Entr'acte Gedanken, Erlebnisse, Zitate, komischer Humor... und der Rest von mir.

Einträge "April 2007":

Montag, 30. April 2007

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Für die Griechen gibt es nur entweder Wahrheit oder Lüge, richtig oder falsch, Sieg oder Niederlage, Freund oder Feind, Leben oder Tod. Sie denken anders. Was nicht sichtbar, riechbar, hörbar, tastbar ist, ist nicht vorhanden. Es ist das andere, das sie zwischen ihren scharfen Unterscheidungen zerquetschen, das Dritte, das es nach ihrer Meinung überhaupt nicht gibt, das lächelnde Lebendige, das imstande ist, sich immer wieder aus sich selbst hervorzubringen, das Ungetrennte, Geist im Leben, Leben im Geist. Anchises meinte einmal, wichtiger als die Erfindung des verdammten Eisens hätte die Gabe der Einfühlung für sie sein können. Dass sie die eisernen Begriffe Gut und Böse nicht nur auf sich bezögen. Sondern zum Beispiel auch auf uns.

(Christa Wolf, Kassandra.)

Sonntag, 29. April 2007

Das Jenseits-der-Stille-Gefühl

Er macht das nicht mit Absicht und ich weiß nicht, ob es im Grunde seine oder meine Schuld ist, aber manchmal kommt es vor, dass der Tenor mir weh tut. Vielleicht wäre es manchmal besser für uns Menschen, wenn die Welt wahrnehmen würde, wie verletzlich wir sind. Aber vielleicht ist es auch oft gut für uns, dass dem nicht so ist. 

Es war in der letzten Woche, bei einem eigentlich herrlichen Grillabend mit zwei Freundinen. (Der Tenor ist die Sorte Freund, die ganz prima mit meinen Freundinnen funktioniert. Nicht, dass die vielen guten Seiten hier zu kurz kommen.) Und beim Erzählen von vielen Geschichten aus unseren Leben, kam ans Licht, dass ich zehn Jahre Klavierunterricht gehabt habe. Nicht eins oder zwei, wie er bisher dachte, sondern zehn. Das hat ihn ganz schön aus der Fassung gebracht. "Zehn Jahre?!" Ich konnte nicht weitererzählen - vor mir lag eine gute Pointe, meine Freundinen hingen an meinen Lippen, doch es ging nicht, denn dazwischen saß der Tenor und stellte immer wieder die eine Frage: zehn Jahre?!

Ja, mein Schatz. Zehn. Ich habe dann noch erzählt, wie sehr ich um diese Jahre gekämpft hatte, immer gekämpft. Von Anfang an waren meine Eltern der Meinung, ich übe nicht genug und drohten damit, die Stunden einzustellen. Und sie hatten ja Recht, ich hab wirklich wenig geübt, ich hatte keine Lust zu üben und Donnerstags, nach acht Stunden Schule, hatte ich keine Lust auf den Klavierunterricht. Und dann, wenn beim Abendbrot wieder das Thema aufkam und die Drohung, dass bald Schluss sei, habe ich gekämpft, verzweifelt gekämpft, um meine Stunden, um mein Klavier, ich wollte nicht aufhören. Gott, was habe ich geheult. Nicht aus taktischen Gründen. Ich mag Einzelkind sein und Arzttochter, doch ich habe seit dem Kleinkindalter nicht mehr aus Taktik geweint. Ich gehöre zu den Menschen, die lieber nackt in die Fußgängerzone gehen würden, anstatt vor anderen zu weinen.  

Wegen dem Klavier hab ich viel geweint. Ich kann gar nicht genau sagen, warum, aber es sitzt tief. Irgendwas hat oft wehgetan, vielleicht zu viel Kritik? Vielleicht war Klavier spielen für mich immer zu intim, als dass es funktionieren konnte. Im Wohnzimmer, der Kritik beim Üben ausgesetzt, beim Üben, wenn doch alles scheiße klingt.  

Vielleicht ist das gar nicht so selten. Gestörte Beziehungen zu Klavieren, eine Geschichte der Hassliebe. Ist lange her, dass Frank von argh.de was dazu geschrieben hat, aber ich habe mich damals sofort damit identifiziert. Auch wenn ich gar nicht so talentiert war. 

Ein Viertel Jahr hab ich es nach dem Auszug ohne ausgehalten, dann habe ich mir ein E-Piano gekauft. Ich hab noch nie in meinem Leben so viel Geld auf einmal ausgegeben, es steht seither mitten in meinem kleinen Zimmer, es steht im Weg, es macht den Raum beengt und winzig und ich spiele nicht mal darauf. Zwei Lieder kann ich noch, zwei richtige Lieder. In Wirklichkeit kann ich noch eine Handvoll Stücke, aber nichts besonderes. Nur diese zwei Lieder, von Yann Tiersen, die spiele ich immer wieder und alle Welt ist begeistert, denn sie sind wunderschön und nicht ganz leicht. Und dann merken sie, dass es nur zwei Lieder sind und dann bin ich das Mädchen, dass trotz zehn Jahren Klavierunterricht nur zwei Lieder spielen kann.

Das alles kann der Tenor nicht verstehen. Auch nicht, dass mir Noten nicht liegen, da kann ich noch mal zehn Jahre Unterricht nehmen. Ich kann Noten lesen, aber es geht nicht gut, das ist nicht meine Welt, genau wie Mathe nicht meine Welt ist und ich manchmal trotzdem 2en schreiben kann, wenn ich muss. Seit er da ist, stehe ich auch noch mit ihm in Konkurrenz, scheiß Autodidakt. Das alles werde ich ihm erklären müssen, warum es so wehtut. Vor allem aber muss ich es selbst verstehen. Verstehen was los ist, warum es so weh tut und wie ich den Weg zurück finde. Denn ich will zurück. Ich war gerne das Mädchen, das Klavier spielen kann. Und ich kann es doch. Ich kann sogar Yann Tiersen spielen. Das ist gar nicht so leicht. 

Und es tut schon wieder weh. 

Currently playing: Jenseits der Stille - Heimfahrt I

das Yann-Tiersen-Gefühl

An Tagen wie diesen ist es schwer zu glauben, dass ich manchmal auf mein Bett sinke, das Gesicht in den Händen vergrabe und nicht weiß, wie ich aus diesem verworrenen Haufen Chaos wieder mein Leben, wie ich aus all dem heil wieder rauskommen soll.

Alles ist schön. Der Tenor ist mir auf die Nerven gefallen, vieles ist unerledigt, mir ist Tinte auf dem Parkett ausgelaufen, ich werde irgendwann also meine Mietkaution nicht zurückbekommen. Und doch ist alles schön. Mein Gemüt wird natürlich durch Sonne und Wetter bestochen, durch Frühling und endlich wieder grüne Bäume. Durch den herrlich erholsamen Tag im Heimatdorf mit Tenor, durch den großartigen, geliebten Tenor und die letzte Nacht.

Es ist wohl nicht zu erklären. Es gibt wie immer gute und schlechte Dinge, beides kann man nicht zählen. Die guten überwiegen heute, die Katze füttern macht Spaß, die Musik ist gut und alles ist schön.

Und im Player läuft, wie sich mein Leben gerade anfühlt.

 

Currently playing: Yann Tiersen - La Parade

medizinische Meditation

Alle Welt findet, ich soll zum Arzt. Wegen der Sache mit dem Riechen, wegen der ständigen Kopfschmerzen, irgendwo müssen die ja herkommen. Hm. Ich bin nie krank, ich habe keine Ahnung, wie mein Hausarzt heißt. Jetzt muss ich mir also einen suchen und von allen Seiten hagelt es Namen, Empfehlungen, gute Tipps. Dabei gehen die Ansätze weit auseinander.
Der Tenor kommt aus einer Familie, die auf Homöopathie schwört, ich komme aus einer Familie, die durch die Schulmedizin ernährt wird. (Jupp, Ärztetochter.Auch ein Grund, nie zum Doc zu gehen, ich werde zu Hause kuriert.) Als beide Parteien gestern im elterlichen Wohnzimmer aufeinander trafen, blieb die erwartete Konfrontation aus. Kein "das ist doch Unsinn." Dabei sind meine Eltern mit dem Satz sonst recht gut und schnell dabei.
Da erst habe ich gemerkt, dass ich auf genau das gewartet habe. Jemand, der mir sagt, dass ich nicht zur Naturheilkunde gehen soll, mit Nase und Kopf. Ist nicht passiert. Tenor und Eltern haben sich prima verstanden, dabei diskutieren beide doch sonst so gerne. Scheinbar lieber mit mir, nicht miteinander.
Es ist also meine Entscheidung. Ich muss wohl mal in mich gehen. Glaube ich an Naturheilkunde? Muss man an die eigentlich glauben, damit sie wirkt?

Samstag, 28. April 2007

plus francais!

Nicht immer macht alles Sinn. Ich habe das dringende Bedürfnis, mein Leben französischer zu machen. Ich will Frankreich hier drin. Wie soll das gehen? Aufräumen könnte ich mal wieder, dann wäre mein Leben zumindest wohnlicher. Aber sonst... französische Musik, französische Filme, französische Poster - schnell wird das eher albern als francais. Und doch geht das Bedürfnis nicht weg. Vielleicht sollte ich meinen Milchkaffee morgens aus Schalen trinken und nicht ordentlich frühstücken. Alles nicht das wahre. Es geht einfach nicht, unsere Kulturen sind zu ähnlich. Und doch so verschieden, so ähnlich dass die kleinen Unterschiede auffallen und nicht nur zeigen, wie die Franzosen sind, sondern auch wie wir sind.  Die Sehnsucht bleibt. Aber diese "french" Radiostation auf last.fm ist Mist, die mach ich jetzt wieder aus. Mit Gewalt, das bringt wohl auch hier nichts.
in: Kultur

Die lange Nacht der Wissenschaften

Die Uni meiner Stadt ist über 500 Jahre alt und groß. Deswegen beschränkt sie sich nicht auf einen netten Campus - den es aber gibt - sondern ist über die gesamte Stadt verteilt, untergebracht in unzähligen Gebäuden vom Zentrum bis zu den Randgebieten.
Aus diesem Grund ist die "lange Nacht der Wissenschaften" vor allem eine Herausforderung für das Nahverkehrssystem, die Leute zu den verschiedenen Stationen zu bringen, und für die Besucher selbst, aus den unzähligen Angeboten von Schauvorlesungen, Vorträgen und Experimenten, die man besuchen kann, sich die besten auszusuchen und zu organisieren, da auch hinzukommen. Die lange Nacht der Wissenschaften ist also hauptsächlich Streß, ein Umhergehetze zu den herausgepickten Vorträgen, ein ständiges Auf die Uhr schauen und früher-gehen und nervöse Anfälle, weil die meisten Vorträge natürlich auch noch Verspätung haben, was jeden minutiösen Plan killt.

Spaß gemacht hat es trotzdem. Ich war in "Groß ist Artemis der Epheser" und habe eine halbe Stunde interessiert zugehört, bis ich merkte, dass der Prof Spastiker ist. Dort habe ich gelernt, dass man von griechischen Theatern aus immer das Meer sehen kann - angeblich, damit man was zu gucken hat, wenn die Vorstellung mal langweilig wird, und habe darüber gelächelt, dass er eine Statue, die immerhin die unsterbliche Göttin Artemis darstellte, als "lebensgroß" bezeichnete. Eine Göttin?

Außerdem war ich in einer Lesung, die enttäuschenderweise keine war, in einem Vortrag über Tourismus und Raumwahrnehmungen, einem über einen Rostocker Philosophen, dessen größte Leistungen anscheindend darin bestanden, dass er in Rostock war und Albert Einstein mal in seinem Haus geschlafen hatte, ein Vortrag über Paradoxien und ich habe mich einem Riechtest unterzogen. Das war sehr schlimm, denn ich habe grandios versagt. "Aber sie riechen schon was?", fragte die Medizinstudentin nach den ersten Versuchen und das Lachen des Tenors gellte mir in den Ohren. Ich musste dann sogar nochmal zum Prof hinein, dem aber auch nichts einfiel, außer, dass ich mich mal untersuchen lassen sollte. Dringend.  

Zum Schluss gab es eine After-Science Party in einer aufsteigenden städtischen Diskothek mit Gratisgetränk und entspannter Tanzflächenbeobachtung mit einem guten Freund. Die "lange Nacht" war für mich um Eins zu Ende. Nächstes Jahr wieder? Ma sehn.  

in: Kultur

Tanzen

So viele Hindernisse, ein falsches Datum, ein fast fataler Irrtum, ein schmerzendes Knie, Kopfschmerzen... und eine gereizte Stimmung, gestern und heute. Aber nichts konnte und aufhalten, wir haben es geschafft, wir waren dann doch noch tanzen.

Tanzen. Ich liebe Tanzen. Im Lieblingsclub, allein vor dem Spiegel und ganz traditionell Standard in einer Welt, die stehen geblieben scheint und lächerlich wirkt, durch ihre durchscheinende Steifheit und Spießigkeit. Und doch märchenhaft. Ein Mädchen, das Hosen und Sneaker trägt, ist schon verzaubert, wenn es mal einen Rock anhat - nicht mehr selten, doch immer noch was besonderes. Und Strumpfhosen und zierliche Schuhe. Dann schwingt alles beim Gehen und Drehen, es ist eine Freude, sich im Vorrübergehen in Schaufenstern zu betrachten und nichts beschreibt das Gefühl von einem Rocksaum, der sanft über ein frisch rasiertes Bein streicht, das von einer Strumpfhose umhüllt wird. In der Uni, beim Einkaufen, beim Zimmer aufräumen. So sehr kann man Frau sein. 

Ähnlich ist es mit dem Tanzen - es ist ein Spiel, eine Koketterie mit den Geschlechtern, mit dem weiblich sein. Wenn man sich zu der Musik bewegt, wenn der Rock schwingt, dann wird man schön, eine Prinzessin, eine Ballerina, und das Glück gluckert den Hals hoch und wird zu einem Strahlen, der Tenor wird angestrahlt. Wir schweben.

Der Tenor, mein Tenor, der sich nicht nur mitschleifen ließ, sondern auch Spaß dran hatte. Klar, denn der Mann darf führen. Er bestimmt, wohin es geht, was gemacht wird und wann. Das hat ihm gefallen, dem Tenor. Was mich augenblicklich zu der These inspirierte, dass sich die Frauen das ausgedacht haben: die Männer dürfen führen, damit ihnen das Tanzen auch Spaß macht und sie mit uns Frauen tanzen, deswegen lassen wir sie Bestimmer sein, absolute Diktatoren und gönnen ihnen den Spaß dabei. Ist ja nur auf der Tanzfläche. 

So wird wenigstens die Ungerechtigkeit ausgeglichen, dass wir Frauen das Tanzen lieben und das Verlangen dannach durch unsere Adern schießt, wir uns aber dämlich warten, bis einer von den Herren sich mal zum Auffordern bequemt. Die haben nämlich keine Lust und lassen das mal schön sein. Blöd. 

Aber vielleicht wird alles anders. Ich glaube, der Tenor hat Blut geleckt. Vielleicht haben wir auch auf dem Parkett eine gemeinsame Zukunft, wenn es mich im Winter nicht nach Frankreich verschlägt, belegen wir wohl einen Kurs.  

 

Montag, 23. April 2007

plötzlich erinnert

Wo sind eigentlich meine Tabaluga CDs geblieben? Die sind plötzlich weg... vor 5 Jahren waren die doch noch da. Schade.

blöd

Sonnenschein und entspannte Stimmung. Und ein leckeres Mittag. Auf der einen Seite.

Zwei schlechte Nachrichten. Den Tanzkurs, zu dem ich den Tenor überreden konnte und den ich schon bezahlt und auf den ich mich sehr gefreut habe, haben wir verpasst. Falscher Termin.

Und mein §$%& Vermieter hat uns heute die Nutzung des Gartens einfach so gekündigt. Ohne Gründe. Wir dürfen da nicht mehr rein. Da wird es Sommer und der verbietet uns unseren Garten.

Ein Scheißtag also? Scheint so. Immerhin habe ich einen Tenor, der mirzuliebe zu Tanzkursen mitkommen würde und ein Dach, auf dem man die Sonne auch genießen kann. Also, Kopf hoch Phae. Den Tag nicht vor dem Abend verfluchen und mal gucken, was selbiger noch so bringt. Und die Nacht. Grins. 

Freitag, 20. April 2007

das bestickte Band

Ich habe von meinem Opa einen großartigen alten Nähkasten geerbt, der derzeit in seine Einzelteile zerlegt, in meinem Zimmer liegt und darauf wartet. dass der schicke, neue Acryllack auf ihm trocknet. Vorher musste ich ihn ausräumen. Ich liebe Nähsachen. Das meiste darin waren Knöpfe. Aus unerfindlichen Gründen habe ich eine Knopfphobie und ekel mich sogar, die Dinger anzufassen, geschweige denn Blusen oder ähnliches zu tragen. (Ob ich als Kind mit Knöpfen geschlagen worden bin... wer weiß?) Egal, da muss man durch.

Neben vielen tollen und halb antiken Dingen habe ich eine Rolle Aufnäher gefunden, ein langes Band mit unzähligen eingestickten Initialien: RR. Herrlich altmodisch, hab ich gedacht, so was gibt es heute gar nicht mehr. Warum eigentlich nicht?

Heute beim Aufräumen habe ich das Band auf dem Boden gefunden. Und angestarrt. RR. Mein Opa hieß nicht RR. Nein, anders. Mein Opa hieß RR, aber ich habe meinen Opa nie kennengelernt, weil er sich erschossen hat, als seine Fabrik den Bach runter ging. Als mein Vater sieben Jahre alt war. Der Mann, den ich als meinen Opa kennenlernte, war der zweite Mann meiner Großmutter, das haben meine Eltern mir gesagt, als ich widerum sieben war.

Und dann dieses Band. Ich weiß wenig von meiner Oma, aber ich glaube, sie war zweckmäßig und praktisch. Wer in der Nachkriegszeit erwachsen geworden ist, muss einfach zweckmäßig und praktisch sein. Es gibt keinen RR mehr in der Familie. Warum hat sie dieses Band aufgehoben? Opa, mein Opa, der Stiefopa hatte es nicht mit dem Nähen, der hat den Kasten seit ihrem Tod vor 9 Jahren vielleicht nie ausgemistet. Aber Oma war eine Strickoma, ihr Verhältnis zum Nähkasten entspricht wahrscheinlich meinem zum Internet, sie kann das Band nicht übersehen haben. 

Langsam dämmert die Erkenntnis, was dieses Band mir bedeuten könnte. Oma war immer etwas streng und hat "du Pflaume" zu mir gesagt. Als Kind fand ich das nicht so toll. Heute glaube ich, Oma war cool. Schade dass ich sie nur als Kind gekannt habe und heute Angst haben muss, dass ich mir nur einrede, wie cool sie war, weil ich es nicht besser weiß. Und mir einreden kann, was ich will.

Jetzt zum Beispiel, dass das Band ein Zeichen für eine sehr große Liebe war. Die Liebe meiner Großmutter, warum sonst hätte sie es aufheben sollen? Die Ehe meiner Oma und von meinem Stiefopa war toll. Sowas weiß ich, das kriegt auch ein kleines Kind mit. Sie haben "mein lieber Mann" und "meine liebe Frau" zueinander gesagt und ich weiß, dass sie das echt ernst gemeint haben. Sie waren ein Team. Sie waren harmonisch. Und die ganze Zeit lag das Band mit den Initialen von Omas erstem Mann im Nähkasten.

Wie "Maria Chapdelaine", denke ich, kleine Möchtegernromanistin. Und kann ich nicht anders und denke an (Achtung, jetzt wirds schlimm) den Nähkasten meines Herzens und das bestickte Band darin. Eine Menge bunter Garne und Stoffreste, kleine gestickte Herzchen und schöne Dinge, Perlen und Knöpfe, die ein oder andere Nadel und wirklich schöne Farben. Und mittendrin, die ganze Zeit schon, ein kleines besticktes Band, mit Initialen, die da schon lange nicht mehr hingehören. Ach Oma. Wir sind uns wohl doch recht nahe. Du Pflaume.  

Samstag, 14. April 2007

In ein paar Jahren
Oder Dekaden
Wird es mal ein Foto geben, auf dem wir glücklich sind.

Ich werd mich fragen
wer die zwei waren.
Denn so ein schöner Augenblick war uns nie vorbestimmt.

 

The Wohlstandskinder: Es gibt keine Balladen mehr 

Last.fm

Es ist eine gute Idee, kurze Einleitungen zu schreiben, die dann, nach ein/zwei Sätzen zum richtigen Thema überleiten. Pha! Ich bin darüber lange hinaus. Ich schreibe einfach los, mit einem vagen Ziel und dann kommt so ein Mammuteintrag raus, wie der letzte und das eigentliche Thema, naja, eines der eigentlichen Themen muss in den nächsten Eintrag. Für den dann keine Einleitung mehr übrig ist.
Außer dieser hier. Womit die fehlende Einleitung eine Einleitung geworden und die Verwirrung komplett ist. Weil ich nämlich über was anderes schreiben will. Haha!

Also, denkt Euch am besten das da oben weg und irgendeinen Quatsch über Datenschutz und Web 2.0.  Über beides habe ich nachdenken müssen, bevor ich mich bei Last.fm angemeldet habe. Die Verfühung ist nämlich groß. Last.fm guckt und zeigt, was für Musik Du auf dem Rechner hörst und macht damit so Sachen, ermittelt andere Nutzer, die ähnliches mögen wie Du, bietet Dir neue Musik und kostenlose Downloads von tollen Liedern an und und und. Community halt, Web 2.0, kennst Du einen, kennst Du alle, irgendwie.

Nur, das Last.fm besonders toll ist. Ich mag es vor allem, weil es bald, wenn ich ganz viel gehört habe, weiß, was mein Musikgeschmack ist. Ich weiß das nämlich nicht. Ich bin kein Indie-Emo-Punkrockmädchen, das einfach soooo eine Liste von Bands aufzählen kann, wenn man es fragt, was es denn so mag. Bei mir kommt da immer ein furchtbares Gestammel raus, "früher viel Ärzte und Wohlstandskinder, heute so Zeug, alles mögliche... und Musicals." Gott!Was dabei rauskommt ist ein vermurstes Bild, was auf meine musikalische (und logischerweise persönliche) Komischkeit beweist und mal gar nicht zur Selbstinszenierung, wie ich sie will, beiträgt. Jetzt kann ich also ganz cool sagen, wo man bei Last.fm schauen soll und da sieht man sie dann, meine Lieblingskünstler, meine aktuellen Tracks, meine Lieblingssongs, meine Taggs, meine Konzerte, auf denen ich war und für die ich Karten habe. Jeah.

Also höre ich wie blöd, tagge und liebe Songs, was das Zeug hält und schaue ständig auf mein Profil, wie ich denn so darstehe. Das Ergebnis? Meine musikalische Nachbarn (also die, die laut Computer das gleiche mögen wie ich) haben fast alle pastellfarbene Comicavatare und einer hört - OMG- Blümchen. Und mein eigenes Profil sieht auch blöd aus, weil ich mich gerade durch meine Sammlung höre, um meine Playlisten, die es kürzlich entschärfte, wieder aufzubauen. Derzeit höre ich mich durch irgendwelche Soundtracks und habe peinliche Künstler in meinem Profil, die ich eigentlich gar nicht kenne oder mag - mit Bildern. Seufz.

Aber die Idee ist toll, ich höre fleißig weiter und bin begeistert und meine Freunde (mit denen mein Musikgeschmack übrigens mal gar nicht übereinstimmt, laut Last) sind es auch. Sehr.  

Entr'Acte und das liebe Vieh (Überschriften haben keinen Sinn, sie müssen nur da sein)

Hmpf. Ich sollte dem Tenor einfach von Entr'Acte erzählen. Dann könnte ich schreiben, wenn ich bei ihm bin und so viele Dinge habe, über die ich schreiben will, wenn sie alle ganz frisch sind.

Aber ich sollte ja sowieso so viel. Zum Beispiel endlich aufhören, das Weblog vom Fka zu lesen. Zumal der eh nur alle Jubeljahre postet. Und dann auch nur Schwachsinn. Gar kein Vergleich zu Entr'Acte. Ich sollte wirklich jemandem erzählen, vor dem ich dann angeben kann.

Der Tenor wollte mir heute erzählen, dass Google böse ist, u.a. weil es alle Suchanfragen speichert und man sehen kann, wer was gesucht hat, wenn man eine eigene Seite hat. "Weiß ich doch", hab ich gesagt und hab an meine Suchanfragen hier gedacht, mit denen ich schon eine Menge Spaß hatte. Mensch. Diesem Monat übrigens ganz oben: "Wir sehen uns im nächsten Leben, wenn wir beide Katzen sind." Gemein. Drei Leute hat das hier her gebracht und nicht einer hat mir geschrieben, wo dieser blöde Satz herkommt. Da denke ich immer noch drüber nach.

Viel nachgedacht habe ich auch über mein geliebtes Web 2.0 und die Sache mit der Datensicherheit. Einen ganzen Morgen war mir schlecht, weil ein lieber Freund von mir eine recht grobe Mail an mich geschrieben hatte. Grund: ich hatte ihn auf einem Foto im StudiVZ verlinkt, womit er gar nicht einverstanden war. Lange Diskussion (schon wieder im Guten, uff.) über Datenschutz, über Arbeitgeber, die einen erst mal in Google und eben dem StudiVZ auskundschaften, über böse, mächtige Firmen im Hintergrund, über Werbung und überhaupt, Datenschutz und Freiheit und Prinzip und so.

Irgendwann falle ich vielleicht noch mal auf die Fresse mit meinem Leichtsinn. Gestern hat der Tenor nicht aufgemacht, als ich geklingelt habe. Ich bin zufällig doch ins Haus gekommen und hab den ganzen Weg nach oben gegrübelt, ob es sein könnte, dass er auf einmal unsagbar böse auf mich geworden sei und das einzige was mir einfiel - was mir in solchen Momenten immer einfällt, ist Entr'Acte. Er hat Entr'Acte gefunden und ist nun furchtbar böse über meine Unaufrichtigkeit ("Wieso hast DU eigentlich kein Webblog?" - "Ooooch, nöööö, das ist nichts für mich. Ich finde das gruselig, wenn fremde Leute alles lesen können, was ich schreibe. Ich hab mein Tagebuch und mein Forum, das reicht mir." Umso länger ich drüber nachdenke, ist das eigentlich fast beleidigend, dass gerade Er gerade Mir so einen Schwachsinn glaubt. Tse.), meine Heimlichtuerei, die Tatsache, dass ich auch über ihn schreibe und vielleicht sogar etwas, was ich über ihn geschrieben habe. Uh. In Wirklichkeit hat dann natürlich nur die Klingel gesponnen und er hat sie nicht gehört. Pff.

Montag, 9. April 2007

philosophie des larmes

In den letzten Tagen habe ich häufig - und eigentlich ohne wirklichen Anlass -  darüber nachgedacht, wie ich mich dem Tenor erklären würde, wenn er fragte, warum ich meine Tränen vor ihm verstecke. Vor jedem.

Ich glaube, ein Grund ist, dass ich meistens gar nicht sagen kann, warum ich eigentlich weine. In der aktuellen Neon sagt Herbert Grönemeyer was über Trauer und ich hab schon wieder vergessen, ob er das wirklich so sagt, oder ich das nur daraus gelesen habe, dass Trauer nun mal zum Leben gehört und man sie als einen Teil des Lebens akzeptieren muss. Ich glaube, das steht da so. Und ich glaube, ich bin ganz gut darin, das zu akzeptieren. Wenn sie kommt, dann kommt sie manchmal. Manchmal gibt es einen Grund, weswegen sie kommt und manchmal gibt es eigentlich keinen. Dann kommt sie einfach und zieht sich den Grund dann erst an, sie nimmt einfach den ersten, der gerade so auf der Seele herumliegt. 

Das habe ich verstanden, aber ich kann und mag es nicht erklären, nicht wenn ich gerade weinen muss und meine Augen rot und geschwollen sind und nicht nur die und ich mal sehr erbärmlich aussehe.

Jetzt weiß ich immer noch nicht, warum ich bei diesem Satz: »Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.« von Christa Wolf eben weinen musste. Aber ist nicht schlimm, ich bin ja alleine hier.

Freitag, 6. April 2007

aber so was von

 

 

"Guck mal", schrieb der Tenor, "die sind wie wir." Recht hat er... kieks.  

 

Dienstag, 3. April 2007

Manic Dienstag

Super. Mein erster Tag im Sommersemester, ich hab mich um Neun aus dem Bett gequält (Guckt nicht so. Ich bin erst um 2 reingekommen, nach dem 20 Stundentag. Und im gleichen Raum durften zwei andere liegen bleiben. Wenn das nicht quälen ist) und wofür? Für nix. Meine Vorlesung, auf die ich mich sogar damn it gefreut habe, ist gar keine. Die war im letzten Semester dran. Blöde Webseiten, das kann man auch weniger verwirrend machen.

Der Tenor spöttelte im Chat, ich bin müde, ich hab keine IDS Veranstaltung und mein Stundenplan ist eh viel zu leer, weil nichts angeboten wird. Alles doof. Und mir ist kalt. Ich geh jetzt shoppen. Mit Mutti. Wehe, wenn einer lacht.   

Montag, 2. April 2007

zurück aus J.

Nicht bewußt war ich mir hingegen, dass ich eine der Hauptrollen spiele. Dass unsere vier Stühle ganz vorne standen und was besonderes waren, und auf jedem eine rote Rose lag.

Es war heftiger, als ich dachte. Wenn ein lieber, alter Opa stirbt, ist das anders, als wenn ein lieber Freund stirbt, der keine 20 Jahre alt geworden ist. Und dann doch heftig.
Tränen legen sich immer so auf die Augen und machen müde, den ganzen Tag vergisst man nicht, dass man geweint hat.
Ich hatte meine Sonnenbrille dabei. Schwarze Sachen und eine Sonnenbrille. Die Familie reist an, in die verschlafene Kleinstadt, die immer kleiner wird, und dann trägt sie schwarze Sachen und Sonnenbrille. Ich kam mir vor, wie eine Metropolentussi, die in die heimatliche Provinz zurückkehrt und zeigen will, dass sie jetzt anders ist.
Dabei ist das natürlich Blödsinn.
Ich bin anders, weil ich in J. so Kind war, dass das schlimmste heute die Sentimentalität und die Erinnerungen waren, die auf mich drauf gefallen sind. Und das schönste.
Das alte Haus ist verkauft, da können wir nicht mehr rein, aber - das konnte ich vorher nicht wissen - die ganze Stadt ist wie das Haus. Sie riecht so. Sie sieht so aus. Ich habe in dem runtergekommenen Restaurant schlucken müssen, als ich die Tür gesehen habe. Sie war so sehr wie die in dem alten Haus. Eine Tür, Herrgott.

Natürlich habe ich nicht zeigen wollen, wie anders ich bin. Im Gegenteil. Die Kleinstadt ist so lebendig in mir. Da war ich Kind. Hier, hier war ich auch Kind, aber hier war ich auch anderes, das hat sich drübergemalt. In J., in J. war ich nur Kind, in J. ist die kleine Phae konserviert, J. ist ein Museum für alle Sinne. J. ist unglaublich doll ein Teil von mir, aber so was von, und das, obwohl kein Mensch in J. mich mehr kennt. Doch, eine Hand voll, aber die wissen nur, dass ich die kleine Phae bin, die "aber groß geworden ist" und die Tochter von L. eben. Die haben keine Ahnung von mir, die können mich eben nur zuordnen und haben mir vielleicht mal als Knirps Bonbons geschenkt. J., dessen Türen die Kraft haben, mir Tränen in die Augen zu treiben hat also keine Ahnung von mir...

Beerdigungen machen, dass man über den Tod nachdenkt. Anders als sonst. Und über die Familie. Und das Leben. In dieser Reihenfolge. Und sie sind gut und wichtig für die Seele. Und aua.

Und jetzt bin ich wieder hier, im Jetzt. Keine staubigen Straßen mehr und grauverputzte Häuser, sondern IKEA Einrichtungen und Menschen für die das Web 2.0 eine Selbstverständlichkeit ist. Und jetzt fahre ich zu meiner anderen Familie. Zu dem Tenor und den Leuten, die er eingeladen hat, um gemeinsam Switch und Stromberg zu schauen. Wie jeden Montag. Die nicht finden, dass ich groß geworden bin und die nicht fragen, was die Schule macht. Die ist seit 2 Jahren aus. Kann ja mal passieren.

Funeral Day

Carrie Bradshaw* hat einmal gesagt, dass das Beste an Beerdigungen ist, dass man das kleine schwarze dabei anziehen kann. Und das im eisigen New York.
Ich habe kein kleines Schwarzes. Ist wohl auch besser so. Zum , ich glaube, ersten Mal in meinem Leben trage ich komplett schwarz, denn zum ersten Mal gehe ich auf eine Beerdigung.

Ich habe mir viel Mühe gegeben, gut auszusehen, auch wenn das meiste wieder mal daneben gegangen ist. (Was alles schief gehen kann, wenn man versucht, einen Rock zu bügeln... Wahnsinn.) Ich trage mein ägyptisches Ankh-Zeichen um den Hals. Ankh bedeutet "Leben" und das ist wohl irgendwie makaber, aber es passt zu meinem ungewohnten schwarzen Outfit und ich mag es. Und vielleicht passt es ja auch sonst irgendwie, das ist wohl anschauungssache. 

Es ist wohl normal, dass eine Beerdigung auch immer die Familie versammelt, die man so selten sieht, dass man sich auch drauf freut, irgendwie. Mich führt sie in das kleine Städtchen im Nirgendwo zurück, das ein Stück zu Hause gewesen ist, und verloren, seit sie dort das Haus verkauft haben. Wer weiß, wann ich da mal wieder hinkomme.

Meine erste Beerdigung. Ich fühle mich verkleidet, missfalle mir nicht in schwarz und bin mir bewußt, dass es eine neue Erfahrung ist. 

 

* Besonders, wenn ich gerade eine anstrengende Facharbeit fertiggestellt habe, genieße ich es, jeden Blödsinn quer durch den Garten und fern jeder wissenschaftlichen Richtlinie zu zitieren. Höhö