Es ist der letzte Tag vor der letzen Klausur. Schlafen und lernen sollte ich, vielleicht ein bisschen TV in den Lernpausen, vielleicht mal was kochen und dann wieder lernen und schlafen. Sollte ich.
Ich habe gekocht und gelernt. Und dann kam der Tenor, der nicht alleine sein konnte, mit seinen Gedanken und ich hab ihm meinen Abend geschenkt, bin zu ihm gefahren. Aus meinem Abend wurde meine Nacht.
Zugehört hab ich viel und versucht, die richtigen Fragen zu stellen. Stundenlang haben wir auf einer Decke auf dem Boden gelegen und das flackernde Licht der Kerze an der Decke beobachtet, oder die Sterne durch die Balkontür. Einfach dagelegen, ich im rechten Winkel zu ihm, ohne was zu sagen. "Wenn ich alleine hier liegen würde, würde ich mich einfach scheiße fühlen, dabei sagst du nicht mal was.", meinte er irgendwann. Um die Zeit hat er, haben wir uns nur noch flüsternd unterhalten, vielleicht wegen der Mitbewohnerin oder der Situation, ich weiß es nicht. Morgen ist meine letzte Klausur, heute sollte ich lernen und er wollte mich überreden, nach Holland zu fahren. Jetzt, jetzt gleich, mit dem Auto los. In 8 Stunden sind wir da, lernen kannst Du auch unterwegs, morgen sind wir zurück. Ich glaube fast, hätte ich ja gesagt, wären wir jetzt wirklich dort. Ich glaube, fast hätte ich ja gesagt.
Er hat gespielt, mit meiner Haarspange und meinen Haaren, er hat mich angesehen, fast jedes Mal wenn ich in dem mittelgroßen Bett neben ihm aufgewacht bin, und ja, es hat ein bisschen gekribbelt, mehr als ein mal, in mir drin.
Auf keinen Fall will er was anderes, als eine Frau, mit der er Kinder kriegen und alt werden möchte. Und ich? Ich will und kann nichts, was nicht richtig ist.
Was soll das nur werden? Wie viele solcher Nächte halten wir noch aus? Und wie viele Tage in Holland...?
Und trotzdem, fast schon müßig zu sagen, wie großartig sie war, wie intensif, wie lebendig, wie sehr Sommer und Jugend und einfach mein Leben. Die Nacht, in der ich eigentlich früh hätte ins Bett gehen sollen...
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