolgt mich manchmal in Träumen und dann in den Tagen danach, doch ich kann den Schlamm nicht wegräumen. Er ist hart und verkrustet und alleine krieg ich ihn nicht ab. Und wer weiß, was wirklich darunter ist. 

Dienstag, 8. Mai 2007

Lieblingsfilm

Montag, 7. Mai 2007

Yeah!

Ich liebe meine neuen Funkkopfhörer - endlich kann ich in der ganzen Wohnung Musik hören, ohne meine Mitbewoherin zu stören. Nie wieder Zähneputzen ohne fröhliches Tanzen, nie wieder Kochen ohne Mitsingarien, nie wieder Abwaschen ohne Musicals. Und die Hörbücher sind auch wieder rehabilitiert - nie wieder langweiliges Beine rasieren im Bad. Wu-huu!
Currently playing: Blur - Song 2

Sonntag, 6. Mai 2007

Kassandra

Ein bisschen bin ich in Troja zu Hause. „Die Feuer von Troja“ war in der Adoleszenz mein absolutes Lieblingsbuch, ich hab es so oft in die Hand genommen und einfach irgendwo angefangen zu lesen, dass ich ganze Passagen zitieren konnte und es heute ganz zerfleddert ist. Die Geschichte ist von einer Marion Zimmer Bradley, eine feministische Autorin, aus deren Feder auch „die Nebel von Avalon“ stammt. Das Prinzip ist bei beiden Büchern das gleiche, man nehme eine bekannte Geschichte und erzähle sie neu, aus der Sicht einer weiblichen Nebenperson – also ganz anders. In Avalon ist es Morgaine, in Troia ist es Kassandra – die warnende Seherin, der keiner glauben will. Gott, was habe ich mit ihr gelitten, Kassandra war meine Heldin. Das gesamte antike Setting, die alte Sage, die Götter und Helden, die Amazonen und Zentauren und das ständige Thema der Unterdrückung der Frauen, all das hat mich alles unglaublich beeindruckt und für mein ganzes Leben geprägt, ein kleines bisschen werde ich immer Troerin sein.

Deswegen war es ein kleines bisschen wie Nach-Hause-kommen, als ich es endlich geschafft habe, Christa Wolfs Kassandra zu lesen. Es war der dritte Versuch, vorher bin ich immer gescheitert, weil ich nicht über den Aufbau des Buches Bescheid wusste. Die Ausgabe, die ich besitze heißt nämlich „Vier Vorlesungen. Eine Erzählung“ und bevor es für den Leser ins antike Troja geht, geht es zunächst in das Griechenland von vor ein paar Jahrzehnten und dann ins mecklenburgische Merteln, die Wahlheimat der Autorin. Mein Buch enthält nämlich zunächst ein umfassendes Arbeitstagebuch, ein Making-Of sozusagen, bevor die eigentliche Erzählung kommt. Das wusste ich damals nicht, hab es mittlerweile aber herausgefunden und ... kam nach Hause.

Wolfs Kassandra ist anders als Bradleys Kassandra, trotzdem gibt es Parallelen. Teilweise sind die so stark, dass ich überlege, ob beide Werke unabhängig voneinander entstanden sein können, oder ob eine Autorin (wahrscheinlich Bradley?) die andere gelesen hat.

Ich mag es, was Bücher wie diese mit dem antiken Stoff anstellen. Mythos und Götter werden nicht komplett ausgehebelt, sie haben noch Platz, aber eigentlich geht es auch ohne, was die Sage als Wunder, als göttlich beschreibt, wird hier mit den Menschen und dem was sie tun und der Art wie sie sind erklärt... wenn man Christa Wolf liest, hat man das Gefühl, zu durchschauen, wie die Gesellschaft funktioniert, man scheint zu sehen, warum Ereignisse geschehen, warum sie unausweichlich sind und wie wenig das Verstehen sie verhindern kann. Vor Kassandra habe ich Medea. Stimmen. gelesen, da war es ähnlich.

Ja, dachte ich beim Lesen, das sind sie die Menschen. Auf eine Weise, auf der ich sie niemals beschreiben könnte und die sich doch manchmal anfühlt, wie durch meine Augen gesehen. Schrecklich sind sie dargestellt, die Menschen, und doch ist so viel Liebe da, schon dieser Kontrast ist wie das Leben selbst.

„Dann die Berührung. Eine Hand die sich an meine Wange legte, die so zum ersten Mal im Leben ihr Zuhause hatte. Und ein Blick, den ich erkannte. Aineias.“,

ist meine Lieblingsstelle geworden. Als ich sie las, lag ich auf dem Dach, der Tenor schlief an meiner Seite und hatte den Arm um mich gelegt, weswegen ich keine Hand frei bekam, um das Tränchen wegzuwischen. Wie gesagt, ich habe einen Teil meiner Jugend in Troja verbracht. Und wie Bastian Bux mit jedem Buch mitleidet und miterlebt, war und bin ich wohl auch immer ein kleines bisschen in Aeneas verliebt gewesen. Bekenntnisse einer Lesenden.

in: Kultur

mehr Musik

Hach, ich bin gerade so gut dabei. Weiter gehts. Sehr gefällt mir auch Blogmusik - hier bekommt man direkt was man will, man gibt Song oder Künstler ein und kann ihn in voller Länge hören. Eigentlich kann man ihn auch "sharen und bloggen", man kriegt dann ein Stückchen Code und kann es in sein Blog einbauen. Allerdings nur theoretisch, in der Praxis passiert leider gar nichts. Schade, wäre auch sehr cool gewesen. Toll ist die Seite trotzdem, außerdem kann man die Songs immer noch als Link weitergeben. Falls es also jemanden interessiert - das hier höre ich gerade. Schnulzig... aber französischer Chanson darf das und Jacques erst recht. Ansonsten merke ich gerade, dass man auch hier Radio hören und sich von errechneten Ähnlichkeiten leiten lassen darf... ich habe endlich mein französisches Radio gefunden und werde heute Abend hier verweilen. 

in: Kultur

Turn the Radio on

Ich habe einen Musiktrip, seit Wochen. Ich belagere Freunde, weil ich neues will, auf der Suche bin, suche im Internet und höre stundenlang Probe. Das ist neu, normalerweise liebe ich Musik, bin aber etwas konservativ. Ich will hören was ich kenne und mag, habe nicht die Geduld für Neues. Das ist jetzt anders.

Außerdem höre ich Radio. Ich habe Radio immer gehasst. Schlechte Musik und schlechtere Moderatoren. Aber das waren die Zeiten von Antenne irgendwas und Irgendwas M-V, die sind vorbei. Radio ist - schon lange, ich weiß - im Internet und macht was ich will. Herrlich.

Pandora, das vielgelobte Internetradio macht dicht und man kann es außerhalb der USA nicht mehr benutzen - Lizensgründe. Das ist sehr schade, denn Pandora war toll¹, aber kein Grund zu verzweifeln. Ähnlich toll kann man immerhin auch auf Last.fm Radio hören (Künstler oder Lied angeben und dann gibt es Radio mit ähnlicher Musik, wo man bei jedem Song nochmal sagen kann, ob man ihn mag oder nicht) und es gibt ja auch musicovery.com.
Die Seite besticht zunächst dadurch, dass sie nicht nur in Englisch, sondern auch in französischer Sprache anzeigbar ist (jawohl, das ist ein seeeehr wichtiges Kriterium und wird sehr oft vernachlässigt) und dann durch die Idee ihrer Handhabung. Es gibt ein Fenster mit vier Polen: Energetic und Calm auf der vertikalen, Dark und Positive auf der horizontalen Achse. Man klickt irgendwo dazwischen, je nach Stand der aktuellen Stimmung oder gewünschter Stimmung der Musik. Selbige kommt dann auch, ein Titel wird angespielt und weitere sind in der Nähe angeordnet - ihre Position entspricht der ihrer Stimungslage, die Farbe sagt etwas über den Musikstil (Reggae, Rock, Classic usw.) aus. Nach diesen kann man auch wählen, aktivieren welche man hören oder ausschließen möchte... toll. Leider fehlen mir ein paar Musikrichtungen - Ska oder Musical zum Beispiel. Oder "Sommer-Musik" oder "Musik, für wenn man lange ins Bad geht und da Frauenkram macht"... scheinbar nimmt einem das Internet doch nicht alles ab. 

 

¹ - außerdem denke ich, ist es auch blöd... ich sehe die Zukunft der Musikindustrie nämlich im Web 2.0... aber das hier ist ja nicht diese Sorte Blog.

 

in: Kultur

Liebe lieber indisch

Ein bisschen komisch sind sie schon, die Beziehungen zu den Indern, in die sich meine Mitbewohnerin T. von Zeit zu Zeit so einlässt. Da prallen zwei Kulturen aufeinander, das ist nicht immer leicht. Die jungen Männer reden schnell vom Heiraten, müssen ihre Beziehung vor Familie, Mitbewohern und Restwelt geheimhalten und haben teilweise echt gewöhnungsbedürftige Ansichten. Zumindest das Geheimhalten scheint demnächst zu entfallen. T.s neuer Freund-in-Spe (jaja, so läuft das) hat mit seiner Mutter telefoniert und ihr gestanden, dass er nicht nur Kontakt zu Deutschen (!), sondern auch zu deutschen Mädchen (!!) hat. Das ist riskant, nicht selten werden die jungen Männer nach Geständnissen wie diesem schnell verheiratet, Studium in Deutschland hin oder her. In diesem Fall hat das zukünftige Lebensabschnittpaar aber Glück. Frau Mama ist offensichtlich cool und hat nichts dagegen. Lediglich ein paar Bedingungen gibt es. So hätte T. ihre Bemühungen, Hindi zu lernen, fortzusetzen und außerdem zu lernen, indisch vegetarisch zu kochen. Beides leichte Übungen für meine zauberhafte Mitbewohnerin, sie hat schon vor Jahren für beides Kurse belegt und freut sich nun über den Anreiz, weiterzumachen. Promt begab sie sich in die Küche um zu üben und machte indischen Tee - in Wasser und Milch aufgekocht, mit Zucker und jeder Menge Gewürze. Ich hab auch was abbekommen und es ist echt lecker - es scheint, als würde ich von ihrer aufwändigen Liebschaft nur profitieren. Ich liebe Indisch. Essen.

Also schlürfe ich meinen Tee - den leckersten, den ich je getrunken habe - beobachte, wie es mit den beiden weitergeht und denke mir meinen Teil. Schon krass, oder? Andrerseits... ist ja nicht so, als wären unsere monokulturellen Beziehungen einfach, als würden wir nicht auch eine Menge Quatsch auf uns nehmen. Vielleicht ist der Unterschied ja doch nicht so groß. Man kann ihn nur besser sehen. 

Sonn-Tag

Es ist gefühlter Sommer und die Menschen haben keine Augen mehr. Auß der Straße nur schwarze Spiegelgläser, alle Welt ist zu Sonnenbrilleninsektenmonstern geworden. Wie Roboter sehen sie aus, zu keiner Gefühlsregung fähig, statt Menschlichkeit nur schwarzer Glanz. Und damit passen sie gar nicht zu dem Sonnenstrahlengefühl, zu dem mit-Rock-und-Sandalen-Fahrradfahr-Gefühl, dem die-ganze-Welt-ist-warm-und-schön-Gefühl, das sie doch hervorgerufen hat, die Sonnenbrillenträger.

Ich hab meine beim Tenor vergessen. Heute haben wir zwei Stühle auf die kleine Freiluftgalerie, die zu seiner Wohnung führt, gestellt und in der Sonne gefrühstückt. Haferflockensuppe mit Mangostückchen und Honig, dazu Mangomilchshake. Dann haben wir einen Geburtstagskuchen für meine Mam gebacken, mit Mören drin. Eigentlich hätten wir danach an den Strand fahren müssen, konsequenterweise. Sonnenschein verpflichtet. Leider gibt es Arbeit zu tun... die Uni ruft, die Geschichte der Geschlechterkodierung will referiert sein. Auf gehts...