Einträge "August 2006":
Donnerstag, 31. August 2006
küsschenlicht
Und man weiß, es ist Zeit, nach Hause zu gehen.
lips most fair
Qualität wird überbewertet. Ich liebe Musik und ich liebe meinen Chor - aufrichtig, aber- ein elender Haufen von intriganten Lästermäulern ist das. Niemand, über dessen Stimme und Liebesleben ich noch nicht habe herziehen hören, wahrscheinlich ein Naturgesetz bei Menschengruppen, die gemeinsam Musik machen.
Respekt vor denen, denen es gegeben ist, die perfekt singen können, klar die Töne treffen - und zwar jeden - , halten - und zwar lange und einfach alles richtig machen. Aber das muss nicht sein. Musik muss nicht perfekt sein, singen darf auch sehr gerne, wer nicht gesegnet ist, zumindest nicht mit Perfektion. Judith Holofernes darf und soll trotzdem singen, die ärzte, auch live und wir kleiner Studentenhaufen sowieso. Schluss mit dem ewigen Lästern, Perfektion hat in der Musik wir wir sie machen und mögen doch wenig zu suchen, warum reiten alle darauf rum? Ja, da war ein Wackeln, ja ganz oben ist er sich unsicher - na und? Es geht um mehr, so viel mehr, hört auf, Euch das Maul zu zerreißen.
Kann mir jemand folgen? Egal. Gesichter sind nicht perfekt, Zeichnungen nicht, Aufsätze nicht und Beziehungen auch nicht. Ihr kriegt das mit Musik nicht wieder rein, hört zu, seid glücklich und reißt Euch zusammen. Besser macht ihr es eh nicht.
~*~
Ich hasse es, wenn ich diese wirren Gedanken nicht so zusammenkriege, wie ich will.
~*~
Laut waren wir gestern, laut und ausgelassen. Auf einmal, viele waren nicht mehr übrig, fingen sie zu singen an, "Your shining eyes", unvermutet. Es waren keine Sophräne mehr da, sie waren aus der Übung, ich konnte nicht mitsingen, nur zuhören. Und bin fast übergelaufen - das war Musik! Am Nachbartisch versiegte das Gespräch, verwundert und tief berührt, da kam einfach so Musik, mehrstimmig und harmonisch, unsicher und unvollkommen, aus tiefstem Herzen, lächenlnd und zusammen - himmlich. Das ist Musik, so wird sie gemacht und dazu ist sie da, um in Kneipenkellern unvermutet zu entstehen, allen einmal auf die Seele zu patschen und uns verwundert zurückzulassen. Mit glänzenden Augen und zutiefst gerührt.
durchgemacht
Ich brauche ein ausdrucksäquivalentes Synonym zu "Was für eine Nacht!", der Satz verschleißt. Aber bis ich es gefunden habe: Was für eine Nacht!
Ich liebe sie, die wöchentlichen Treffen der Freunde des gemeinsamen Gesangs in der unvergleichbar gemütlichen Stammkneipe, die wirklich eine Stammkneipe ist, man kennt Wirt und Kellnerinnen und sie kennen einen zurück, man grinst sich zu, wenn man sich in der Innenstadt über den Weg läuft. Jede Woche treffen wir uns da, jede Woche ist es schön. Aber nicht jede Woche dauert dieses Treffen bis halb Sieben Uhr morgens.
Der arme Wirt? Nicht doch. Der hat uns halb Zwei rausgeschmissen, kratze sich am flachen Bauch und guckte: "Ich will zumachen."So zogen wir, zu viert weiter, in eine geräumige Wohnküche mit drei Katzen und Kerzenlicht. Gespräche über Bücher, Serien und Filme vertrieben die Nacht, viel Lachen und immer mal wieder ein schlummerndes Kätzchen auf dem Schoß. Und ein großartig angenehmes unwohles Gefühl, bei dem Gedanken an die Unvernunft, an den nächsten Tag. Großartig!
Mittwoch, 30. August 2006
Das Buch der lächerlichen Liebe
Ich mag den Kundera, wer nicht? Alle, die die unerträgliche Leichtigkeit gelesen haben, sind begeistert. Wen interessiert schon, was in einem Buch passiert, was die Charaktere tun, die Geschichten sind ja doch immer die gleichen. Kundera schreibt, warum sie etwas tun und er schreibt über Liebe, ein Thema das alle interessiert. Wenn alle Menschen denken würden, wie er schreibt, das wäre toll. Wenn wichtig wäre, warum die Menschen tun, was sie tun.
Falsches Buch, die unerträgliche Leichtigkeit liegt, bereit zum Reread, auf meinem Nachttisch, die ist noch nicht dran. Ich wollte eigentlich vom Buch der lächerlichen Liebe schreiben.

Am besten gefallen hat mir die Geschichte: Fingierter Autostop
Schönster Satz: Frauen haben zum Glück das wunderbare Talent, den Sinn ihrer Handlungen im Nachhinein zu verändern.
Anderer schönster Satz:
Er zu ihr: Gut, ich trinke nicht auf sie, sondern auf ihre Gattung in der sich das Bessere vom Tier so gelungen mit dem schlechteren vom Menschen verbindet.
just married
Im gleichen Supermarkt traf ich M., mit der ich nichts weiter zu tun habe und von der nichts weiter erwähnenswert ist, als dass sie in diesem Sommer geheiratet hat. Sie ist die erste von uns, hat wie wir alle im letzten Jahr Abi gemacht, Krass. Ihren Mann (wow, ich hab Mann geschrieben! Ihren Mann!) habe ich heute gleich kennengelernt, wir haben kurz geplaudert, nett die beiden. Als ich gehen wollte, waren seine Abschiedsworte: "Such dir auch mal jemdanden zum Heiraten. Macht echt Spaß."
Das muss man sich heutzutage wohl sagen lassen... Ökochristen! Seufz.
spielzeug
"Darf ich den behalten, wenn Du ihn nicht mehr brauchst?" fragt der Kleine vor mir an der Kasse seinen Vater, der gerade einen Aldi-Pappkarton in den Korb getan hat. Der Mann reagiert kaum und wenn nur mürrisch, der Junge hat leuchtende Augen, die an den Lippen des Mannes hängen. Darf er?
Ich muss lächeln. Ich könnte wetten, das Spielzeug dieses Jungen beherbergt mehr Elektonik als meine gesamte Wohnung, sicherlich spielt der Videofilme und liest Comics von denen ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte. Doch die Faszination von Kindern an Pappkartons hat sich anscheinend kein bisschen gewandelt. Ich wette, die für schöne, gerade Stöcke oder lange Seile auch nicht.
Ich steh übrigens auch auf Kartons.
runterfahrn
Es ist ja wohl das absolut geilste, nachts um halb fünf aus dem Lieblingsclub zu kommen und sich erst mal einen billigen Wassereisstick zu genehmingen, einen Knallgrünen, vor allem wenn man wegen Kleingeld- und Hosentaschenmangel den ganzen Abend nichts getrunken hat, Wassereis zu lutschen und, obwohl man fix ins Bett sollte, extra den Computer hochzufahren, um zu bloggen, dass so ein billiges Wassereis Nachts um halb fünf das absolute Geilste ist.
Übrigens bin ich nüchtern, wie immer. Und angemacht wurde ich, haha! Und sie haben unser Lied gespielt, des Fka's und meins, das ging ganz schön ins Mark, so unvermutet.
Was für eine Nacht!
Dienstag, 29. August 2006
sturmfrei
traurig
"Entlieben" ist 23 mal gesucht worden, hier. Sieht aus, als wären die Menschen traurig...
Ich war heute auch traurig. Ein Abend mit Kerzen und ruhiger Musik... Und ausgerechnet jetzt scheint keiner meiner Freunde Lust zu haben, mir die endlosen Stunden zuzuhören, die ich über das eine Thema reden will, dass allen anscheindend aus den Ohren kommt.
Freitag, 25. August 2006
weggehen
Ich kann mich nicht losreißen. Vor mir liegt ein Abend mit guten Freunden in der wohl gemütlichsten Kneipe der Stadt. Ich habe den Tag zu Hause verbracht, die Nacht aber nicht, ich bin erst heute morgen hier angekommen, nachdem ich gestern eigentlich nur schnell in die Mensa wollte. Ferien, Sponanität, der Tenor, Fahrräder, ein Einkaufspark. Ich mag dieses Leben. Und meinen Schreibtischtag heute, gebastelt, kommuniziert, nicht viel gemacht. Und alles an der Katze vorbei, die auf dem Schreibtisch geschlafen hat, um in meiner Nähe zu sein, ihr zuliebe habe ich meine Zeichnung auf den Knien coloriert.
Und jetzt mag ich nicht gehen, ich höre die Musik aus dem Herrn der Ringe, ich trinke Kiba aus einem pinkfarbenen Tetrapack, ich stöbere den Lebenslauf von Milan Kundera, der Mann der anscheindend alles versteht und ich sehe die Buntstifte verstreut auf meinem Schreibtisch liegen, die mich rufen. Farben! rufen sie, Zeichnen, jetzt... Ich wünschte, diese Tage wären länger, die Freunden des Müßiggangs sind noch lange nicht ausgekostet. Der Abwasch türmt sich in der Küche, ich könnte mal wieder fegen und aufräumen sowieso, aber ich mag mein zu Hause, so eine bin ich. Und ich mag Abende. Ich sollte mehr davon kombinieren...
Auch wenn es jetzt regnet, da draußen warten meine Freunde. Ich werde mich losreißen müssen.
Mittwoch, 23. August 2006
LAN
Sieben Uhr dreißig lag ich im Bett! AM! Die sind doch bekloppt...
Hinter mir liegt meine allererste LAN-Party.
Ein großer Raum, vier Rechner, drei Jungs, alle PC-verrück, natürlich, und ich. Auf den Knien den Laptop meiner Mitbewohnerin, einen eigenen besitze ich ja nicht. Das ist nicht ganz korrekt, denn auf den Knien hatte ich eigentlich einen großen Zimmerventilator (Warum kenne ich so viele Leute, die einen besitzen? Warum kauft man sich so was?) und auf dem stand der Laptop, anders ging es nicht. Das Ding ist kaputt, die Kühlung hat nicht funktioniert und nur mit Ventilatorhilfe hat er die ganze Nacht durchgehalten. Ich sage doch, die sind bekloppt.
Dungeon Siege haben wir gespielt, laufen und ballern, Items sammeln, laufen und ballern. Das Gute an dem Spiel ist, dass man sein Männchen - ich war die Bogenschützen-Elbin, natürlich - auch automatisch mit den anderen mitlaufen lassen und auf alles ballern lassen kann, was sich bewegt. Für mich war der Abend nämlich ab um Zwei gelaufen, aber die Jungs wollten von aufhören ja nichts hören und so konnte ich zwischendurch auch mal gut abschalten.
Vorher waren wir für die Party einkaufen, was gar nicht so einfach ist. Das Essen muss satt machen, ungesund sein (gut, das ist einfach) und sich schnell in den Mund stopfen lassen, während man beschäftigt ist, kein Auswickeln, keine schmutzigen Finger. Außerdem braucht man Kaffee, viiiel Kaffee und dazu viel Milch und Zucker. Und wenn man seinen Laptop mitbringt, sollte man auch an Maus und Headset denken, das ist ganz wichtig. Und Netzwerk- und Stromkabel und Steckdosen, die sind nämlich immer als erstes alle. Aber dafür hat man ja den Hacker seiner Wahl, da muss man nicht selber dran denken.
Was bleibt ist wirrer Schlaf am Vormittag,begleitet von ewigen Baller-Träumen ("Warum spielen diese Idioten noch weiter, obwohl ich schon gegangen bin? Und warum muss ich noch mitspielen?") und die Erkenntnis, das Chatten einfach mehr Spaß macht als Reden, auch wenn man im gleichen Raum sitzt.Sonntag, 20. August 2006
angst
Und wo wir gerade dabei sind, das habe ich auf der Website des Autoren vom "törichten Engel" gefunden, www.chrismoore.com:
24) What do you do when you're not writing.
I go out to lunch a lot. I also spend a great deal of time worrying about not writing. I live my life in a perpetual state of panic, either that the book I'm working on will suck, or that I'll never be able to write another book again.
Hm, tröstlich. Geht allen so, auch die, die man selbst ganz toll findet, weil sie tolle Sachen geschrieben haben. Und erschreckend, dass man diese Angst anscheindend nicht mal loswerden kann, selbst wenn man selber irgendwann tolle Sachen schreibt... wenn...
Kneipen, Schwerter, Zombies
Es sind Semesterferien, ich hab wieder zwei Bücher durch. Leichte Kost, aber das habe ich mir verdient.

Herr Lehmann: Ist mir zufällig in die Hände gefallen. Hätte ich den Film nach dem Buch gesehen, ich glaube, ich hätte ihn gemocht. Habe ich auch so, natürlich, aber das ist ja auch einfacher, als wenn man das Buch schon kennt. Der Film enthielt genau das Gefühl, das ich im Hinterkopf habe, wenn ich sage, dass ich deutsche Filme mag und mit dem Buch ist es ähnlich, es hat Spaß gemacht, es zu lesen und habe mich schon eine ganze Weile nicht mehr so mit einem Charakter identifizieren können wir mit Herr Lehmann, der denkt, dass der andere Recht hat und er jetzt den Mund halten sollte, während er argumentativ auf ihn eindrischt und ständig irgendwie hilflos war. Wo ist der zweite Teil?
Noch so ein Grund, warum ich mich gut identifizieren konnte: Von der Küche drang der Geruch gebratener Kartoffeln zu ihm herüber. Wahrscheinlich hebt sie übrig gebliebene Kartoffeln immer auf, um später Bratkartoffeln daraus zu machen, dachte Herr Lehmann, und das gefiel ihm, weil er das auch immer machte, wenn er einmal kochte und dabei Kartoffeln im Spiel waren, nur dass das fast nie der Fall war, weder kochte er oft, noch waren dabei Kartoffeln im Spiel, und wenn, dann verschimmelten die aufgehobenen Kartoffeln in den folgenden Tagen im Kühlschrank und er warf sie weg und nahm sich vor, sie in Zukunft nicht mehr aufzuheben.
Das zweite Buch war noch schneller vorbei: Der törichte Engel von Christopher Moore, der auf meiner Autorenliste fast ganz oben steht, mittlerweile. Wegen mitreißendem Humor und Forumlierungen wie "Er war eine Gottesanbeterin von einem Mann" Es ist eine Weihnachtsgeschichte, die aber, wie der Autor in der Einführung schreibt, sowohl Kraftausdrücke , als auch geschmackvolle Beschreibungen von Kanibalismus und Leuten enthält, die Sex haben, obwohl sie über vierzieg sind. Und es gibt ein Wiedersehen mit Raziel, dem dämlichen Engel aus der Bibel nach Biff - ein Buch übrigens, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Naja, jedem, der es vertragen kann, eine unkonventionelle Geschichte über Jesus' Jugendjahre zu lesen. Ich, zumindest, ich will mehr von diesem Mann!
war klar
Samstag, 19. August 2006
tonight... toniiiight...
Party-Marathon. Nach unserem Weiberabend folgte die Einweihungsparty des Tenors, zu dem ich promt meine frisch gefundene, zukünftige Mitbewohnerin mitschleppte. Und heute Abend... heute Abend gibt es Abi, ein Strandtreffen mit meinem Jahrgang.
Klassentreffen haben ja diesen Ruf. Dieses Mal ist es natürlich nicht annähernd so schlimm, wie auf einem richtigen Treffen, immerhin liegt zwischen uns nur ein Jahr, noch muss sich niemand schäbig fühlen, weil er noch nicht reich und berühmt geworden ist, sondern nur dreimal geschieden.
Naja, niemand außer mir. Waren doch der Fka und ich eins der wenigen Schulpäarchen und damit quasi Personen des öfentlichen Lebens. Gut, damit komme ich klar, würde ich auch, wenn sie damals nicht gefragt hätten, mehrmals hintereinander, was ich denn von dem eigenlich will. "Ich meine," haben sie gelallt, die Jungs, es war auf Parties meistens, wenn der Alkohol ehrlich machte, "intelligent ist er ja, total, aber so.. arrogant..."
Ja, Jungs, dankeschön, wie auch immer. War ja irgendwie rührend, die besorgten Jungs.
Natürlich sind es nicht die anderen, die mir Sorgen machen. Sorgen ist übrigens gar nicht das richtige Wort. Ich bin ganz cool, ehrlich, ich denke halt nur drüber nach. Eine Jahrgangsparty. Fka war auch im Jahrgang. Wird er kommen?
Wird er nicht. Er hat drauf geschissen, auf sie alle hat er geschissen. Und aus dem sie-alle ist dann ein uns-alle geworden, anfang des Jahres. Auf uns alle hat er geschissen. Er wird nicht kommen. Was bedeutet, dass ich mich den ganzen Abend nervös fragen werde, ob er kommt, ob er kommen wird. Ich werde es verdrängen, werde mich bestimmt nicht gut amüsieren, schon aus Prinzip, weil das mit Klassentreffen so ist, es gibt einen Grund, warum man mit einer handvoll Leuten in Kontakt geblieben ist und nicht mit allen. Und die ganze Zeit werde ich den Strandaufgang im Augenwinkel haben, jede Gestalt darauf abscannend, ob er es ist, sein könnte, immer wachsam. Irgendwann wird es dunekl werden und ich werde mir eingestehen, dass er, wenn er bis jetzt noch nicht gekommen ist, auch nicht mehr kommen wird. Dass es sowieso abzusehen war, dass er nicht kommt, natürlich nicht und dass ich erleichtert sein sollte, erleichtert zu sein habe, erleichtert bin, verdammt nochmal, denn schließlich wollte ich dass er nicht kommt, ich wollte einen netten Abend mit meinem Jahrgang verbringen, darüber reden wie toll es ist, Soziologie zu studieren und in einem Chor zu singen, und was hast Du so gemacht, aha, oh schön, und dabei kann ich ihn natürlich kein Stück gebrauchen, das streßt doch nur. Ich habe seit der Trennung nicht mit ihm gesprochen, kein Wort. Noch nicht mal Blickkontakt, auf der Straße. Ein Abend in seiner Anwesenheit, das geht einfach nicht. Gut, dass er sowieso nicht kommen wird...
Tja, und noch ein paar Stunden später, nach dem ich mir eingestanden habe, dass er nicht mehr kommt, kann ich dann ja auch anfangen, mir einzugestehen, dass ich gehofft habe, dass er kommt.
Obwohl ich nicht weiß, wie ich damit umgehen sollte.
Obwohl der Abend gelaufen wäre.
Obwohl er sich zum Arsch gemacht hat.
Obwohl das alles über ein halbes Jahr her ist und der gute Geschmack es gebietet, schon lange darüber hinweg zu sein.
Ich will dass er kommt. Das kann ich mir auch jetzt schon eingestehen. Ich weiß ja, wie ich bin. Ich weiß nicht warum, aber mein Verstand (wer?) stürzt sich auf jede Gelegenheit, sich mit ihm zu beschäftigen, über hn nachzudenken, über ihn zu reden. Wählerisch ist er dabei nicht, ob es seine unglaublichen Augen sind, eine romantische Geste, die mich wochenlang völlig authistisch gegenüber sämtlichen Unerfreulichkeiten des Lebens macht, oder die unglaubliche Unverfrorenheit mit der er sich meiner entledigt hat, einfach so. Wie, ist egal. Hauptsache, er. Er ist in den Hintergrund gerutscht, damals, dank dem Tenor, und ist seitdem auch dort geblieben, meistens, das war ein großer Schritt. Dafür hatte sich die beschissenste Woche des Semesters definitiv gelohnt. Aber weiter geht es nicht, weiter komme ich nicht, er geht nicht weg. Vielleicht brauche ich eine Affäre? Oder mehr Streit mit Menschen, die mir wichtig sind, vielleicht zwei auf einmal.
Und wenn er doch kommt? Mitbewohnerin L., die Kontakt zu ihm hat, hat heute eine Sms von ihm bekommen. Zufall? Ist er vielleicht tatsächlich einsam genug, um zu einer Abiparty zu kommen? Was dann? Das wird hart...
Fakt ist, dass ich heute Abend umwerfend aussehen muss. Ob er nun kommt, oder nicht, stressig wird es auf jeden Fall und dabei ist der Gedanke, dass man so nicht gesehen werden will, nicht hilfreich. (Die Tatsache, sich das bei einer Veranstaltung vorzunehmen, bei der zeitweise Bademode getragen wird aber auch nicht, verdammt...) Ich muss umwerfend aussehen und ich muss telefonieren, um sicherzugehen, dass mindestens einer von den lieben Menschen auch kommt, hinter denen ich mich notfalls verstecken kann...
Ich glaube, er kommt wirklicht nicht. Und ich wünschte, das ich würde das einfach glauben können und erleichtert sein.
PS: Das glaubt mir wieder keiner, aber nervös bin ich wirklich nicht. Ich mache mir so meine Gedanken, die auch echt nützlich sind, denn sie führen hoffentlich dazu, dass ich umwerfend aussehe, nachher. Aber ich fühle mich ruhig, keine Aufregung, kein Herzrasen, keine zitternden Hän- verdammt. Okay, meine Hände zittern. Aber sonst ist noch nicht viel angekommen.
Freitag, 18. August 2006
mädchenabend
Ich bin Cabrio gefahren. Zum ersten Mal.
Es war ein großartiger Abend, ein Mädchenabend mit Komillitoninnen. K. hatte uns in ihre bildhübsche Wohnung eingeladen und war eine Gastgeberin wie aus dem Bilderbuch, sie hätte glatte zehn Punkte auf Vox bekommen. Auch wenn das Essen von Maggie war.
Bridget Jones haben wir geguckt, beide Teile und dann noch Barfuss. Viel gelacht, ein paar kleine Tränchen (super Filme für Mädchenabend! Und sowieso!) und ich weiß endlich, dass ich meine Grammaireklausur bestanden habe. Ich hab mich noch nicht in die Uni getraut, um nachzusehen, die anderen schon. Bestanden, bestanden, ich hatte so Angst! Und was für ein Glück es ist, Menschen zu kennen, die auch nach meinem Namen auf den Listen sehen und sich das Ergebnis merken.
Glück, das war der ganze Abend. Dies ist ein guter Sommer. Die Musik von Barfuss läuft in Bad durch die offene Tür in die Wohnung, die der Kater und ich gerade für uns alleine haben. Bald wird L, ausziehen, mit ihr eine ganze Menge nervtötender Kleinigkeiten, aber auch die Barfuss CD. Dann wird es Zeit für D., D. hat gestern den Vertrag unterschrieben, ich habe eine neue Mitbewohnerin, ich kenne sie kaum und es ist eng hier. Aber zumindest habe ich jemanden gefunden, der in dieser winzigen Muckelbuchte unter dem Dach mit mir und dem verrückten Kater wohnen möchte. Wünscht uns Glück.
Von dem Cabrio wollte ich noch erzählen. K. wohnt nicht zentral und es spät, eigentlich eher früh, als wir uns verabschiedeten. Eine Komilitonin, deren Name so schön ist, dass ich ihn hier am liebsten nennen würde, hat angeboten, mein Fahrrad in ihr Auto zu laden, was ich als glatten Wahnsinn ausschlug, bis sie erwähnte, dass der Wagen kein Dach hat. Wenn man es runterklappt. Und so kam es, dass zwei Junge Mädchen um 4 Uhr in der Früh ein Damenrad in ein winziges, altes Cabrio wuchteten, der Lenker ragte hinten raus und keilte hinter dem Rückfenster, ich habe keine Ahnung, ob das eigentlich erlaubt ist. Und wir fuhren durch die Stadt, mit flatternden Haaren und wenn ich nach oben geschaut habe, habe ich die Bäume gesehen, die von den Laternen gelbgestrahlt wurden und dann die Sterne. Und es war so sehr Sommer und ich bin so glücklich.
Freitag, 11. August 2006
Back Door Beauty?

Den gestrige Videoabend haben wir nicht zum Spaß veranstaltet - oh nein! Es ging darum, ernsthafte Wissenslücken meinerseits aufzufüllen und es ist geglückt. Nun kann auch ich von mir behaupten, "Fear and Loathing in Las Vegas" und ""The Big Lebowski" auch gesehen zu haben. Das wurde aber auch mal Zeit.
Die beiden Filme passen gut an einem Abend. Zum Einstieg gab es noch ein Klaus Kinski Interwiev, um dem Tenor, der ihn noch nicht kannte, mal desse legendäres Temperament vorzuführen. Dann haben wir den Filmeabend mit "Fear and Loathing" angefangen und sogar kurzzeitig versucht, in auf Englisch zu sehen, lief nicht so gut. Ich hatte auch so leichte Schwierigkeiten, erst mal einzusteigen. Es geht um... ach, die eigentliche Handlung ist so was von nebensächlich, es geht um Drogen. "Ich will das, was die gehabt haben", lachte der Tenor an einer Stelle und genau darum geht es, was Drogen so alles mit dem Bewußtsein anstellen können.
Als Drogenfreund kann man viel wegstecken; wie tote Großmütter einem mit einem Messer zwischen den Zähnen das Bein hochkrabbeln...aber man darf von keinem Verlangen mit diesem Trip fertig zu werden...
Was zum Teufel mach ich hier, dachte ich. Ich verstand es nicht. Ich entschloss mich, so bald wie möglich meinen Anwalt anzurufen. Er sollte mir Geld schicken, damit ich einen riesigen Albino-Doberman kaufen konnte."
Zwei mal Eiswasser mit Eis
Wir können hier nicht anhalten, das ist Fledermausland!
Nach einer kleinen musikalischen Pause (Jungs und Gitarren. Seufz. Das hat man nun davon, wenn man sich seinen Freundeskreis aus dem Chor zusammensucht. Früher ins Bett kommt man davon nicht...) kam dann The big Lebowski.
Die Handlung... es geht um den Lebowksi, der aber der Dude genannt wird, ein sympathischer Alt-Hippie, der unfreiwillig in die Entführung der Ehefrau eines mächtigen Unternehmers und es geht um Bowling. Ich weiß auch nicht, diese Sache mit den Inhaltsangaben hat mich noch nicht überzeugt, in Wirklichkeit geht es natürlich um den Humor des Films, um die Sprüche, das Feeling, er macht einfach Spaß. Und den kann man nur vermitteln, wenn man sich ein paar Freunde einlädt, um ihn anzusehen, nicht wenn man darüber schreibt. Deswegen gibt's jetzt noch ein Bild und dann fertig. Oder vielleicht ein Zitat? "Mr Treehorn behandelt Objekte wie Frauen, mann!"? Vielleicht lieber nicht. Nachher findet das wieder keiner lustig...

Mittwoch, 9. August 2006
abgeschickt
Fertig mit dem letzten Essay, Ferien, richtig jetzt!
Es ist eine Schande, dass ich alle meine Weisheiten (well) aus Vox-Nachmittagsserien hab, aber diese hier stimmt nun mal:
Schreiben ist die Kunst, mit dem Hintern auf dem Stuhl zu bleiben.
Ich mache mir lieber keine Gedanken über die Zensur, aber ich bin fertig! Jippieh!
Mein Po tut weh.
nail polish - tolles wort

Ich bin so ein Mädchen. Ich habe verächtlich mit den Begriffen "Tussi" und "Torte" um mich herumgeworfen, bevor andere in meinem Umfeld überhaupt auf die Idee gekommen sind, diese Kriterien in den Berwertungsmaßstab von Mitmenschen einfließen zu lassen, zumindest kommt es mir heute so vor. Und doch kann ich nicht anders, wo ich doch sonst mit Klischees spiele, mich über sie lustig mache, sie umkehre, satirisch lächelnd, diesem einen bin ich unterlegen, aber so was von.
Gott, ich liebe Nagellack. Ich interpretiere es mittlerweile als reine Freude an der Farbe, als Akt der Selbstliebe und des in sich versunkenseins beim Auftragen, als Ausleben der Weiblichkeit, und dann wieder: Freude an der Farbe. Nach Jahren des Desinteresses ist die pubertäre Freude wieder da, ich habe angefangen, mir wieder Farben zu kaufen, ich muss langsam aufpassen, dass es nicht überhand nimmt. Und jetzt auch noch Pink, was ist nur aus mir geworden? Es sollte eigentlich rot sein, zumindest sah das Fläschchen so aus, doch es ist pink, ich bin ein Klischee und ich liebe meine Fingerspitzen. Schon das Tippen auf der Tastatur macht viel mehr Spaß, wenn die kleinen Tupfen darüber huschen, wie können denn zehn Klechse so sehr das Wohlbesfinden steigern, zumal sie ein solchen Klischee darstellen?
Egal, es ist bunt, es glänzt, das bin ich. Und heute in rosa eben. Außerdem, ist mir aufgefallen, ist die ökonomische Subkulturennische der pinken Nägel eh wieder frei. Die Tussis zur Zeit mögen es ja lieber natürlich, french oder schick mit Schmuck aus dem Nagelstudio. Glück gehabt.
Montag, 7. August 2006
Aufgedreht
Blöd. Ich weiß nicht warum, ein bisschen nachgedacht, beim luhmannlesen, über nichts bestimmtes, saß da so in meinem Schalensessel und war auf einmal voll aufgeregt. Bauchkribbeln, heftige Atmung... und nicht die leiseste Ahnung, warum. Was soll das? Und es geht nicht weg, den ganzen Tag schon bin ich unter Adrealin, einfach für nichts. Eine Vorahnung? Bin ich aufgeregt, weil was passiert, wovon ich noch nichts weiß? Blödsinn, aber an dem Tag, als der Fka Schluss gemacht hatte, hatte ich vorher richtig Angst, stundenlang und wußte nicht warum, hab mit dem, was dann kam, nicht gerechnet. Zumindest nicht bewußt.
Der, der Fka hat meiner Noch-Mitbewohnerin, das hat sie mir heute erzählt, eine Sms geschickt. "Süße, du kannst doch nicht einfach ausziehen, ohne mir Bescheid zu sagen!" Süße? Er schreibt "Süße"? Okay, was interessiert's mich. Er wird schon nicht hier vorbei kommen und ihr auf Wiedersehn sagen. (Oder...?) Nein, wird er nicht! Garantiert! (Du gibst Garantien? Wie gut kennst Du den Kerl, der neuerdings seine Smssen mit "Süße" beginnt?) Er kommt aber nicht vorbei! (Und...?) Und damit, dass er nicht hier vorbei kommt hat meine Aufregung auch nichts zu tun! (Jetzt hast Du auch noch angefangen, in Dialogform zu schreiben...)
Verdammt. Ach... menno.
PS: Vielleicht ist es ja auch Unistreß? Ich hab mit meinem Essay angefangen, meinem letzten. Alles machbar, aber meine armen, geschundenen Nerven reagieren darauf gleich wieder mit Angst, sogar meine Hände zittern wieder (*nachguck* Naja, vorhin), jaja, dieses Wrack ist aus mir geworden, in nur 2 Semestern! Hm, ich glaube, diese Variante gefällt mir besser. Oder?
und lesen!
Donnie Darko

Immer das gleiche mit diesem Filmen. Jemand empfielt sie mir, in der Fernsehzeitung steht "Thriller" drunter, beides spricht dafür, ich seh sie mir an. Alleine und im Dunkeln. Sogar meine Katze hat mich im Stich gelassen und den ganzen Abend im Zimmer meiner Mitbewohnerin verbracht. Und dann ist da dieses wirklich gruselige Kanninchen (Ja, verdammt, ich bin leicht zu beeindrucken!) und ich trau mich nichtmal mehr auf's Klo hinterher, bis die Sonne wieder aufgeht. Je-des-mal!
Jetzt (es ist wieder hell) empfehl ich ihn auch, der Film hat mir wirklich gefallen. Es geht um einen Jungen, den Donnie nämlich, der eigentlich ganz normal und sogar ganz cool ist, aber leider unter paranoider Schizophrenie leidet und immer dieses Kanninchen, Frank sieht, das ihm das Leben rettet und fortan gewisse Anweisungen gibt. Sehr geil gemacht, gespielt und erzählt, super Humor, schaurig-nervöse Sonnenscheinstimmung. Einer von diesen "Eigentlich sind hier doch alle bekloppt" Filme, und dann auch noch gut besetzt. Also, gerne ansehen, aber vorsicht, das Kanninchen ist gruselig. Mal gucken ob ich heute Nacht im Dunkeln aufs Klo gehen kann...
A long way down
So, jetzt aber! Wobei ich noch etwas vorranführen muss. Ich habe eine Leseliste. Von Büchern die ich gerade lese, lesen will, lesen muss (Uni), lesen sollte. Sie ist lang und es steht nicht alles drauf, was ich lesen will. Sie ist nicht zu schaffen. Ich brauche Disziplin. Und dann geh ich daher und kaufe mir Bücher, die nicht draufstehen, die einfach rumliegen, die gar nicht dran sind. Und lese sie. Soviel zur Disziplin.
Eine beliebte Methode, um mein Gewissen auf meine Seite zu ziehen: Ich kauf mir das Buch einfach auf Englisch! Das klappt immer, mein Englisch verkümmert hier nämlich, seit ich nur noch französischen Sprachunterricht habe. So auch diesmal. Nick Hornbys, von dem ich schon immer mal was lesen wollte, den mögen ja alle (mein Gott, so eine bin ich?) lag da nämöich rum, für nur 7 Euro nochwas. Und er war auf englisch.

Es hat sich gelohnt. Wie gesagt, mein Englisch verkümmert, aber mit diesem Buch bin ich echt gut zurecht gekommen. Es handelt von vier sehr unterschiedlichen Menschen, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: Sie wollen sich umbringen. Und zwar zur gleichen Zeit, auf dem selben Hochhausdach. Aber wenn man da nicht alleine ist, dann geht das natürlich nicht und so wird nichts aus ihrem Vorhaben und statt dessen geht ihr Leben weiter. Zusammen, zu viert, in Monologen erzählt, so wie man es mag. Mit Humor, mit Nachdenklichem, schön erzählt, lebendige Charaktere. Und, hey, sogar Johnny Depp mag das Buch, steht zumindest hinten drauf. Ich auch. Will das noch jemand dazu schreiben?
Noch ein paar Zitate zum Naschen:
Martin had to explain to me, that if I didn't have a computer, then I wouldn't have a email address. I wasn't sure whether I'd have one or not. I thought it might have come in one of these envelopes you throw away.
And what I owned up to was this: I had wanted to kill myself not because I hated living, but I loved it. And the truth of the matter is, I think that a lot of people who think about killing themselves feel the same way – I think that’s how Maureen and Jess and Martin feel. They love life, but it’s all fucked up for them, and that’s why I met them, and that’s why we’re all still around. We were up on the roof because we couldn’t find a way back into life, and being shut out of it like that… It just fucking destoys you, man.
And we'd had this stupid scene on the street, and even that was kind of cool, because sometimes it's moments like that, real comlicated moments, absorbiung moments, that make you realize that even hard times have things in them that make you feel alive. And then there's music, and girls, and drugs and homeless people who've read Pauline Keal, and wah-wah pedals, and English potato chip flavours, and I haven't even read Martin Chuzzlewit yet, and... There's plenty out there.
Quite clearly, I needed two heads, two heads being better than one and all that. One would have to be the old one, just because the old one knows people's names and phone numbers, and which breakfast cereal I prefer, and so on; the second head would be able to observe and interpret the behaviour of the first, in the manner of a televison wildlife expert. Asking the head I have now to explain its own thinking is as pointless as dialling your own telephone number on your own telephone; eiter way, you get an engaged signal. Or your own answer messag, if you have that kind of phone system.
It took me an embarassing amount of time to realize that other people have heads, and that any of these heads would do a better job of explaining what the purpose of my explosion might have been.
Phae und die Bücher
Seit ich (Waaah! Die Links gehen einfach nicht! - hier: http://www.hurra-blog.de/ ) einen Eintrag über das Leseverhalten der Autorin (darf man bei Blogs Autorin sagen?) gefunden habe, den ich jetzt nicht sofort wiederfand und das Suchen dem geneigten Leser (Leser! Sie hat Leser gesagt!) überlasse, habe ich mir vorgenommen, was über mein eigenes Leseverhalten zu schreiben. Das mal ganz ganz anders ist.
Ich lese gern. Das klingt seit ein paar Jahren wie eine gemeine Lüge, denn seit ich Internet habe und ein Leben in denen man dauernd was mit Freunden unternimmt und nicht nur an Wochenenden, weil man am Arsch der Welt wohnt und seit ich auch noch wirklich was tun muss und nicht nach sechs Stunden und fast keinen Hausaufgaben fertig bin mit meinem Tag, lese ich wenig. Und seit ich einen eigenen Fernseher habe, ich geb's ja zu, verklagt mich doch.
Aber ich lese gerne. Und gleichzeitig, viele Bücher. Ein Buch anzufangen ist einfacher, als eines zu beenden. Reingelesen hab ich schnell, was rumliegt wird aufgeschlagen und angefangen, auch wenn es nicht mir gehört. Dazu kommt, dass die Ansprüche wachsen, wenn man eine gewisse Anzahl von Büchern konsumiert hat. Was die kleine Phae von 12 Jahren begeistert verschlungen hätte, findet die 20 jährige Phae langweilig, ideenlos, schlecht geschrieben oder einfach unkreativ, vielleicht einzig aus dem Grund, dass sie etwas ähnliches mit 12 schon mal gelesen hat. Mein hochgeschätzter Französischlehrer hat uns mal von einem Buch erzählt, das heißt "Die Rechte des Lesers" oder so. Das man ein Buch auch hinten anfangen darf, wenn man will, in der Mitte aufhören oder nur jedes zweite Wort lesen.
Zum Umgang mit Büchern muss ich gestehen, dass man meinen Büchern ansieht, dass sie gelesen wurden. Ich trage sie in überfüllten Taschen mit mir herum (ich bin da ein bisschen wie Rory Gilmore: Immer eins dabei haben, auch wenn man ganz bestimmt nicht zum Lesen kommt. Und ein leeres zum Reinschreiben auch!), ich lese sie in der Badewanne, ich esse beim Lesen. Und ich schreibe hinein, ich mag es, mich selbst in Büchern zu hinterlassen. Ich markiere schöne Stellen, zeichne Smileys und schreibe das ein oder andere "Blöd!", "Pfff" oder "Arschloch!". Bei ausgeliehenen Büchern halte ich mich übrigens zurück. Ein bisschen. Das Reinschreiben und die Badewanne fallen dann weg.
Dieser Eintrag sollte eigentlich die Vorstellung eines bestimmten Buches werden. Aber das mach ich jetzt im nächsten.
Aida
Viel Kultur! Ich weiß zwar immer noch nicht, was ich mit diesen Einträgen eigentlich bezwecken will ("Kauft das!" Eher nicht) aber das ist mein Blog und in Blogs macht man das so. Wenn ich schon nix mehr zu schreiben hab, außer den Tenor und über den mag ich nicht schreiben, weil ich mir noch nicht sicher bin, dass er nicht doch hier mitliest (Hallo Tenor!)... Eigentlich, naja, eigentlich stimmt das nicht. Ich bin mir fast sicher. Aber ich bin ja auch naiv, leichtgläubig und ungesund optimistisch. Und mir ziemlich sicher, dass der Tenor an genau dem Tag mein Blog finden wird, an dem ich beschließe, dass keine Gefahr mehr droht und die Einträge über ihn wieder reinstelle. Und das werde ich tun, irgendwann, auf die bin ich nämlich stolz. Aber zur Zeit gefällt es mir noch, das kleine Spiel "Ich weiß vielleicht dass Du vielleicht weißt, dass ich weiß..." Auch wenn es nur in meiner Vorstellungskraft existiert, da bin ich ziemlich sicher...
So, abgeschweift. Mehr Kultur! Und davon gibt es ein bisschen was zu erzählen. Das Tenorgeschwätz war nur für die Quote . ;)

Hochkulturell war ich am Wochenende, bin ich doch in die Oper gegangen. Zum ersten Mal in meinem Leben, glaube ich. Eigentlich nicht, ich glaube, da war schon mal was mit Oper, aber ich kann mich halt nicht daran erinnern...
AIDA. Klar, ich mit meinem Ägyptenfimmel. Meine ganze Familie habe ich mitgeschleift, die meisten hat es nicht erfreut. Selbst schuld, dies ist ein freies Land. In Stralsund waren wir, mal wieder, in der Seebühne. Aufwändig inszniert, viel Chor, viele Kostüme, großes Bühnenbild, sehr Verdi. Freundlicherweise war ein Telepromter aufgebaut, der den deutschen Text der gesungenen italienischen Verse zeigte, fand ich sehr angenehm. Schöne Musik, große Stimmen - auf die wurde mehr Wert gelegt als auf Aussehen und Alter der Charaktere. Zack, da war es wieder, dieses verdammt wenig kulturelle Gefühle. Eine Oper, Phae, eine Oper war das! Hör sofort auf, Dich zu langweilen, finde das hier bitteschön so großartig wie es ist! Es hat mir wirklich gefallen, aber ich konnte trotzdem nichts dagegen machen: Das Musical, das ich bis jetzt nur von CD her kenne, sagt mir mehr zu, ich schähme mich und steh dazu. Ich möchte AIDA lieber als trotzige Heldin sehen und Radames als ... naja, jung und schön, genauso wie alle anderen und dass die Musik von Elton John mir wohl auch mehr zusagt als die von Verdi... Es tut mir leid. Ich bin eben Musical, von Grund auf. Zu meiner VErteidigung bleibt zu sagen, dass, das wußte ich auch schon vor meinem Orientliteraturseminar, eine europäische Handlung und italienische Oper nur in ein Ägyptisches Kostüm gesteckt wurde, das war nicht Ägypten, das war Italien.
Egal, es war eben eine Oper und als solche empfehlenswert. Sind ja nicht alle solche Banausen wie ich. Und eigentlich hat es mir auch gefallen. Die Musik werde ich mir jedenfalls besorgen, zum Einschlafen und Träumen. Von meinem Ägypten und meiner Aida und sowieso.
Freitag, 4. August 2006
Anleitung zum Trösten
Ich habe gerade in meinem Tagebuch etwas gefunden, was ich der Welt mitgeben möchte. Wie man sich verhält, wenn eine gute Freundin verlassen wird.
Frage nicht, ob du vorbeikommen sollst. Sage einfach, dass Du sofort da bist.
Sei sofort da.
Umarme.
Ergreif die Initiative, lege ihren Kopf auf Deinen Schoß, streichle ihr über die Haare, sage ihr, dass sie weinen soll.
Lass sie aufzählen, was sie an ihm geliebt hat.
Lass sie aufzählen, was sie an ihm gehasst hat.
Bring sie zum Reden, über ihn.
Geh mit ihr Essen. In ein indisches Restaurant.
Geh mit ihr in die Stadt, shoppen.
Gucke mit ihr Gilmore Girls.
Bleibe über Nacht, auch wenn Du morgen früh raus musst.
Schreibe ihr am nächsten Tag eine SMS dass Du immer für sie da bist.
Danke, geliebte S. Du hast alles richtig gemacht, damals, und das werde ich Dir nie vergessen.
Donnerstag, 3. August 2006
aufgehängt
durchatmen
Das ist jetzt eine Woche her. Zwischendurch bin ich spontan nach Frankreich in den Urlaub gefahren, hatte etwas Abstand und Zeit, nachzudenken. Hat er gemerkt, auf was für einer Seite er da war? Ist ihm etwas aufgefallen, ist er später zurückgekehrt? Habe ich einen neuen Stammleser?
Falls ja: Herzliche Grüße. Aber eigentlich... eigentlich denke ich das nicht. Halte ich die Chance, dass er in dem kurzen Sekunden, in denen er hier war und ich beim Blick über seine Schulter erstarrt bin, etwas gemerkt hat, für sehr gerin. Was großes Glück ist, denn, hätte er weiter nach unten gescrollt, hätte er ein Foto von meinem Kater gesehen und dann wäre ich in ganz schöne Erklärungsschwulitäten gekommen, dann wüßte ich gerne mal, wie ich mich da wieder rausgeredet hätte.
Was also mache ich jetzt? Klar, ich bleine hier. Ich glaube, er hat mich nicht entdeckt, wenn doch, spielen wir jetzt ein lustiges Spiel. Anmerken lassen hat er sich nämlich nichts, gestern.
Meine Einträge über den Tenor hab ich erstmal herausgenommen. Vor Jahren habe ich mal in irgendeiner Dr. Sommer Rubrik den Kommentar gelesen, dass man Tagebücher deswegen nicht lesen darf, weil die Gedanken darin noch nicht fertig sind. Man schreibt auf, was einem Kopf rumschwirrt, diese Gedanken sind nicht dafür gemacht, mit anderen Menschen konfrontiert zu werden, dazu sind sie nicht da.
Ich schreibe also weiter, mit dem Gedanken, an einen vielleicht mitlesenden Tenor im Hinterkopf... Über den ich mich jetzt erst mal nicht mehr zu schreiben traue. Schade eigentlich.
haarscharf
Das war knapp. Zu knapp. Schwer atmend lehne ich an der Badezimmertür, starre mein Gesicht im Spiegel an und wechsel einen Blick mit mir selbst, ziehe die Augenbrauen hoch. Knapp... Mein Blog auf dem Bildschirm da nebenan, der Tenor davor, ein flüchtiges Hoch und Runterscrollen, dann wieder weggeklickt, weitergesucht. Ich hab es geschafft, meinen Satz zu beenden, kurz auszuharren und dann auf Toilette zu gehen. Verdammt, war das knapp! Ich hab mich hier so sicher gefühlt, wie sollte mich denn jemand finden? Mit Google hab ich nicht gerechnet, ich Idiotin...
Was mach ich denn jetzt? Weiterschreiben? Was, wenn man mich findet? Wenn er mich findet? Klar, hat mich das nachdenklich gemacht. Was mache ich hier? Warum lasse ich zu, dass ich in so eine Situation komme? Ich will Entr'Acte nicht aufgeben, Bloggen ist ein Medium, das mir mein Leben lang gefehlt hat, habe ich das Gefühl. Andrerseits... schön blöd, mich so offen zu präsentieren, selbst schuld, wenn das dicke Ende noch kommt. Schluck.
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