Ich weiß gar nicht, warum ich Entracte in letzter Zeit so vernachlässigt habe. Ich war hier, mehrmals, ich hatte auch Lust zu schreiben, auch Zeit, und ich hatte Ideen, ganz viele "das-musst-die-bloggen"Gedanken. Anscheinend war wohl nur das Timing scheiße. Nie alles auf einmal, eben.
Jetzt aber. Etwas verspätet, aber nachgereicht: Zeit für einen Jahresrückblick, letztes Jahr um diese Zeit war ich schon lange damit fertig. Aber da war ja auch noch alles anders. Mal gucken, ob ich auch wieder einen Soundtrack für dieses Jahr zusammenbekomme.
Januar: Die Ärzte - Es ist vorbei
Die Silversterfeier war farblos, was nicht an den großartigen anwesenden Menschen lag, sondern an der Abwesenheit andere. Eines anderen, natürlich. Geschätzte vier Stunden nach den Raketen habe ich das erste Mal in meinem Leben aus emotionalen Gründen gekotzt. Ich kann mich nicht erinnern, jemand wieder so verzweifelt geweint zu haben. Am dritten Tag des Jahres die Trennung. Dann der Schmutz. Die ganze Geschichte ist aus den Fugen geraten, wenn ich sie heute erzähle, frage ich mich, wie mir so etwas passieren konnte.
Februar: Franz Ferdinand - Eleanor put your shoes back on
Prüfungszeit. Es mag Menschen geben, die sind in harten Lebenslagen froh, wenn sie was haben, was sie ablenkt, was sie zwingt, sich zu konzentrieren. Ich gehöre nicht dazu. Froh war ich über die lieben Menschen, von so vielen Seiten. Ist bestimmt nicht selbstverständlich, sich in so einer Situation nie allein zu fühlen. War so. Ein toller Geburtstag im Lieblingsclub mit allen Freunden und 1000 Umarmungen um Mitternacht, die mich ganz high gemacht haben. Als ich nach Hause kam, fand ich eine Torte, Kerzen und eine MixtapeCD von meiner Mitbewohnerin L. im Player, dadrauf dieses Lied.
März: Richard Crocciante - Ave Maria Paien
Die Semesterferien waren scheiße. Ich hab wie blöd für eine Grammaireklausur gelernt, die ich nicht bestanden habe und eine Hausarbeit geschrieben, die mir jetzt nicht angerechtnet werden kann. Lichtblicke waren die Abende in der Stammkneipe mit den Freunden des gemeinsamen Gesangs. Gegen Ende dort den Tenor kennengelernt, der mein Schicksal teilte, was mich anzog. Eine Nacht mit 6 Studen Gespräch, Chatten, Skypen, beieinander sein, mit Headset und Webcam, eine neue Welt.
April: Wise Guys - Jetzt ist Sommer
Das Sommersemester hat angefangen und ich war froh drüber. Endlich wieder soziale Kontakte. Und Frühling! Sonnenstrahlen, Röcke und grüne Blättlein. Und meine Sonnenbrille, die immer mit musste. Ein Osterspaziergang mit dem Tenor.
Mai: AIDA - Easy as life
Demo in meiner Stadt, viel zu viel Polizei. Ausnahmezustand, nur Sixpacks auf dem Weg zum Tenor, wo es im Sonnenschein Käsepfannkuchen gab. Ein Ferientag bevor der Streß begann. Zu einem Jahrestag, der keiner mehr ist, in die Wallanlagen geflohen und am Telefon lange trösen lassen. Von wem wohl.
Juni: Beach Boys - I get aroud
Dann kam ein Streit, der alles veränderte. Die Woche voller Bauchschmerzen wegen dem Tenor rückten den Fka endlich in den Hintergrund, wo er dann auch blieb. Dann war alles wieder gut und Chorfahrt, herliche Sommertage. Zu Hause Unistress, der mich die wärmsten Tage verpassen ließ.
Juli: Banana Fishbones - Easy Day
Fahrradfahrsonnestrandgrillsommer mit dem Tenor, der mich von meinem Schreibtisch wegquatschte, ein ums andere Mal. Hinaus in die Sonne, zum Meer, mit den Rädern. Selten auch mal in der Bahn geschwitzt. Und auf dem Rückweg gar nicht selten: "Ich weiß was, wollen wir noch grillen?" In Flip Flops in den Supermarkt, Fleisch gekauft, schlemmen auf dem Balkon, im Abendrot.
August: Dashboard Confessional - Feels like July
Eine Woche genialer Frankreichurlaub, ein Roadtrip mit Freunden. Ansonsten Semesterferien, nach dem zerstörerischen Stress der letzten Monate ganz ohne Streß und wat zu tun. Herrlich! Sommer!
September: Nicole Kidman & Ewan McGregor - Come what may
Die Semsterferien sind zu einem dicken Brei zusammengeschmolzen. Was heraussticht? Seit Ende September sind der Tenor und ich ein Paar.
Oktober: Rufus Wainwright - Complainte de la Butte
Das Semester fängt an und unsere Sommerferienbeziehung bekommt eine Art Alltagsroutine. Außerdem zieht Pinky L., meine erste Mitbewohnerin, aus und Indian T., die zweite zieht ein. Alles wird bunter, harmonischer und asiatischer hier. Und aufgeräumter.
November: Jacques Brel - Ne me quitte pas
Großer Streit mit großen Folgen. Nach vielen kleinen Chrashs gab es einen großen und seitdem ist alles viel besser. So kann es auch gehen, eine von vielen, vielen Lektionen, dieses Jahr. Ansonsten Chor, Leute vom Chor, Filme, Kochen... Schöner Herbst, nur viel zu warm.
Kater Biff ist nun ein Jahr bei uns, genauer gesagt bei mir. Die Bestie hat sich gewandelt, mittlerweile trauen sich auch Freunde der WG, ihn mal anzufassen, er kratzt nicht mehr so viel. Anscheindend war er die viele Mühe echt wert, ich bin stolz auf mich.
Dezember: Tea for two
Langsam geht mir der Stoff aus... war echt so wenig los? Chorfahrt, Weihnachtsmarkt, Uni, Geschenkestress, gemütliche Abende mit dem Tenor. Weihnachten und Silverster mit Familie, wenn auch mit 2 verschiedenen, beides schön. Alles schön? Das Überlaufen vor Glück, das fehlt irgendwie. Ob das Einbildung ist, oder gefärlich, das muss ich noch rausfinden. Aber alles schön.
Was mir noch so einfällt:
2006 war ein Jahr, in dem Bäume mich glücklich gemacht haben.
Konzerte: Farin Urlaub im Oktober. Oh mein Gott, das ist doch nicht alles, oder?
Freunde gewonnen: Ja, sehr viele.
Freunde verloren: Mindestens einen.
Was sich verändert hat: Der Kater Biff. Von der agressiven crazy Killer Cat zum schnurrenden Kuschelkater mit seltenen Kratzattaken und Fußtick. Mittlerweile haben wir zwei uns richtig gern.
Was gleich geblieben ist: Beste Freunde bleiben, auch wenn sie weit weg sind. Der Lieblingsclub, der Garten bei den Eltern, das Meer.
Was ist besser geworden: Mein Französisch. Wenn auch nicht viel und nicht genug.
Was ist schlechter geworden: Hm. Meine Skills im Autofahren und Einparken, wahrscheinlich. Und mein Klavierspiel.
Was mir fehlt: Der Fka, selbstbelügen sucks. Und Sing Star Partys. Tägliche Gespräche mit denen, die es forttrieb. Zeit für mich und Fernsehnachmittage zu Haus. Und immer noch das ständige Gefühl, vor Glück überzusprudeln und zu mit Sicherheit Hause angekommen zu sein.
Was neu ist und bleiben soll: Der Tenor, die neue, liebe Seite vom Kater, die Stimmung in der WG, viele liebe Leute in der Uni.
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Das mit dem Gefühl der Vollständigkeit wird wohl nix mehr, ich hör jetzt lieber auf. Bei dem Soundtrack hab ich auch ein bisschen getrickst und geschoben, damit alles einigermaßen passt. Aber nicht viel.