♥ Besserwisserin ♥
Steal a peep at me and tippy-toe into my world! God save the Queen - and her shoes... **********************************************************************************************
Einträge "flüchtiges Fernweh":
Freitag, 27. Oktober 2006
Paris, die Stadt der Schlaflosen
Current mood: c'est bien
Sonntag, 16. April 2006
Fernweh, aber vor der Haustüre. Vielleicht die falsche Rubrik.
Montag, 6. März 2006
Ein Hauch von Erhabenheit.
Current mood: Gut.
Sonntag, 5. Februar 2006
Erinnerung
Geht es nur mir so oder kennen dieses Gefühl auch andere: man kommt zurück von einer Reise, ein einmaliges Erlebnis, aus welchen Gründen auch immer. Aber kaum ist man zu Hause, wünscht man sich, man könnte sich an mehr erinnern. Mein Kopf fühlt sich total leer an, wenn ich versuche, mich zu erinnern. Aber seltsamerweise fallen einem nach und nach, zu absurden Anlässen, Details der Erlebnisse wieder ein. Dennoch ist die Erinnerung lückenhaft und vergesslich, das Gefühl von damals kann man nicht wieder rekonstruieren. Man wünscht sich sehnlichst, sich an mehr zu erinnern, das großartige Empfinden von damals zurückzuholen. Was einem bleibt, sind Splitter, Bruchstücke der Vergangenheit, die so schwer zusammensetzbar sind wie ein 100-Teile-Puzzle. Ebenso frustrierend ist, dass man mit seinen Erinnerungen ganz allein ist, da keiner die Erfahrung mit einem teilt. Wenn man nicht alleine gereist ist, kann man zumindest noch Anekdoten anbringen und kleine Insider-Erinnerungen hervorrufen, aber mehr auch nicht. Das Gefühl bleibt verloren. Auch Bilder und Photographien sind eher hinderlich als nützlich: Das Gebäude hat wirklich so ausgesehen? Das habe ich nie so wahrgenommen. Hatte ich meine Augen überhaupt geöffnet? Warum geht mir die Erinnerung verloren? Warum habe ich kein Photo von dem gemacht, was wirklich wichtig war, sondern nur die Sehenswürdigkeiten abgelichtet, die so in jedem Reiseführer zu sehen sind? Man vergisst das Ambiente, die Impression, man bedauert, dass man sich so wenig Zeit genommen hat, um sich hinzusetzen, die Stadt oder die Landschaft in sich aufzunehmen und Menschen zu beobachten. Eigentlich ist das Einzige, was eine Reise auslöst, Fernweh und Sehnsucht, um zu realisieren: Habe ich das schon einmal gesehen? Wie war das noch gleich? Ich muss das Ausgelassene vervollständigen. Ich will sofort wieder hinfahren...










Current mood: Sehnsuchtsvoll.
Samstag, 4. Februar 2006
London für Anfänger.
Ich war allein unterwegs, mit einer Reisegruppe. Ich kannte niemanden und bin zum ersten mal geflogen. Die Unternehmung war für mich dennoch wichtig, weil ich schon mein Leben lang von London geträumt hatte, und diese Stadt nahezu allein zu entdecken war natürlich noch viel besser. Am Flughafen habe ich durch Zufall gleich meine Zimmernachbarin in der Gastfamilie kennen gelernt, Gott sei Dank haben wir uns auf Anhieb gut verstanden. Die Organisation des Unternehmens, welches die Reise organisiert hatte, ließ stark zu wünschen übrig und so standen wir beide am Heathrow-Flughafen ganz allein ohne irgend einen Ansprechpartner oder Plan. Ich ergriff die Initiative, wechselte mein Geld in Pfund um und telefonierte mit unserer Gastfamilie. Nach langem hin und her, Gesprächen mit dem Reisebüro und einem Münztelefon, welches soeben fünf Pfund kassiert hatte, stellte sich heraus, dass wir vier Stunden am Flughafen warten sollten, bis die anderen Reisegruppen aus Frankfurt, Berlin oder Köln kamen. Unsere erste Idee: zunächst Airport-Shopping... Eingedeckt mit Cadbury's, Tee mit Milch, Muffins und einer britischen Illustrierten machten wir es uns zwischen lärmenden Kindern auf dem Weg nach Brighton oder Torquay in der Wartehalle bequem.

Nach und nach erschienen die Fehlenden und wir brachen auf. Mit unseren sperrigen Koffern bahnten wir uns den Weg nach draußen vor das Gebäude. An dieser Stelle muss hinzugefügt werden, dass der Londoner Flughafen, im Gegensatz zu dem in München z.B., unglaublich hässlich ist. Ich erkannte den Airport im ersten Moment gar nicht als solchen, die Halle sah mehr aus wie ein Bahnhof. Draußen standen wir also herum, der Reiseleiter suchte unseren Busfahrer. Ich konnte angesichts des überraschend sonnigen Wetters in England gleich meine gerade eben erworbene Sonnenbrille von Assesorize präsentieren. Meinen ersten Kulturschock erlitt ich beim Einsteigen in den Bus: falsche Seite... Wirklich sehr verwirrend. Die Fahrt dauerte eineinhalb Stunden, da Busse dazu angewiesen worden waren, um die Innenstadt herum zu fahren, da ich nur wenige Wochen nach den Terroranschlägen auf U-Bahn und Busse in London gewesen bin. Die Fahrt auf der linken Seite der Autobahn war eigenartig, ebenso die Landschaft: fast wie bei uns, nur etwas karger und mit tot wirkenden Bäumen. Nach einiger Zeit erreichten wir die ersten Außenbezirke Londons und freuten uns schon auf das Kommende. Zu unserer Überraschung hielten wir jedoch auf einem Court Yard mitten in Bromley, eine halbe Stunde von der Innenstadt entfernt. Laut Katalog hätten wir mitten in der Stadt unterrichtet werden sollen (die Reise enthielt einen täglichen Sprachkurs), und so waren alle enttäuscht, dass sich sowohl Gastfamilien als auch College so weit weg befanden.
Auf dem Parkplatz wurden wir von unseren Gasteltern abgeholt. Mich und Friedericke, meine Mitstreiterin, holte ein älterer Herr mit irrem Blick und einem dunkelblauem Wagen ab. Es war Len... Skeptisch stiegen wir ein, die Konversation blieb sehr zurückhaltend. Wir fuhren etwa fünf Minuten und ich versuchte fieberhaft, mir den Fluchtweg einzuprägen. England hat eine sehr typische Architektur und so sah für mich alles gleich aus: kleine schäbige Häuschen mit dem selben Fensterausbau.

Unsere Gastfamilie, die Bayliss', wohnten im Winford Way. Wir in Zufunft auch. Vor der Tür stand bereits Gwen, ebenfalls eine Dame mittleren Alters. Ihr Englisch konnten wir weitaus besser verstehen und so bugsierten wir zunächst unser Gepäck in den winzigen, mit mintgrünem Teppich (mit rosafarbenen Blümchen) ausgelegtem Flur. Dann wurden wir ins Wohnzimmer komplementiert (ca. 8 qm, zwei monströse, unförmige, cremefarbene Ledersofas und ein dazugehöriger Sessel, der selbe unsäglich grüne Teppich wie im Flur, dazu ein tannengrün-pinkfarben gemusterter Läufer, ein künstlicher Kamin mit den Fotos der Lieben, ein naives Landschftsbild, Kitschromane und die Fernsehzeitung, eine bordeauxrote Tapete mit Textilstruktur und Bordüre und ein riesiger Flachbildschirm mit den passenden Raubkopie-DVDs aus Malaysia). Wir nahmen auf den Sofamonstern Platz und wurden dann über unsere Reise ausgequetscht sowie über uns, die neuesten Informationen über die Terroranschläge wurden ausgetauscht und wir lästerten gleich über das Reiseunternehmen, mit welchem die Bayliss' schon einschlägige Erfahrungen hatten, da sie schon öfter deren Gastschüler untergebracht hatten. Schließlich wurden wir für's Erste entlassen, Gwen zeigte uns unser Zimmer und wir trugen die Koffer anch oben. Die Treppe war ca. 80 cm breit und mit dem unheimlichen mintfarbenen Teppich bezogen. Im ganzen Haus standen künstliche Blumen und Nippesfiguren. Ich und Friedericke machten erst einmal die Tür hinter uns zu. Wir mussten den Raum zuerst einmal auf uns wirken lassen: zwei unterschiedliche Hochbetten mit schmuddeligen Matratzen, die sehr wackelig aussahen. Tatsächlich waren sie an der Wand angeschraubt, später erfuhren wir einmal, weshalb (zwei Gastschüler aus Polen hatten sturzbetrunken die Betten im Raum herumgeschoben, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass sie weit gekommen wären). Das Zimmer war etwa 10 qm klein, der obligatorische Flauschteppich suchte uns auch hier heim. An der einen Seite des Zimmers war ein großer Spiegel über einem weißen Sideboard mit vergoldeten Beschlägen, auf welchem Kosmetiktücher, Wattebäuschchen- und stäbchen drapiert waren, angebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite stand ein Schubladenregal im selben Stil, darauf eine kleine Lampe mit fliederfarbenem Schirm auf der Häkeldecke, mitten vor dem Fenster. Das letzte bisschen Platz beanspruchte ein weißer Sperrholzschrank in der Ecke neben dem Fenster für sich. Zum Verhängnis wurde mir die Lampe an der Decke, an der lange rosafarbene tropfenförmige Glasgebilde hingen, weil ich diese regelmäßig anstieß und so die Tropfen auf den Boden fielen... Gut, dass der Teppich so weich war. Wir fügten uns unserem Schicksal und begannen, unsere Koffer auszupacken. Nach einer Weile wurden wir von Gwen zum Essen gerufen: nicht das befürchtete blutige Steak mit Minzsoße, dafür aber Gemüse und ein Stückchen Huhn aus der Mikrowelle mit einem Schokopudding von Sainsbury's.
Am nächsten Tag machten wir uns fertig und gingen hinunter zum Frühstück. Auch hier blieb die böse Überraschung aus: statt englischem Frühstück mit Schinken und Eiern etc. Toast mit Marmelade (ja, Orangenmarmelade war auch dabei...) und Cornflakes (wenn auch gewöhnungsbedürftige...). Dann bekamen wir unser tägliches Lunchpaket (für deutsche Verhältnisse eine wirklich grausame Ernährung: ein Schokoriegel, ein labbriger Toast mit Ei oder Roastbeef, ein unreifer Apfel, eine Flasche Wasser und eine kleine Tüte Essigchips! In England habe ich manche Leute schon am Morgen im Bus Kartoffelchips frühstücken sehen.) und sind losgegangen in Richtung Eltham College. Das Haus der Bayliss' war mit beerenfarbigen Petunien überwuchert, so konnten wir es wiederfinden. Der Winford Way war eine lange Staße parallel zu einer riesigen kahlen Rasenfläche, auf der täglich ganze Vogelschwärme saßen und deren Zweck mir bis heute schleierhaft ist. Da wir den Weg zur Schule nicht genau wussten, folgten wir einfach der Straße und bogen willkürlich nach links ab. Irgendwann kamen wir auf die Hauptstraße, die Mottingham Road.
Von dort aus ist der Weg nicht schwer zu finden, den Hügel hinunter und vorbei an der Methodistenkirche und am Spar (ja, Spar in London!). Unten dann vorbei am Fish & Chips-Laden und am Kreisverkehr auf den Linksverkehr achten (Kreisverkehr ist schon in Deutschland kompliziert, aber bei Linksverkehr lebensgefährlich...). Der Weg bis zum College dauert etwa zwanzig Minuten, nach einem anstrengenden Tag in London noch etwas länger. Am Morgen kostete es viel Überwindung, nicht einfach liegen zu bleiben. Aber gut, sobald man aufgestanden ist, freut man sich auf einen Zwischenstopp im besagten Spar um sich mit dem einzigartigen Volvic Touch of Fruit einzudecken, was ich hier in Deutschland schmerzlich vermisse: Volvic-Wasser mit Erdbeergeschmack oder Limette oder Ananas, einfach grandios.
In der Schule angekommen musten wir uns auch erst einmal zurecht finden; das Eltham College ist ein sehr schönes Gebäude mit einem zauberhaften Innenhof (das Betreten des englischen Rasens ist selbstverständlich verboten...), ein riesiger alter Baum komplettiert das Bild. Wir lernten also an diesem Vormittag Oli kennen, unseren Gruppenleiter aus Deutschland, und Nici, die Muttersprachlerin, die uns zusammen mit Oli unterrichten sollte. Wir füllten Einstufungstests aus und machten uns erst einmal mit der Materie vertraut, Informationen über London und Cambridge und ähnlich seichtes. Soweit ich mich erinnern kann wollten wir dann am Nachmittag Traveller Cards im Post Office kaufen gehen und sind dafür extra nach Eltham gelaufen. Wir mussten schließlich etwas ortskundig werden. Blöderweise läuft man nach Eltham sehr weit und wir waren nicht darauf vorbereitet... Irgendwann wurden wir dann entlassen und was machen junge Menschen, wenn sie nicht wissen, was sie tun sollen? Einkaufen, na klar. Die Eltham High Street ist dazu sogar eingermaßen gut geeignet.

Irgendwann habe ich dann die Odyssee aufgegeben und bin samt einem frischen Vorrat Volvic in den Bus Richtung Mottingham gestiegen.
Unsere Stimmung war ziemlich schlecht, da jeder etwas anderes von der Reise erwartet hatte. Die Gastfamilien entsprachen nicht den Erwartungen und eigentlich hätte die Schule ja direkt in London sein sollen. So war ein jeder ziemlich unzufrieden, zwei Mädchen gingen sogar so weit, am zweiten Tag wieder abzureisen. Der Rest hielt durch, wenn auch unter Protest und mit Androhung juristischer Maßnahmen. Aber nach ein paar Tagen verflog die schlechte Stimmung und die Aufmerksamkeit wurde auf wichtigere Dinge wie z.B. Nicis Kleidungsstil und die Frage nach Freizeitaktivitäten gelenkt. Tatsächlich fuhren wir fast jeden Tag nach dem Unterricht (der für mich wirklich sinnlos war, die Übungen waren unter dem Niveau eines Abiturkurses...) mit dem Zug nach London. Von der Mottingham oder Eltham Station aus über Lewisham zur London Bridge, zur Waterloo Station oder bis zum Charing Cross.

(Mottingham liegt zwischen Blackheath und Lewisham)
Auf diese Weise haben wir viel gesehen von London, aber leider erinnere ich mich so detaillos, wie schrecklich. Eigentlich sollte ich ja wenigstens das Grobe aufschreiben, aber im Moment nicht...
Current mood: hm... so lange her.
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